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31. August 2006, 15:53 Uhr

Das bizarre Verhältnis zum Entführer

Wie lebt sich Natascha wieder in ihrem sozialen Umfeld ein? Ihr Betreuerteam ließ wissen, sie habe derzeit ein distanziertes Verhältnis zu ihren Eltern. Ein Zeuge, der sie mit Priklopil gesehen hatte, behauptet, sie habe damals "glücklich" gewirkt.

Nataschas Rechtsanwältin Monika Pinterits und der behandelnde Psychiater Max Friedrich beantworten die Fragen der Presse© Hans Punz/AP

Natascha Kampusch habe eine "distanzierte Haltung" zu ihren Eltern, teilte das Betreuerteam der 18-Jährigen am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Wien mit. Sie telefoniere zwar regelmäßig mit ihrer Mutter, aber zum Vater habe die junge Frau im Moment keinen Kontakt. Ob und wann sie zu ihrer Familie zurückkehre, sei offen.

Die Ermittler kündigten unterdessen an, über Nataschas Aussagen und weitere Erkenntnisse Stillschweigen zu wahren. Kampusch selbst hatte in einem spektakulären Appell zu Beginn der Woche gebeten, ihre Privatsphäre zu wahren. Bekannt wurde die Aussage eines Zeugen, der ein Geschäftspartner des Entführers Wolfgang Priklopil war. Er habe bei einem Treffen mit Priklopil Natascha kennen gelernt - ohne zu wissen, wer sie sei, berichtete der Mann. Sie habe "glücklich" auf ihn gewirkt.

"Sehr, sehr stark"

Psychologen sehen in dieser Verhaltensweise des Opfers eine Art Selbstschutz. Die Beziehung zwischen Kampusch und Priklopil könne durchaus auch eine gewisse Nähe erreicht haben. "Das Bedürfnis, physisch und psychisch zu überleben, ist das stärkste Bedürfnis, das es gibt", sagte der Psychiater und Autor Paulus Hochgatterer der Wiener Wochenzeitung "Falter": "Es ermöglicht Menschen unter Extrembedingungen - wie es hier der Fall war - zu existieren." Weiter erklärte er: "Sie muss sehr, sehr stark sein. In ihrer Persönlichkeit war offenbar so viel Gesundes, dass sie nie vergaß, dass dieser Mann ein Verbrecher war, der ihr Unrecht zufügte." Daher habe die 18- Jährige auch allen Drohungen zum Trotz die Gelegenheit zur Flucht erkannt und ergriffen.

Kampusch, die nach Angaben des Psychiaters Max Friedrich, der die Betreuung der jungen Frau koordiniert, "schwer traumatisiert" ist, hält sich nach wie vor an einem geheim gehaltenen Ort auf. Auch der Polizei steht sie nur in kurzen Befragungen Rede und Antwort.

Winziges Verlies

Natascha Kampusch war am 2. März 1998 im Alter von zehn Jahren auf dem Weg zur Schule in Wien entführt worden. Der gelernte Nachrichtentechniker Wolfgang Priklopil hielt sie mehr als acht Jahre in seinem Haus in Strasshof gefangen - über große Zeiträume in einem winzigen Verlies in seinem Keller. Vergangene Woche gelang dem Opfer die Flucht. Der Täter nahm sich wenige Stunden später das Leben.

 
 
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