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12. September 2006, 15:53 Uhr

"Vernunft schließt Heiligen Krieg aus"

Papst Benedikt XVI. hat den Islam und andere Religionen zu einem Dialog der Vernunft aufgerufen. Zugleich verurteilte das katholische Kirchenoberhaupt während einer Vorlesung Gewalt als Mittel der Verbreitung des Glaubens.

Papst Benedikt XVI. rief die Religionen zu einem Dialog der Vernunft auf© Karl-Josef Hildenbrand/DDP

Vernunft und Glauben stünden nicht im Widerspruch, betonte Benedikt am Dienstag in einer Vorlesung an der Universität Regensburg. "Nicht vernunftgemäß handeln ist dem Wesen Gottes zuwider", sagte er laut Redetext. Das schließe die Bekehrung Andersgläubiger mit Gewalt aus, etwa in einem "heiligen Krieg". In einer Messe vor mehr als 200.000 Menschen hatte sich der Papst zuvor gegen religiösen Fanatismus und Hass gewandt. Einige Glaubensrichtungen des Islam vertreten die Auffassung, dass Gott nicht an Vernunft gebunden ist.

Respekt vor dem Glauben und den Gläubigen

Der Respekt vor religiösen Überzeugungen sei die Grundlage der Verständigung zwischen den Kulturen, sagte Benedikt vor den Wissenschaftlern. Andernfalls verschlössen sich dem Dialog vor allem tief religiöse Gesellschaften. "Eine Vernunft, die dem Göttlichen gegenüber taub ist und Religion in den Bereich der Subkulturen abdrängt, ist unfähig zum Dialog der Kulturen."

Vatikansprecher Federico Lombardi sagte, Benedikt habe mit seinen Äußerungen den Islam nicht insgesamt als gewalttätig verurteilen wollen. "Wir wissen, dass es innerhalb des Islam viele unterschiedliche Positionen gibt, gewalttätige und nicht-gewalttätige", sagte der Pater.

Kritik am unmoralischem Westen

Benedikt, der von 1969 bis 1977 in Regensburg als Theologieprofessor lehrte, wandte sich zugleich gegen die Konzentration der westlichen Kulturen auf die Naturwissenschaften. Sie erlitten Schaden, wenn sie andere Herangehensweisen an die Welt ausklammerten. Das Christentum habe im Zusammenwirken mit der griechischen Philosophie "Europa geschaffen und bleibt die Grundlage dessen, was man mit Recht Europa nennen kann". Schon in den Ansprachen und Predigten der ersten Tage seines Bayern-Besuchs hatte der Papst einen Verlust religiöser und moralischer Werte beklagt und die Gläubigen zur Umkehr aufgerufen.

Benedikt XVI. widmete sich den übrigen Tag privaten Angelegenheiten. So besuchte er am Nachmittag das Grab seiner Eltern und das seiner Schwester Maria auf dem Friedhof in Pentling. Zudem plante er, am Abend mit seinem Bruder Georg Ratzinger in seinem ehemaligen Wohnhaus in Pentling zusammenzukommen.

Mann stürmt auf Benedikt zu

Allerdings lief der Besuch des Papstes in seiner Heimat Bayern nicht ganz ohne Zwischenfälle ab. Beim Papstgottesdienst in Regensburg ist am Dienstag ein Mann aus zunächst nicht geklärten Gründen auf den Altarhügel zugestürmt, auf dem Benedikt XVI. gerade seine Messe zelebrierte. Der Mann habe offenbar im Ehrengastbereich gesessen und sei von den Sicherheitskräften niedergerungen worden, sagte ein Polizeisprecher. "Was er wollte, ist ziemlich unklar." Der Mann sei nicht bewaffnet gewesen. Über seine Identität lagen zunächst keine näheren Angaben vor.

Der Zwischenfall hatte sich knapp 100 Meter vom Papst entfernt abgespielt. Die Polizei nahm den Mann kurzfristig in Gewahrsam. Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU) betonte, das Bayerische Landeskriminalamt schätze den Vorfall nicht als schwerwiegend ein. Unterdessen hat das Bayerische Landeskriminalamt eine Belohnung zur Ergreifung des Farbwerfers ausgesetzt, der am Sonntag das Geburtsthaus des Papstes verunreinigt hatte. Auf das Haus in Marktl am Inn waren zwei mit blauer Farbe gefüllte Plastiktüten geworfen worden. Die Hausfassade konnte jedoch bereits am Sonntagnachmittag wieder von den Farbspuren befreit werden.

Reuters/DPA/AP
 
 
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