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Hakenkreuze, Waffen, SS-Propaganda: der brisante Nachlass eines verstorbenen Neonazis

Die Wohnung des verstorbenen Lutz H.  war "bis unter die Decke vollgestopft" mit Nazi-Propaganda und erlaubnispflichtigen Waffen. Eine Nachlassverwalterin hat die Sammlung entdeckt. Die Polizei ermittelt. 

Hakenkreuze, SS-Propaganda, Waffen: der brisante Nachlass eines verstorbenen Neonazis

Neben Waffen wurde in Lutz H. Wohnung auch NS-Propaganda gefunden. (Symbolbild)

Die Hamburger Polizeibeamten dürften ihren Augen nicht getraut haben, als sie die Wohnung von Lutz H. betreten haben: Sturmgewehre, mehrere Originalausgaben von Hitlers "Mein Kampf", SS-Abzeichen und Nazi-Orden - die vier Wände des Verstorbenen seien "bis unter die Decke vollgestopft" gewesen mit Waffen und Nazipropaganda, schreibt die "taz". Der entsprechende Bericht über den brisanten Fund wurde dem stern von der Hamburger bestätigt.

Anfang August seien die Beamten von einer Nachlassverwalterin, die kurz vorher die Wohnung in der Hansestadt betreten hatte, auf den Fund aufmerksam gemacht worden. Lutz H. war zu diesem Zeitpunkt schon drei Monate tot, er verstarb Anfang April in einem Krankenhaus. Die Nachlassverwalterin kam zum Einsatz, weil der Mann keine nahe stehenden Verwandten hat. Näheres zu dem Verstorbenen ist nicht bekannt.

Wohnung von Lutz H. voller Waffen und Nazi-Bildern

Laut "" haben auch Gemälde von bekannten Nazis wie Joseph Goebbels (Reichsminister für Propaganda) und Otto Ernst Remer (verhinderte nach Hitler-Attentat am 20. Juli einen Putsch) die Wände seiner Wohnung geziert. Auch ein Bild von dem norwegischen Amokläufer Anders Behring Breivik, der 2011 in Oslo auf der Insel Utøya 77 Menschen erschoss, soll dort gehangen haben. Darüber hinaus habe die Polizei mehr als ein halbes Dutzend Handfeuerwaffen gefunden und insgesamt 15 erlaubnispflichtige Sturmgewehre und Maschinenpistolen (darunter eine AK-47 und eine Scorpion-Maschinenpistole) sichergestellt, wie die Zeitung berichtet.

Die Polizei Hamburg ermittelt im Fall Lutz H. 

Strafrechtlich seien die Nazi-Memorabilien allerdings nicht zwingend relevant, so ein Sprecher der Polizei zum stern. Grundsätzlich sei der Besitz nicht strafbar, die öffentliche Zurschaustellung etwa schon. Man habe daher neben den Waffen auch elektronische Unterlagen und Notizbücher von Lutz H. sichergestellt, um im Zweifel etwas über sein Umfeld und einschlägige Kontakte herausfinden zu können. Laut "taz" habe Lutz H. der NPD nahe gestanden. Um die Entsorgung der für die Ermittlungen irrelevanten Gegenstände kümmere sich die Nachlassverwalterin, der eine sogenannte "Vernichtungsverfügung" durch die Polizei erteilt wurde. "Der leitende Beamte vom Dauerdienst konnte keine Straftatbestände feststellen, deshalb haben wir die Vernichtungsverfügung erteilt", erklärt Polizeisprecher Holger Vehren der "taz".  

Obwohl der Waffenbesitz durchaus strafrechtlich relevant sei - laut einem zweiten "taz"-Bericht zu dem Thema sei Lutz H. wegen Verstoßes des Waffengesetzes der Polizei sogar bereits bekannt gewesen -, wird das Verfahren vermutlich eingestellt, mutmaßt der Sprecher gegenüber dem . Grund: Lutz H. ist tot, der Mann kann strafrechtlich nicht mehr zur Rechenschaft gezogen werden.

fs

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