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16. August 2007, 09:28 Uhr

Wenn der Mut zum Mörder wird

Sie erpressen, morden und verpesten Küsten mit Giftmüll. Die Mafiaorganisation "'Ndrangheta" - zu deutsch "Mut" - springt extrem brutal mit ihren Feinden um. Die Fehde der beiden Clans Strangio und Romeo begann 1991. Ihre bislang letzten Opfer war die italienische Familie aus Duisburg. Von Philipp Maußhardt

Im Auto erschossen am helllichten Tag: das Markenzeichen der kalabrischen Mafia© Roland Weihrauch/DDP

Die Mafia hat viele Namen in Italien. Neben der Stidda und der Cosa Nostra (Sizilien) gibt es regionale Organisationen wie die Camorra (Neapel) und die Sacra Corona Unita (Apulien). Als besonders brutal gilt die `Ndrangheta in Calabrien, die sich in den vergangenen Jahren auch in Norditalien und in Europa ausdehnte. Die Bezeichnung "'Ndrangheta" stammt aus dem Griechischen (andragathia) und bedeutet Mut. Die Ndrina ist darin die kleinste Einheit und sie umfasst einen Clan, der sich aus Mitgliedern einer blutsverwandten Sippe zusammensetzt. Allein in Calabrien kennen die Behörden rund 150 solcher in das organisierte Verbrechen verstrickter Familienclans mit etwa 6 000 Mitgliedern. Chef eines solchen Clans ist der "capubastuni" - Chef aller Stöcke.

Jede Nacht brennen Autos

Anders als beispielsweise bei der Cosa Nostra existiert in der 'Ndrangheta keine übergeordnete "cupola" - eine Art Zentralregierung. Die "Bosse " vertreten oft nur ihr kleines lokales Herrschaftsgebiet. So kommt es häufig zu Streit um Einfluss und territoriale Machtansprüche. Klassische Einnahmequelle aller Mafia-Organisationen sind die "pizzi" - die parallel zum Staat erhobenen "Steuern" von Geschäftsleuten. Wer nicht bezahlt, wird gemahnt, zahlt er immer noch nicht, werden sein Auto oder die Geschäftsräume abgebrannt. Jede Nacht brennen in Süditalien private Autos von Zahlungsunwilligen - die Medien nehmen davon kaum noch Notiz. Das unzugängliche Gebirge des Aspromonte in Calabrien bot zudem ideale Voraussetzungen zum Verstecken von Entführten. Doch mit Erpressung und Lösegeldforderungen sind schon seit vielen Jahren weniger Geld zu machen als mit fingierten Rechnungen im Baugewerbe oder dem groß angelegten Drogenhandel. Als einer der ersten Mafia Bosse erkannte Giuseppe Nirta aus dem jetzt im Zusammenhang mit den Morden von Duisburg genannten San Luca früh schon die Chance, mit dem illegalen Entsorgen von Giftmüll Millionen einzunehmen. Laut Aussagen eines geständigen Mafia-Bosses (pentito) soll Nirta seit Ende der 80er Jahre die illegale Verschiffung von hochgiftigem und radioaktivem Abfall vor die Küste Somalias organisiert haben. Dort wurden die Fässer einfach ins Meer gekippt. Bis heute werden die durchgerosteten Behälter an der Küste des ostafrikanischen Landes angeschwemmt. Mehrere Menschen starben schon nach Kontakt mit solchen Giftfässern.

Es fing mit einem Ei an

Die Familien Nirta und Romeo beherrschten bis in die 80er Jahre gemeinsam die kriminelle Szene von San Luca, einem drögen Landstädtchen mit gerade einmal gut 4 000 Einwohnern. Rund 120 Familien tragen hier den Namen Strangio, Romeo immerhin noch 92. Dann kam es zwischen den beiden zum Streit und es bildeten sich zwei verfeindete Gruppen: der Strangio-Nirta-Clan und der Pelle-Vottari-Romeo-Clan. Es fing mit einem Ei an. Ein geworfenes Ei während der Karnevalsfeiern auf den Straßen von San Luca soll 1991 den blutigen Familienkrieg zwischen den Familien Strangio-Nirta und Pelle-Vottari-Romeo losgetreten haben. Am darauf folgenden Valentinstag kam es zu einem Schusswechsel zwischen den verfeindeten Mafia-Familien - auf der Straße verbluteten zwei junge Männer aus der Familie Strangio. Der Krieg war erklärt.

Wirt trug Nachnamen des Mörder-Clans

Allein im Lauf der letzten sieben Jahre starben in San Luca acht Menschen im Kugelhagel. Richtig eskaliert waren die Rachefeldzüge, nachdem an Weihnachten 2006 die 33jährige Maria Strangio vor ihrem Haus erschossen wurde. Ihr fünfjähriges Kind wurde dabei ebenfalls von einer Kugel getroffen. Noch auf ihrer Beerdigung versuchte ein Killerkommando auch ihren Ehemann Giovanni Nirta zu erschießen. Das Massaker von Duisburg, so vermuten italienische Mafia-Fahnder, geht nun auf das Konto der Familie Nirta-Strangio als Racheakt für den Mord vom vergangenen Weihnachten. Obwohl eines der Opfer, der 39jährige Wirt des Restaurants "Da Bruno " Sebastiano Strangio eben diesen Namen führt. Doch das besagt laut italienischer Ermittler wenig. Die Familien hätten zur Absicherung ihrer Pfründe früher häufig in die Clans der Gegenseite eingeheiratet. Das sollte den Frieden in den Familien sichern. Genutzt hat es offenbar wenig.

Von Philipp Maußhardt
 
 
KOMMENTARE (4 von 4)
 
vitus_bronsky (17.08.2007, 13:17 Uhr)
Immerzu, Jungens, immerzu...
Es gibt überhaupt keinen Grund, sich Sorgen zu machen, wenn diese italienischen Mafiatypen sich gegenseitig abknallen. Das ist eigentlich die einfachste, sinnvollste und kostenschonendste Art von Entsorgung.
Vincent_Vega (16.08.2007, 20:49 Uhr)
@betonpaul
wenn man nur sicher sein könnte, dass sie es auch nur unter sich ausmachen würden, könnte es ja noch angehen.
was aber, wenn nun ein paar harmlose Nachtschwärmer dazwischen geraten wären?
Oder was ist mit den jüngsten Opfern? Haben die schon gemordet oder sonstige Verbrechen begangen?
Man kann nicht jemanden verurteilen für etwas, was er vermeintlich tun würde.
Es trifft meist nur die Kleinen
Ansonsten würde ich auch sagen: alle auf einem Feld zusammentreiben, jeder Kriminellekriegt einenKnüppel und der letzte, der nach der Massenkeilerei übrig ist, wird wegen gemeinschaftlichen Totschlags verknackt. Wenn es doch nur so einfach wäre...
Betonpaul (16.08.2007, 18:08 Uhr)
Lasst sie doch...
Normalerweise habe ich ja ganz entschieden was gegen Selbstjustiz.
Aber in solchen Fällen mache ich dann schon mal eine Ausnahme.
Sollen sie sich doch gegenseitig um die Ecke bringen. Solange das unter ihnen bleibt, und kein Außenstehender beschädigt wird, spart das nur Geld. Sich über dieses Geschmeiß auch noch tiefschürfende Gedanken zu machen, wäre vergebliche Liebesmühe.
Tucek (16.08.2007, 17:16 Uhr)
Bespitzelung
Die Herren scheinen sich ja ziemlich unbeobachtet gefühlt zu haben, da sie Geburtstag feierten als einer von ihnen "schon" auf der Flucht war Mamma mia
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