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1. August 2009, 14:21 Uhr

Attentäter noch immer auf der Flucht

1600 Polizisten durchkämmen derzeit Mallorca. Allerdings: Die Bomben unter den Polizeiautos sollen mit Zeitzündern versehen gewesen sein. Die Täter könnten die Insel also längst verlassen haben. Doch die Suche geht weiter.

Mallorca, Eta, Anschlag

Polizeikontrolle: Vor dem Flughafen von Mallorca werden Autofahrer kontrolliert© Jaime Reina/AFP

Die Attentäter, die mit einer Bombe zwei spanische Polizisten auf Mallorca getötet haben, konnten laut Presseberichten womöglich schon vor dem Anschlag von der Insel fliehen. Die am Auto der beiden Polizeibeamten befestigte Haftbombe sowie eine später kontrolliert gezündete Bombe an einem weiteren Polizeiwagen seien mit einem Verzögerungsmechanismus und einem Bewegungsmelder ausgestattet gewesen, berichteten am Samstag die Zeitungen "El País" und "ABC" übereinstimmend.

Der Sprengsatz sei so eingestellt gewesen, dass er erst nach einer gewissen Zeit nach dem Start des Wagens explodierte. So sei der Wagen der Guardia Civil am Donnerstag erst explodiert, nachdem er bereits stundenlang unterwegs gewesen sei, berichteten die Zeitungen unter Berufung auf Ermittlerkreise weiter. Die Bomben könnten demnach schon am Vorabend an den Autos angebracht worden sein. Den Attentätern wäre so genügend Zeit geblieben, vor Beginn der Großfahndung der Polizei aus Mallorca zu fliehen.

Die Fahndung nach den Tätern, bei denen es sich nach Einschätzung der spanischen Behörden um Mitglieder der baskischen Untergrundorganisation Eta handelt, wurde auf Mallorca dennoch fortgesetzt. Medienberichten zufolge durchkämmten 1600 Beamte die Ferieninsel und kontrollierten insbesondere Passagiere von Flugzeugen und Schiffen. Es soll niemand Mallorca verlassen, ohne identifiziert zu werden", sagte der Präfekt auf den Balearen, Ramón Socías.

König reist nach Mallorca

Am Samstag werden der spanische König Juan Carlos und Königin Sofía auf Mallorca erwartet. Die königliche Familie verbringt traditionell ihre Ferien auf der Mittelmeerinsel. Ihr Feriendomizil liegt nur acht Kilometer vom Badeort Palmanova entfernt, in dem am Donnerstag zwei Beamte der paramilitärischen Guardia Civil (Zivilgarde) bei der Explosion einer Bombe ums Leben gekommen waren.

Tausende von Spaniern haben gegen den Terror der baskischen Untergrundorganisation Eta demonstriert. Im mallorquinischen Badeort Palmanova, kamen am Freitagabend rund 5000 Menschen zu einer Kundgebung zusammen. Zu der Demonstration unter der Parole "Alle gegen den Terrorismus" hatten die Regionalregierung der Balearen und andere offizielle Stellen auf Mallorca aufgerufen. In anderen spanischen Städten fanden ebenfalls Kundgebungen statt.

Kein Grund zur Panik - für Urlauber

Der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Ernst Hinsken (CSU), sieht nach dem Terroranschlag auf Mallorca keinen Anlass für Panik. "Es gibt keinen Grund, von Reisen nach Spanien abzuraten", sagte Hinsken der "Passauer Neuen Presse". "Das Auswärtige Amt tut es auch nicht. Es ruft lediglich dazu auf, die Medienberichterstattung im Land aufmerksam zu verfolgen." Allerdings sei von einer neuen Qualität des ETA-Terrors auszugehen. "Vor Anschlägen auf touristische Ziele wurde bisher immer gewarnt, wenn Gefahr für Unbeteiligte bestand. Das war dieses Mal nicht der Fall", betonte Hinsken.

Spanien-Urlauber sollten sich beim Auswärtigen Amt über die jeweilige Einschätzung der Sicherheitslage erkundigen und darüber, wie sie sich schützen könnten, rät der CSU-Politiker.

AFP/DPA
 
 
KOMMENTARE (1 von 1)
 
eric111 (01.08.2009, 16:16 Uhr)
kein touristisches Ziel
"Vor Anschlägen auf touristische Ziele wurde bisher immer gewarnt, wenn Gefahr für Unbeteiligte bestand. Das war dieses Mal nicht der Fall"
Eine Kaserne der paramilitärischen Polizeitruppe Guardia Civil ist kein ziviles Ziel, auch wenn es in einem touristischen Gebiet liegt, solange nicht die Absicht da ist, auch unbeteiligte zu treffen. Dass das Polizeiauto genau vor dem Gebäude explotierte, zeigt, dass der Zeitzünder extrem kurz angesetzt wurde.
Lt. Augenzeugenberichten wurde eine der 6 per Fahndungsfoto gesuchten ETA-Mitglieder Minuten vor der Explosion in Tatortnähe gesehen. Es ist also mit großer Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass die Terroristen noch auf der Insel sind. Zumal auch noch 2 weitere Personen identifiziert wurden, die mit dem Attentat in Verbindung stehen können und die nicht davon ausgingen, auf den Fahndungslisten zu stehen.
Bei den 6 per Fahndungsfoto Gesuchten handelt es sich um einige der letzten verbleibenden Terroristen. In den Vormonaten wurden reihenweise ETA-Anführer und Einsatzzellen festgenommen und die "Qualität" und Erfahrung der Terroristen der noch flüchtigen Terrorzellen verschlechtert sich von Mal zu Mal.
Anders kann man es sich auch nicht erklären, dass bei der Explosion am Mittwoch, als vor einer Guardia-Civil-Kaserne im Norden Spaniens ein Lieferwagen mit 200 Kilo Sprengstoff in die Luft ging, niemand massenhaft anwesenden Polizisten und deren Familien getötet wurde.
Auch ist ETA stets drauf bedacht keine zivilen Opfer zu schädigen. Das schließt eine Zeitbombe über einen längeren Zeitraum praktisch aus. Das Attentat zeigt jedoch auch wieder, dass gezielt 2 Polizeibeamte getötet wurde, ohne dass weitere Menschen zu Schaden kommen, liegt also voll in der Linie, die seit vielen Jahren von ETA eingeschlagen wurde.
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