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9. Januar 2012, 19:50 Uhr

Gutachter hält Martin N. für seelisch abartig

Das Urteil über den "Maskenmann" ist so wenig überraschend wie vernichtend: Martin N., mutmaßlicher Kindesmörder und Kinderschänder, leidet an einer "schweren seelischen Abartigkeit". Nach dem Gutachten eines Psychiaters droht dem 41-Jährigen die Höchststrafe.

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Vom "Maskenmann" zum "Kladdenmann": Der mutmaßliche Kindesmörder Martin N. im Gerichtssaal© Carmen Jaspersen/DPA

Der mutmaßliche Kindermörder Martin N. war sich nach Aussagen eines Gutachters seiner Taten voll bewusst und konnte sie steuern. Damit sei der angeklagte 41-Jährige schuldfähig, sagte der Psychiater vor dem am Montag in Celle tagenden Gericht. Zwischen 1992 und 2001 soll der "Maskenmann" drei Jungen ermordet und zahlreiche sexuell missbraucht haben. Die meisten Taten hat der Angeklagte gestanden. Psychiatrische Test hätten bei ihm eine "schwere seelische Abartigkeit" ergeben, sagte der Gutachter. Er sehe eine Rückfallgefahr. Das Gericht müsse nun entscheiden, ob Martin N. in Sicherungsverwahrung komme.

Der gebürtige Bremer führte nach Aussagen des Gutachters ein Doppelleben. "Er hatte eine Tag- und eine Nachtseite." Tagsüber sei der Pädagoge ein freundlicher und fürsorglicher Jugendbetreuer gewesen, nachts habe er die Jungen missbraucht, um die er sich eigentlich kümmern sollte. "Er ist egozentrisch und wenig emotional - sich und anderen gegenüber."

Chat-Protokolle von Pädophilenseiten im Internet

In Gesprächen habe Martin N. gesagt, dass er regelmäßig mit dem Auto unterwegs gewesen sei und sich nachts in Heime und an die Betten von Jungen geschlichen habe, um sie im Schlaf zu missbrauchen. Mindestens 50-mal habe er das getan. Um nicht erkannt zu werden, hatte sich Martin N. für einige seiner Taten eine Maske übergezogen. Zwischen 1992 und 2001 soll der Angeklagte in Norddeutschland drei Jungen aus Landschulheimen und Zeltlagern verschleppt und getötet haben - aus Angst davor, dass seine Familie etwas von seinen pädophilen Neigungen erfahre.

Vor dem in Celle tagenden Gericht waren zuvor Auszüge aus Chat-Protokollen aus den Jahren von 2000 bis 2011 verlesen worden. Der "Maskenmann" soll unter verschiedenen Pseudonymen rund 4500 Beiträge auf einer Pädophilen-Internetseite verfasst haben. Der 41-Jährige gab zu, sich dort zu sexuellen Fantasien geäußert und bekannte Gedichte obszön umgeschrieben haben. Teilweise habe es sich für ihn um ein Spiel gehandelt. "Er wollte damit für Furore sorgen, hat aber auch viel Ablehnung erlebt", sagte der Gutachter. Jetzt seien ihm nach eigenen Aussagen viele seiner Texte unangenehm.

Prozess nach Celle ausgewichen

Martin N. war im April vergangenen Jahres fast 20 Jahre nach der ersten Tat gefasst worden, weil sich ein Missbrauchsopfer an den Jugendbetreuer erinnerte. Der Prozess läuft vor dem Landgericht in Stade. Die Kammer war ausnahmsweise nach Celle ausgewichen. In Stade liefen an diesem Montag mehrere große Strafprozesse parallel.

dho/DPA
 
 
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