Zur mobilen Ansicht
Wechseln Sie für eine bessere Darstellung
auf die mobile Ansicht
Weiterlesen Mobile Ansicht
Startseite

Perfektes Timing zum Ende der Zeit

Die Uhr tickt weiter, das Ende bleibt aus. Weltweit wird das neue Zeitalter der Maya begrüßt - in Dresden mit viel Musik über den Atlantik hinweg.

  Das Foto zeigt die letzte "Seite" der historischen Maya-Handschrift Codex Dresdensis aus dem 13. Jahrhundert

Das Foto zeigt die letzte "Seite" der historischen Maya-Handschrift Codex Dresdensis aus dem 13. Jahrhundert

Punkt Mitternacht bleibt der Sekundenzeiger auf der Leinwand für einen Moment stehen. Es ist ein magischer Augenblick - und auch der Ort ist an diesem Abend magisch. Direkt über dem Saal, in dem die Dresdner Sinfoniker ihr Konzert zum Ende der Zeit spielen, befindet sich ein Schatz. Der "Codex Dresdensis" aus der Landes- und Universitätsbibliothek in Dresden ist die am besten erhaltene Maya-Handschrift der Welt.

39 Blätter aus Feigenbaumrinde, beschrieben mit Hieroglyphen, Götterbildnissen und einem Kalender. Das Dokument ist erst zu etwa 70 Prozent entschlüsselt. Aber so viel steht fest: Nach dem Maya-Kalender hat am Freitag ein neues Zeitalter begonnen, auch wenn mancherorts der Weltuntergang angekündigt war.

Großes Finale um Mitternacht

Zum Finale spielen die Sinfoniker - ein Ensemble mit Musikern verschiedener europäischer Orchester - die Uraufführung des Werkes "Albaktún" von Enrico Chapela. Albaktún heißt "Dämmerung des Baktún". Baktún wiederum ist das Jahrtausend, das bei den Maya allerdings nur 400 Jahre zählt. Mit intensiver rhythmischer Aktivität steuert die Komposition auf ihren Höhepunkt zu.

Als der Zeiger der riesigen Uhr die Zwölf erreicht, bricht der mexikanische Dirigent José Areán ab. Auf der Leinwand erscheinen per Liveschaltung eine Sängerin und Musiker aus Mexiko und Guatemala mit traditionellen Instrumenten, um gemeinsam mit den Europäern das Ende der Zeit zu zelebrieren.

Gemeinsames Konzert auf beiden Seiten des Atlantiks

"Albaktún" geht synchron zu beiden Seiten des Atlantiks zu Ende, das Konzert ist ein perfektes Timing zum Ende der Zeit. Der Sound klingt so gut, als würden die Lateinamerikaner direkt im Raum stehen. Markus Rindt, Intendant der Dresdner Sinfoniker und mit seinem Kollegen Sven Heinrich Ideengeber für das transkontinentale Konzert, fällt ein Stein vom Herzen. "Ich fühle mich riesig erleichtert", sagte Rindt und meint damit nicht die ausgebliebene Apokalypse. Die technischen Herausforderungen für eine solche Produktion sind auch im Internet-Zeitalter erheblich. Die Musiker in Mexiko mussten auf den Dirigenten in Dresden reagieren und umgekehrt.

Das Publikum ist begeistert und erhebt sich von den Plätzen. In Mexiko-Stadt winken Menschen in die Kamera. Mexikos Botschafter in Deutschland, Francisco Gonzáles Díaz, klatscht in Dresden mit. "Ein besseres Zeichen für Völkerverständigung kann es nicht geben." Der Botschafter sorgt zur Zeitenwende auch für nachdenkliche Töne. "Ja, es ist wahr. Die Menschheit ist in Gefahr. Aber nicht wegen der Zeitrechnung der Maya, sondern weil wir selbst unseren Planeten bedrohen." Es sei höchste Zeit, dass die Menschheit lerne, friedlich miteinander zu leben und sich gegenseitig zu respektieren. "Möge das Vermächtnis der Maya Richtschnur für unser Handeln sein."

Jörg Schurig, DPA/DPA

Weitere Themen

täglich & kostenlos
Täglich & kostenlos

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools