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Neue Waffen gegen den Krebs

Ihre Forschung hat den Weg für neue Therapien in der Krebsbekämpfung bereitet. Dafür sind die Immunologen Bruce Beutler, Jules Hoffman und Ralph Steinman mit dem Medizin-Nobelpreis geehrt worden.

Der Medizin-Nobelpreis geht in diesem Jahr an drei Immunologen. Die Wissenschaftler Bruce Beutler (USA), Jules Hoffmann (Luxemburg), und Ralph Steinman (Kanada) hätten durch ihre Entdeckungen das Verständnis des Immunsystems revolutioniert, begründete die Nobel-Jury in Stockholm ihre Wahl. Beutler und Hoffmann erhalten die Auszeichnung für die Entdeckung der angeborenen Immunität. Steinman wird für seine Forschungsergebnisse über dendritische Zellen geehrt. Diese spielen eine sehr wichtige Rolle, Angreifer wie Bakterien oder Viren abzuwehren.

Mit diesen Entdeckungen haben die drei Wissenschaftler den Weg für neue Therapien zur Infektions- und Krebsbekämpfung geebnet. So hätten auf Grundlage der Arbeit der Forscher bessere Impfstoffe entwickelt werden können, heißt es von der Stockholmer Jury. Die Forschung habe aber auch neue Erkenntnisse bei der Frage gebracht, warum das menschliche Immunsystem manchmal den eigenen Körper angreift.

Der 55-jährige Beutler und der 70 Jahre alte Hoffmann teilen sich eine Hälfte des Preisgeldes in Höhe von zehn Millionen Kronen (rund eine Million Euro). Sie werden für die Entdeckung von Rezeptor-Proteinen geehrt, die in den Körper gelangte Bakterien, Viren und andere Mikroorganismen wie Pilze oder Parasiten erkennen. Diese aktivieren dann das sogenannte angeborene Immunsystem, was der erste Schritt der Abwehrreaktion des menschlichen Körpers ist. Dabei kann der Angriff der Mikroorganismen etwa durch Entzündungsreaktionen gestoppt werden.

Dendritische Zellen zeigen, was abgewehrt werden muss

Steinmans Entdeckung, dendritische Zellen, sind eine Art Lehrer im Körper. Sie helfen dadurch, Angreifer wie Bakterien oder Viren zu bekämpfen. Bruchstücke und Substanzen dieser Eindringlinge, die vom Immunsystem erkannt werden können, werden Antigene genannt. Unreife dendritische Zellen wandern in großer Zahl vor allem durch Haut und Schleimhaut. Dabei nehmen sie verschiedene Antigene auf. Ihre Aufgabe ist es aber nicht, die Angreifer zu eliminieren. Sie arbeiten sie vielmehr auf, um sie dann zu präsentieren.

Mit einem Antigen aktivierte dendritische Zellen wandern zu bestimmten Lymphknoten und siedeln sich dort an. Hier aktivieren sie sogenannte T-Zellen, die der Immunabwehr dienen. Das bedeutet, dentristische Zellen präsentieren ihnen auf ihrer Oberfläche Moleküle der Antigene. Sie sind damit eine Art Schaukasten, der zeigt, wie die Feinde des Körpers zu erkennen sind.

Die T-Zellen - die Soldaten des Immunsystems - lernen so, auf welche Bruchstücke sie bei ihrer Wanderung durch den Körper achten müssen. Dies ist wichtig, da T-Zellen normalerweise nur Antigene erkennen, die ihnen vorher gezeigt wurden. Nur diese könne sie abwehren.

Dendritische Zellen transportieren also Antigene vom Ort der Infektion zur Zentrale des Immunsystems. Dort wird die Immunantwort gegen die Eindringlinge koordiniert. Diese Fähigkeit kann auch dazu genutzt werden, Immunantworten gegen bestimmte Proteine von Tumorzellen zu generieren - und so mit dem Immunsystem Krebs zu bekämpfen.

Der Kanadier Steinman erforschte dieses Gebiet des adaptiven Immunsystems. In den 1970er Jahren entdeckte er die dendritische Zellen und ihre Rolle bei der Aktivierung von T-Zellen.

Wie die Alexander von Humboldt-Stiftung mitteilte, gehören die drei Forscher dem weltweiten Humboldt-Netzwerk an. Beutler hatte 1993 den Humboldt-Forschungspreis gewonnen und daraufhin an der Universität Regensburg geforscht. Hoffmann erhielt den Preis bereits 1983, als Preisträger forschte er dann an der Universität Marburg. Steinman erhielt 1999 den Max-Planck-Forschungspreis, der gemeinsam von der Humboldt-Stiftung und der Max-Planck-Gesellschaft verliehen wird. Beutler und Hoffmann erhielten 2004 zudem den Robert-Koch-Preis.

liri/DPA/AFP/Reuters/DPA/Reuters
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