. .
Panorama-Nachrichten
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
25. August 2009, 15:58 Uhr

Anklage nach Mord an Ägypterin erhoben

Knapp zwei Monate nach der Messerattacke auf eine Ägypterin im Dresdner Landgericht ist Mordanklage gegen den mutmaßlichen Mörder erhoben worden. Das Tatmotiv soll "ausgeprägter Hass auf Nichteuropäer und Moslems" gewesen sein.

Mord, Dresden, Ägypterin, Anklage

Ein Foto erinnert an die 31-jährige schwangere Ägypterin, die bei der Messerattacke im Dresdner Gerichtssaal tödliche Verletzungen erlitt© Norbert Millauer/DDP

Für die Staatsanwaltschaft war es ein heimtückischer Mord aus Fremdenhass: Acht Wochen nach dem gewaltsamen Tod einer 31-jährigen Ägypterin im Landgericht Dresden ist der Täter offiziell angeklagt worden. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 28 Jahre alten Russlanddeutschen Mord, versuchten Mord und gefährliche Körperverletzung vor. Das teilte die Anklagebehörde am Dienstag in Dresden mit. Das Motiv sei ausgeprägter Hass auf Nichteuropäer und Moslems. "Er hat heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen gehandelt", sagte Sprecher Christian Avenarius. Der Mann war noch im Gerichtssaal festgenommen worden. Bislang schweigt er zu den Vorwürfen.

Laut Staatsanwaltschaft hat er als Angeklagter in einem Berufungsprozess am 1. Juli mit einem Küchenmesser auf die schwangere Zeugin Marwa El-Sherbini und deren Mann eingestochen. Er habe das Messer mit 18 Zentimeter langer Klinge unbemerkt im Rucksack mit in den Saal genommen. Dann habe er mindestens 16 Mal in Rücken- und Brustbereich sowie in den rechten Arm der Ägypterin gestochen. "Sie erlitt schwere Organverletzungen und starken Blutverlust, denen sie trotz sofortiger Rettungsmaßnahmen noch am Tatort erlag", sagte Avenarius.

Ihr Mann wollte sie schützen und wurde selber verletzt

Ihrem Mann, der sie schützen wollte, stach der 28-Jährige mindestens 16 Mal in den Kopf, Hals, Oberkörper und Arm. Der an einem Dresdner Max-Planck-Institut tätige Zellforscher wurde lebensgefährlich verletzt. Ein hinzueilender Bundespolizist hatte den Doktoranden zudem versehentlich für den Angreifer gehalten und ihm ins Bein geschossen.

Das Ermittlungsverfahren gegen den Beamten sei noch nicht abgeschlossen, sagte Avenarius. Der im russischen Perm geborene Angeklagte, der seit 2003 in Deutschland lebe, müsse mit einer lebenslangen Freiheitsstrafe rechnen. Ein psychiatrischer Sachverständiger halte ihn für schuldfähig.

Im Iran und in ihrer Heimat gilt die Ägypterin als Märtyrerin

Der Mann hatte sein Opfer im Sommer 2008 auf einem Spielplatz als "Islamistin" und "Terroristin" beschimpft. Die junge Mutter zeigte ihn an. Die wegen Beleidigung vom Amtsgericht verhängte Geldstrafe akzeptierte der gelernte Lagerist nicht, der für eine Zeitarbeitsfirma jobbte und Hartz IV bezog. Bei der Verhandlung am 1. Juli drohte dem Mann, der sich bereits im Amtsgericht ausländerfeindlich geäußert hatte, eine Freiheitsstrafe. Mit dem Prozess gegen ihn wird laut Landgericht Ende 2009 oder Anfang 2010 gerechnet.

Die Bluttat hatte in der islamischen Welt eine Welle der Empörung, Wut und Trauer ausgelöst. Im Iran und in ihrer Heimat gilt die Ägypterin als Märtyrerin. Vereinzelt wurden auch Rufe nach Vergeltung laut. Vorübergehend geriet die Bundesregierung in die Kritik, weil sie angeblich den Mord anfangs nicht klar verurteilte. Die Regierung wies dies zurück.

Der 32-jährige Witwer befindet sich derzeit in der Rehabilitation, der dreijährige Sohn lebt bei Verwandten der Frau in Ägypten.

DPA
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Ermordete Ägypterin Dresden nimmt Abschied

Dresden nimmt Abschied von der im Gerichtssaal ermordeten Ägypterin. Auch SPD-Chef Franz Müntefering war unter den 1500 Gästen der Trauerfeier. In der islamischen Welt löste die Ermordung der Frau heftige Proteste aus. "Tod für Deutschland" riefen am Samstag Menschen in Teheran. mehr...

Messerattacke im Landgericht Das Motiv heißt Ausländerhass

Was trieb den 28-jährigen Russlanddeutschen dazu, eine Ägypterin im Gerichtssaal zu erstechen? Zwei Tage nach dem Blutbad sind die Ermittler zu dem Schluss gekommen, dass es sich bei dem Täter um einen fanatischen Ausländerfeind handelt. Der Mann der Toten befindet sich noch in einem kritischen Zustand. mehr...

Dresden Angeklagter ersticht Zeugin im Gerichtssaal

Tödliches Drama mitten im Prozess: Im Dresdner Landgericht hat ein Angeklagter während der Verhandlung eine Zeugin erstochen. Mehrere Menschen sollen verletzt worden sein, auch ein Schuss fiel. Die Polizei konnte den 28-jährigen Täter überwältigen. Offenbar ging es in dem Prozess um einen Streit auf einem Kinderspielplatz. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe