. .
Panorama-Nachrichten
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
18. Februar 2010, 12:37 Uhr

Anwältin geht von zwölf Tätern aus

Im Missbrauchsskandal an Jesuiten-Schulen haben sich inzwischen 115 Betroffene gemeldet. Die zur Aufklärung eingesetzte Anwältin Ursula Raue sprach von einer Dimension, "die bisher nicht zu ahnen" gewesen sei. Unter den inzwischen zwölf Beschuldigten befinden sich offenbar auch Frauen.

Missbrauch, Jesuiten, Canisius-Kolleg, Opfer, Jesuiten-Kolleg, Skandal, sexueller Missbrauch

Am Berliner Canisius-Kolleg wurden vermutlich wesentlich mehr Schüler sexuell missbraucht als bisher bekannt© Robert Schlesinger/DPA

Zudringliche Zärtlichkeiten, gewalttätige Übergriffe, Manipulation an Genitalien: Der Skandal um sexuellen Missbrauch an Jesuiten-Kollegs und anderen katholischen Schulen nimmt immer größere Dimensionen an. Inzwischen werden auch zwei Frauen beschuldigt, sich an Schülern vergangen zu haben. Unter den Opfern sind auch frühere Schülerinnen. Außerdem haben sich Opfer gemeldet, die nicht an Jesuiten-Schulen waren, wie die von dem Orden beauftragte Anwältin Ursula Raue am Donnerstag in Berlin sagte. Darunter sei auch jemand von einer evangelischen Einrichtung. Bundesweit hätten sich bis jetzt 115 bis 120 Missbrauchsopfer gemeldet.

Zwölf mutmaßliche Täter bei Jesuiten

"Das hat eine Dimension angenommen, die bisher nicht zu ahnen war", sagte Raue. In den nächsten Tagen werde ein Arbeitsstab gegründet, um alle Fälle aufzuarbeiten. Dem Zwischenbericht der Anwältin über den Missbrauch zufolge beschuldigen die Opfer nun schon bis zu zwölf mutmaßliche Täter, bei den Jesuiten überwiegend Patres, aber auch andere Lehrer und Bedienstete der Kollegs.

Nach Raues Worten berichten die Opfer vor allem von Manipulationen an ihren Genitalien und von zudringlichen Zärtlichkeiten, weniger von körperlichen Verletzungen. An einer nicht-jesuitischen Einrichtung habe es auch schwere gewalttätige Übergriffe gegeben.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, hält sich weiter bedeckt. Zollitsch werde sich zu dem Thema sexueller Missbrauch erstmals öffentlich am Montag in Freiburg zum Auftakt der Frühjahrsvollversammlung der katholischen Bischöfe äußern, sagte eine Sprecherin des Sekretariats der Deutschen Bischofskonferenz.

"Wunden, die nicht heilen"

In ihrer Pressekonferenz sagte die Anwältin Raue: "Es gibt Verfehlungen und Wunden, die heilen offenbar nicht. Und diese Wunden gehören dazu." Sie habe Berichte über Opfer, die sich das Leben genommen hätten. Andere hätten noch heute Albträume. Manche Männer offenbarten sich nun zum ersten Mal und hätten selbst mit ihren Ehefrauen zuvor nicht über ihr Leid gesprochen. 80 Prozent der Opfer gehe es nicht um finanzielle Entschädigung, sagte Raue. Die jüngsten bekannten Fälle ereigneten sich nach dem Bericht Mitte der 80er Jahre. Raue sagte, sie gehe davon aus, dass alle Taten verjährt sind.

Erstaunlich sei, dass es in den Personalakten des Jesuitenordens, die sie ausgewertet habe, an keiner Stelle um das Seelenleben der Kinder gehe. "Den Formulierungen in den Akten kann man entnehmen, dass es in den meisten Fällen dem Orden bekannt war." Konsequenzen habe es aber nicht gegeben.

Missbrauch auch bei Pallottinern

Auch an einer Schule der katholischen Pallottiner-Gemeinschaft in Rheinbach bei Bonn ist es früher zu Missbrauchsfällen gekommen. Das bestätigte der Provinz-Pressereferent der Pallottiner, Nicolas Schnall, am Donnerstag. Es handele sich dabei um drei bekannte Fälle mit Jugendlichen aus den 60er Jahren im früheren Konvikt St. Albert. Der betroffene Pater sei damals suspendiert worden.

Das Berliner Canisius-Kolleg hatte im Januar die ersten Missbrauchsfälle bekanntgemacht. Immer mehr Opfer meldeten sich, auch von den Jesuiten-Schulen St. Blasien im Schwarzwald und Aloisiuskolleg in Bonn. Die bisher bekanntgeworden Fälle sexuellen Missbrauchs hatten sich in den 70er und 80er Jahren zugetragen. Die Jesuiten baten die Opfer öffentlich um Entschuldigung.

Der Bischof des Bistums Dresden-Meißen, Joachim Reinelt, wies einseitige Schuldvorwürfe gegen die katholische Kirche zurück. "Kindesmissbrauch ist kein katholisches Problem, sondern ein gesamtgesellschaftliches", sagte Reinelt der "Leipziger Volkszeitung". Reinelt sieht eine größere Offenheit und ein verstärktes Schuldbewusstsein der Kirche bei Missbrauchsfällen. "Ein Wegschauen darf es nicht geben", forderte er.

DPA
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Missbrauch an Jesuiten-Kolleg Justizministerin gegen längere Verjährungsfristen

Nach dem Skandal am Berliner Canisius-Kolleg ist die Verjährungsfrist bei sexuellem Missbrauch in die Kritik geraten. Aktuell beträgt sie 20 Jahre nach Vollendung des 18. Lebensjahrs des Opfers. Das soll laut Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger auch in Zukunft so bleiben. mehr...

Missbrauch an Jesuiten-Kollegs Immer mehr Opfer brechen ihr Schweigen

Der Skandal um sexuellen Missbrauch am Berliner Canisius-Kolleg und anderen Jesuitenschulen nimmt immer größere Ausmaße an. Über 100 Betroffene haben sich inzwischen gemeldet. Einigen reichen Entschuldigungen nicht aus. Sie fordern eine finanzielle Entschädigung. mehr...

Sexuelle Übergriffe von Geistlichen Die Chronologie des Missbrauchs

Nicht erst seit dem Skandal am Berliner Canisius-Kolleg ist Kindesmissbrauch ein Problem in Deutschlands Kirchen. stern.de hat die schlimmsten Fälle aus den vergangenen zehn Jahren zusammengetragen. mehr...

MEHR ZUM THEMA
powered by wefind WeFind
 
stern testen, Serie sichern

Jetzt den stern inklusive der aktuellen Gesundheits-Serie testen! Jetzt sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (7/2012)
Unser täglich Fleisch