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19. März 2010, 13:09 Uhr

Hier reden die Opfer

Die Bekenntnisse sind wie eine starke Welle: bahnbrechend, schmerzhaft, erlösend. Immer mehr Missbrauchsopfer klagen die Kirche an. Hier erzählen vier Menschen, was ihnen angetan wurde.

Kirche, katholische Kirche, Missbrauch, sexueller Missbrauch, Canisius, Ettal, Jesuiten, Benediktiner, Vergewaltigung, Kindesmissbrauch, Papst, Ratzinger

Laura D.© Karsten Thormählen

Laura D., Karlsruhe

"Ich war 13 Jahre alt, als ich vom Priester Thomas Maria B. vergewaltigt wurde. Dieser Mann gehörte keiner Amtskirche an, er war ein Seelenführer und hatte eine fundamental-christliche Gebetsgemeinschaft um sich geschart. Bis zu vier Mal in der Woche bin ich mit meiner Mutter zu den Gebetskreisen gepilgert. Alle Familien der Gruppe buhlten um B.s Aufmerksamkeit.

Ich habe ihn mit zwölf Jahren kennen gelernt. Wir haben ihm so vertraut. Ich fand es normal, als er mich auf den Mund küsste und von der Schule abholte. Bald jedoch lief es jedes Mal auf Knutschen und Fummeln hinaus. Drei Mal hat mich B. vergewaltigt. Zweimal auf einem Waldparkplatz, einmal in meinem Bett, als ich Angina hatte und er mir die Krankenkommunion erteilte. Er hat unser Vertrauen ausgenutzt, wie es schlimmer nicht geht.

Ich habe gar nicht kapiert, was vorgeht, dass ich missbraucht werde. Er hat keine Gewalt angewandt, und ich weiß bis heute nicht, wie er mich dreimal vergewaltigen konnte, ohne dass ich mich gewehrt habe. Das ist mir bis heute unerklärlich. Er hat damals gesagt, ich würde wie eine Nonne an seiner Seite leben. Da war ich 13!

Hass und Ekel gegen B. ließen mich nicht los. Schließlich habe ich ihn angezeigt. 2004 wurde er vom Landgericht Karlsruhe wegen Vergewaltigung zu fünfeinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Er hat inzwischen seine Strafe abgesessen, aber entschuldigt hat er sich bei mir nie. Vor Gericht hielt der Hype seiner Anhänger an. Er galt als Märtyrer, ich wurde beschimpft.

Ich habe keine Therapie gemacht. Wenn der Zorn hochkommt, stürze ich mich in meinen Sport, ich schwimme sehr viel. Dort baue ich Aggressionen ab. Ich will nicht ständig sagen, was für schlimme Dinge ich erlebt habe. Aber ich trage die Taten immer mit mir rum. Sie gehören zu meiner Erinnerung, unauslöschlich! In der Kirche war ich seit damals nie wieder. Ich bin religiös, brauche aber keine Kirche, in der doch auch nur Menschen arbeiten - wie man am Skandal jetzt sieht. Die Amtskirche hat sich bei mir nicht gemeldet. Was hätte sie auch tun sollen? Es gibt genug Sekten, wo die Kirche keinen Einfluss hat, wo die Abhängigkeit von Gläubigen ausgenutzt wird.

Ich finde es schlimm, dass Taten schnell verjähren. Bei meinem Prozess hat mir ein Polizist erzählt, während der Ermittlungen hätten sich viele weitere Opfer von B. gemeldet, auch aus Österreich und der Schweiz. Angeklagt wurde davon nichts. Alles verjährt."

B.s Anwalt Uwe Kirsch teilt mit: "B. Ist wieder bei seinen Anhängern in der Pfalz aktiv."

Am 15. Juni 2008 warnte das zuständige Bistum in einem Kirchlichen Amtsblatt vor B. Dieser biete "priesterliche Dienste" an. "Herr B. ist nicht im Besitz eines gültigen Zelebrets. Ihm wurde bis auf weiteres die Ausübung jeglicher priesterlicher Tätigkeit untersagt", heißt es in dem Schreiben. Ein Hinweis auf die Vorstrafe wegen Vergewaltigung fehlt. "Davon wussten wir nichts, sonst hätten wir entsprechend qualifiziert gewarnt", sagt Sprecher Thomas Broch.

Er sagte, ich wäre wie eine Nonne an seiner Seite. Da war ich 13 Jahre alt.

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