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16. September 2009, 19:30 Uhr

Marco Weiss akzeptiert Schuldspruch nicht

"Ungerecht" und "unverständlich" - Marco Weiss und seine Eltern sind von dem Urteil gegen den deutschen Schüler wegen sexuellen Missbrauchs "maßlos enttäuscht". Besonders Marcos Vater erhebt schwere Vorwürfe gegen das türkische Gericht.

Antalya, Türkei, Missbrauch, Prozess, urteil

Marco Weiss empfindet das Urteil gegen ihn als ungerecht© Sascha Weiss/DPA

Marco Weiss will seine Verurteilung wegen sexuellen Missbrauchs in der Türkei nicht hinnehmen. "Marco will das so nicht stehen lassen", sagte seine Mutter Martina Weiss am Mittwochabend in Uelzen. "Dieses Urteil sagt nichts über Schuld oder Unschuld aus. Wir erkennen dieses Urteil selbstverständlich nicht an. Es ist falsch und ungerecht." Nach mehr als zweijährigem Prozess hatte ein Gericht in Antalya den 19-Jährigen am Mittwoch für schuldig befunden, die damals 13-jährige Britin Charlotte im Osterurlaub 2007 missbraucht zu haben. Gegen die Strafe von mehr als zwei Jahren Haft auf Bewährung kündigten sowohl Verteidigung als auch die Anwälte von Charlotte Berufung an.

"Wie das Gericht zu diesem Urteil kommen konnte, wissen wir nicht", sagte Marcos deutscher Anwalt Jürgen Schmidt in Uelzen. "Es sieht für mich so aus, dass die Richter die lange Verfahrensdauer und die Untersuchungshaft nicht beiseiteschieben wollten."

Vater kritisiert "Glorifizierung der Jungfräulichkeit"

Marcos Vater Ralf Jahns erklärte: "Wir sind maßlos enttäuscht, Marco empfindet das Urteil als ungerecht. Das Strafmaß ist in keiner Weise gerechtfertigt." Die Staatsanwaltschaft Lüneburg habe bei der Einstellung der Ermittlungen gegen seinen Sohn auf Grundlage der gleichen Akten wie das Gericht in Antalya entschieden. Es gebe offenbar "große Unterschiede zwischen einem deutschen und einem türkischen Gericht bei Verfahrensweise und Wertmaßstäben", betonte Jahns.

Das Gericht in Antalya habe nicht vorurteilsfrei entschieden, kritisierte er. In der Türkei gebe es eine "Glorifizierung der Jungfräulichkeit". Mit dem Urteil wolle das Gericht das eigene Handeln rechtfertigen, kritisierte Jahns weiter. In dem Prozess sei "Kritik an der Unfehlbarkeit des Gerichtes unerwünscht gewesen". Marco sei im Prozess und bei den Haftbedingungen wie ein Erwachsener und "wie ein Schwerverbrecher" behandelt worden. "Unsere Kritik an diesem Urteil ist nicht als Kritik an der türkischen Justiz insgesamt zu verstehen", betonte Marcos Vater zugleich. "Antitürkische Ressentiments sind hier fehl am Platze", fügte er hinzu.

Anwalt kündigt Revision an

Nach Angaben seiner Mutter hielt sich der 19-Jährige am Mittwoch in der Umgebung von Uelzen auf. Ihr Sohn habe sich erstmals bei einem Prozesstag in Antalya nicht krankschreiben lassen. "Seine Ausbildung macht ihm so viel Spaß, dass er morgen wieder zur Arbeit geht", sagte sie.

Marcos Anwalt Schmidt kündigte an, dass sein Mandant gegen das Urteil "das zulässige Rechtsmittel der Revision einlegen werde". Der heute 19-jährige Auszubildende sei in Antalya nicht wegen Vergewaltigung, sondern wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes verurteilt worden. In der Türkei gelte jeder Austausch von Zärtlichkeiten mit einer Person unter 15 Jahren als Kindesmissbrauch, sagte er. Bei der Verhängung einer Bewährungsstrafe von 2 Jahren, 2 Monaten und 20 Tagen habe das Gericht als strafmildernd berücksichtigt, dass Marco noch minderjährig und nicht vorbestraft sei und sich gegenüber der türkischen Justiz ordentlich verhalten habe. Schmidt bezeichnet das Urteil "unverständlich".

AP/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 71)
 
Alexander0815 (17.09.2009, 15:07 Uhr)
@hamburg123
"Das Mädchen war 13" - na und? Der Jünglich war auch erst 17. Schonmal die (sexuelle) Entwicklung der jugendlichen der letzten 20-25 Jahre verfolgt? Die Jugendlichen sind heute mit 13 weiter als ich es wahrscheinlich zu meiner Zeit mit 18 war. Das mag für Ihre Psyche ein Problem sein, ist aber so. Und dem tragen die Gesetze - zumindest in zivilisierten und aufgeklärten Ländern - teilweise bereichts Rechnung. Würden Sie auch etwas sagen, wenn das Mädchen schon 17 gewesen wäre? Nein? Komisch, vor 50 Jahren wäre man mit 17 bei so etwas wegen einem verwerflichen Lebensstil wahrscheinlich in ein geschlossenes Heim gebraucht worden ... und dort wahrscheinlich von den Betreuern missbraucht worden.
Mopar (17.09.2009, 13:51 Uhr)
@ hamburg123
Nicht jeder hat solch überzogene Moralsvorstellungen wie Du. Gesunde Menschen haben nun mal einen Sexualtrieb (der nicht bei jedem genau an seinem 18. Geburtstag erwacht) - und den auszuleben ist alles andere als verwerflich, schädlich oder was auch immer Ihr scheinheiligen Moralapostel daraus machen wollt.
hamburg123 (17.09.2009, 13:13 Uhr)
@esopherah
Was soll das denn? Sie erzählen hier allen Usern, dass sie selbst als Kind mit ihren drei Freundinnen "herumgedoktert" haben und ihre Eltern fanden das in Ordnung? Meine Güte der moralische Verfall in diesem Land kennt keine Grenzen mehr! Das Mädchen war 13!!!!
sportartmakler (17.09.2009, 12:49 Uhr)
@Mastergirl
was birnigt es ein emotional geladenes thema mit einem anderen zu vermischen? mir geht es nicht um die rechtssysteme als ganzes, hier geht es um einen ganz konktreten fall. alle die hier soweit ausholen verkomplizieren diese geschicht unnötig.
sportartmakler (17.09.2009, 12:45 Uhr)
@sirdimus
deinem letzten satz kann ich voll beipflichten. dein beispiel zeigt zwar schön warum kinder besonders schutzwürdig sind, es hier aber als vergleich heranzuziehen ist mehr als fraglich. ja, unwissenheit schützt nicht vor strafe,die realität bleibt dabei aber leider auf der strecke. kiner von uns hätte sich in seinem alter und einer ähnlichen situation einen ausweis zeigen lassen. das ist für mich der alleinige knackpunkt, dass sich hier einige als moralaposteln aufspielen und vielleicht sogar noch von vergewaltigung reden.
Mopar (17.09.2009, 12:42 Uhr)
@ SirDidimus
Doch, wenn man jemandem Gewalt androht, IST das Gewalt. Aber Du willst doch nicht allen Ernstes einen 40-Jährigen, der seine 13-Jährige Stieftochter VERGEWALTIGT mit einem 17-Jährigen vergleichen, der ein bisschen mit einer vermeintlich 15-Jährigen fummelt! In welcher Welt lebst Du bitte?
Ja, Kinder müssen geschützt werden. Aber wenn sich das "Kind" älter macht als es ist, 1,80 groß ist und Körbchengröße D hat, saufen und sich in der Disco aufhalten darf, muss man nicht zwingend wissen dass es sich hierbei nach dem Gesetz um ein Kind handelt (und somit vom Gesetzgeber als zu blöd eingeschätzt wird, um selber zu entscheiden was es will)
NewWorld (17.09.2009, 12:24 Uhr)
@mastergirl
Ihre Kommentare sind wirklich armselig. Und wenn sie behaupten, keine Justiz ist korrupter als die deutsche, dann waren sie wohl noch nie im Ausland.
Mastergirl (17.09.2009, 12:24 Uhr)
Korrektur
nicht Opferschutz, sondern TÄTERSCHUTZ wollte ich natürlich schreiben.
NewWorld (17.09.2009, 12:22 Uhr)
@SirDidimus
Sie meinen, Marco hat das Mädchen mit Gewalt dazu gezwungen? Oder wie soll man ihren Vergleich verstehen?
Mastergirl (17.09.2009, 12:21 Uhr)
@sportartmakler
takatuka (17.09.2009, 09:31 Uhr)

genau, in der türkei herscht noch zucht und ordnung und wahre demokratie!! ich lach micht tot!! der staat verhaftet leute die von frieden und demokratie träumen und darüber sprechen. die polizei verhält sich wie sie will und ist auch bekannt für ihre gewaltorgien. überall korrupiton und vetternwirtschaft! islamistische massenmörder laufen frei herum und der staat hat es nicht geschaft diese vor ein gericht zu stellen.

Keine Justiz ist inkompetenter und korrupter als die deutsche, davon redet hier aber niemand. Es war doch die deutsche Justiz, die diese kriminellen Jugendlichen ständig laufen liess, die dann einen hilfsbereiten Mann in Müchen umgebracht haben. Aber hier herrscht ja Demokratie, deshalb gilt hier der Opferschutz - herrlich! Ganz zu schweigen von den feigen Gaffern, die nur ihre Sensationsgier befriedigen wollten. Aber auch das ist Demokratie: sich nicht einzumischen!
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