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2. April 2010, 15:46 Uhr

Bischof Ackermann fordert forensische Gutachten

Der Missbrauchsbeauftragte der katholischen Kirche, Stephan Ackermann, pocht auf eine Verschärfung der kirchlichen Leitlinien und fordert forensische Gutachten über die Täter. Auch der Auffassung von Bischof Walter Mixa zur Rolle der sexuellen Revolution hat der Trierer Bischof etwas entgegenzusetzen.

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Bischof Stephan Ackermann fordert eine Verschärfung der kirchlichen Leitlinien zum Thema Missbrauch© Johannes Eisele/Reuters

Der neue Beauftragte der katholischen Kirche für Missbrauchsfälle, der Trierer Bischof Stephan Ackermann, hat sich für eine Verschärfung der kirchlichen Leitlinien ausgesprochen: "Wenn es einen Missbrauchsfall gibt, muss ein forensisches Gutachten über den Täter erstellt werden, egal, ob der Fall verjährt ist oder nicht. Das müssen wir unbedingt in die Leitlinien der Bischofskonferenz aufnehmen", sagte Ackermann dem Tagesspiegel.

Ob - wie von Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger gefordert - in jedem Fall eine Anzeige an die Staatsanwaltschaft folgen soll, "das werden wir diskutieren müssen", sagte der Bischof. Er selbst rate zur Vorsicht. Ein Prozess könne eine zu große Belastung für die Opfer werden, um deren Interessen aber müsse es jetzt vor allem gehen. "In früheren Jahrzehnten haben wir versucht, den Ruf der Kirche zu schützen, indem wir die Täter zu sehr geschützt haben. Besteht nicht die Gefahr, dass wir jetzt auch wieder vor allem auf unser Image schauen?"

Fälle sollen nicht vor Justiz geheim gehalten werden

Ackermann betonte gleichzeitig, das päpstliche Geheimnis, das in einem vatikanischen Schreiben von 2001 unter anderem für Missbrauchsfälle gefordert wird, bedeute nicht, solche Fälle vor der staatlichen Justiz geheim gehalten würden: "Die Geheimhaltungspflicht besagt nur, dass das kirchliche Verfahren mit größter Diskretion behandelt werden muss", sagte der Bischof. Das sei "selbstverständlich". "Wir beanspruchen keinen Rechtsraum für uns, der mit der staatlichen Rechtsprechung konkurrieren würde."

Ackermann trat außerdem der Auffassung entgegen, die Liberalisierung der Nach-68-Jahre sei für Missbrauch verantwortlich. Die jetzt bekannt gewordenen Taten reichten bis in die 50er Jahre zurück, "für den Missbrauch an Kindern und Jugendlichen können wir die sexuelle Revolution nicht verantwortlich machen. Verantwortlich sind die Täter. Vielleicht kann man es so sagen: Päderasten finden in jeder Moral ihre Wege, um zum Ziel zu kommen." Der Augsburger Bischof Walter Mixa hatte in der Debatte um Missbrauch durch Priester und Ordensleute von einer Mitschuld der "so genannten sexuellen Revolution" und der "zunehmenden Sexualisierung der vergangenen Jahrzehnte" gesprochen.

DPA/APN
 
 
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