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19. März 2010, 08:00 Uhr

Papst unterschreibt Hirtenbrief an irische Bischöfe

Papst Benedikt XVI. unterschreibt heute den Hirtenbrief zum tausendfachen Missbrauchsskandal in der irischen Kirche. Der Vatikan veröffentlicht den Brief an die irischen Bischöfe jedoch erst am Samstag.

Der mit Spannung erwartete Hirtenbrief von Papst Benedikt XVI. zu den Missbrauchsfällen in Irland wird am Samstag veröffentlicht. Das kündigte der Vatikan am Donnerstag an, ließ aber weiter offen, ob sich das päpstliche Schreiben auch auf sexuellen Missbrauch durch katholische Geistliche in Deutschland und anderen Ländern bezieht. In Bayern wollen die Bischöfe künftig enger mit der Justiz zusammenarbeiten.

Nach Angaben des Vatikans soll das Schreiben in englischer und italienischer Sprache verfasst sein. Das Kirchenoberhaupt wolle darin "klare Positionen" zu dem Skandal darlegen. Bei einer Audienz mit irischen Pilgern hatte der Papst am Mittwoch gesagt, der Hirtenbrief sei "Zeichen meiner tiefen Besorgnis" über die Fälle sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche in Irland. Er kündigte an, das Schreiben am Freitag zu unterzeichnen und kurz danach abzuschicken.

Unklar blieb, ob sich das Schreiben auch auf den Missbrauchsskandal in deutschen katholischen Einrichtungen bezieht. Seit Ende Januar sind weit mehr als hundert Missbrauchsfälle in den meisten der 27 deutschen Bistümer ans Licht gekommen. Auch in anderen Ländern erschüttern Missbrauchsskandale die katholische Kirche. Der Bischof des nordostitalienischen Bozen, Karl Golser, entschuldigte sich am Freitag für die erst jetzt bekannt gewordenen Missbrauchsfälle in seiner Diözese aus den 60er Jahren.

Die katholischen bayerischen Bischöfe beschlossen auf ihrer Vollversammlung im oberfränkischen Wallfahrtsort Vierzehnheiligen einstimmig, künftig sämtliche Fälle von Verdacht auf sexuellen Missbrauch oder körperlicher Misshandlung der Staatsanwaltschaft zu melden, wie der Erzbischof von München und Freising, Reinhard Marx, zum Abschluss des Treffens sagte. Die bayerischen Bischöfe empfahlen zudem, eine solche Meldepflicht in die Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz aufzunehmen.

Nach den bisherigen Bestimmungen der Bischofskonferenz zum sexuellen Missbrauch Minderjähriger kann die Kirche auf eine Anzeige verzichten, wenn die Opfer das nicht wollen. Diese Einschränkung soll nach dem Willen der bayerischen Bischöfe also aufgehoben werden. Es müsse jedem Verdacht nachgegangen und jede Verfehlung aufgeklärt werden, erläuterte Marx. In den kommenden Wochen werde auch über Formen von finanziellen Entschädigungen für die Opfer zu reden sein.

Marx verteidigte zugleich den wegen seines bisherigen Schweigens zu den Missbrauchsskandalen in Deutschland in die Kritik geratenen Papst Benedikt XVI. "In all ihren Bestrebungen im Kampf gegen Missbrauch wissen sich die bayerischen Bischöfe durch den Heiligen Vater bestärkt", hob der Erzbischof hervor. "Benedikt XVI. weist seit Jahren unermüdlich darauf hin, dass es gegenüber dem sexuellen Missbrauch keine Toleranz geben darf."

Auch der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, nahm Benedikt XVI. gegen Vorwürfe in Schutz. Benedikt XVI. habe sich bereits "unmissverständlich" zum Missbrauch geäußert, schrieb der Freiburger Erzbischof in der Zeitung "Die Welt" vom Donnerstag. "Bei der Mär vom schweigenden Papst wird übersehen, dass es nicht den Papst für Deutschland und nicht den Papst für Spanien gibt. Es gibt nur den einen Papst für die weltweite Kirche." Deshalb müsse Benedikt XVI. "klug abwägen", wann er sich wie äußere.

AFP/DPA
 
 
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