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17. Januar 2008, 09:06 Uhr

"Haben die Kinder nie blutig geschlagen"

Geschlagen, eingesperrt und in Kot gedrückt: Acht Kinder aus Bayern klagen ihre eigenen Eltern wegen schwerer Misshandlungen an. Das Paar, dem das Sorgerecht entzogen wurde, weist die Vorwürfe zurück. In einem Interview mit stern.de sagen sie: "Wir können uns das nicht erklären."

In diesem Haus in Ihrlerstein (Bayern) wohnte das Paar mit ihren acht Kindern© Oliver Lang/DDP

Ihre Kinder sprechen davon, Sie hätten sie mit einem Kochlöffel geschlagen, bis sie geblutet haben. Das sind massivste Anschuldigungen - die stimmen?

Nein. Wir haben unsere Kinder nie geschlagen, bis sie bluteten. Sicher, es gab ab und zu mal einen Klaps. Bei acht Kleinen geht's mal strenger und rauer zu. Aber wir haben sie nie mit einem Kochlöffel geschlagen.

Aber wie kommen Ihre Kinder dann auf diesen Vorwurf?

Wir sind selbst fassungslos und können uns nicht erklären, woher sie das haben. Man muss dazu sagen, dass nur zwei der Kinder - unser achtjähriger Junge und unser neunjähriges Mädel - die Vorwürfe aufrecht erhalten. Noch was: Wenn wir unsere Kinder tatsächlich grün und blau geschlagen haben, warum hat man an der Schule oder in dem Heim, das der Bub seit Herbst 2006 besucht, nichts von Wunden bemerkt? Auch eine ambulante Hilfe vom Jugendamt ist bei uns eineinhalb Jahre aus- und eingegangen. Sie müsste das doch auch mitbekommen haben.

Die Liste der Vorwürfe ist lang: Die Kinder seien tage- und nächtelang eingesperrt worden, mussten die Notdurft in ihren Zimmern verrichten und seien in ihren eigen Kot und den ihrer Geschwister getaucht worden. Alles Erfindungen?

Zur Einsperrsituation möchten wir folgendes sagen: Wir mussten bei zwei Kindern abends vorübergehend die Türen verschließen, weil sie uns regelmäßig das Haus auf den Kopf gestellt haben. Sobald sie eingeschlafen waren, wurde aber sofort wieder aufgesperrt. Deshalb kann es auch nicht stimmen, dass sie ihre Notdurft auf den Zimmern erledigen mussten.

Wie wollen Sie weiter vorgehen?

Wir zweifeln die Glaubwürdigkeit der Aussagen an. Wir wollen das vor Gericht geklärt wissen. Noch einmal: Wie die Kinder auf all das kommen, können wir uns nicht erklären.

Sollten die Kinder wieder zu ihnen dürfen - wie wird es sein nach diesen massiven Vorwürfen gegen ihre eigenen Eltern?

Die Kinder können am wenigsten dafür.

Wie würden Sie Ihre momentane Gefühlswelt beschreiben?

Wie fühlt man sich, wenn man Weihnachten ohne seine Kinder verbringt? Wir durften sie erst Tage danach sehen, getrennt voneinander an neutralen Orten. (Mutter weint:) Die Mädels wollen doch nach Hause. Das haben sie mir selbst gesagt.

Interview: Martin Rutrecht
 
 
KOMMENTARE (10 von 11)
 
lalilu222 (18.01.2008, 23:03 Uhr)
Tagesgespräch
Beim Einkaufen hörte ich zufällig das Gespräch von zwei Frauen über die misshandelten Kinder. Sie kannten die Verhältnisse durch ihre Enkelkinder, die mit den Kindern in Kindergarten und Schule beieinander waren: oft mit blauen Flecken, auch im Gesicht, kein Pausenbrot usw. Eines der Mädchen beklagte sich darüber, dass es keine Zudecke hätte. Nachdem bekannt war, dass die Eltern jegliche Hilfe (z.B. Kinderbetten) ablehnten, trauten die Leute sich nicht, dem Kind eine Zudecke zu schenken. Jeder hat es gewusst: die Nachbarn (Einer liess sich ein Jahr lang nicht vom Jugendamt abwimmeln), die Schule, der Kindergarten, die Verwandten....
Ich stelle mir vor, dass die Eltern, falls sie die Kinder zurück erhalten (sind Kinder Sachen?), in eine Stadt ziehen und unbehelligt die Kinder quälen können, bis wieder ein hartnäckiger Mensch sich erbarmt und im Kampf mit den Behörden nicht aufgibt? Furchtbar!
leobissinger (17.01.2008, 20:46 Uhr)
andere meinung
@mcgrumann
ehrlich gesagt würde ich argumentation gerne nachvollziehen können:
Da gibt es, und mir liegen wie ihnen keine akten vor, die aussagen der kinder über unhaltbare übergriffe und zustände:
Glauben sie im ernst, dass kinder in einem intakten eltern-kind-verhältnis von sich aus auf ausstehende und behörden zu gehen und deratige dinge erfinden ? Ich kann mir das nicht vorstellen und möchte als kind auch in einem solchen umfeld nicht leben.
Auch habe ich noch nichts davon gehört, dass eines der kinder wieder nach hause möchte, oder sie ?
mcgrumann (17.01.2008, 19:51 Uhr)
Gefahr im Verzug durch das Jugendamt
Zwichen 1878 und 2000 habe ich, ohne selbst betroffen zu sein, ehrenamtlich 950 Fallakten - das ist eine statistisch relevante Menge - zu Kindeswegnahmen durch Behörden in Deutschland gesammelt und qualifiziert ausgewertet. Dafür bin ich bei einem Hearing im Bundestag wild angegiftet worden. "Wer ist er, uns zu kontrollieren?"
Es wird niemand gerne lesen: Es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen dem "Übersehen" wirklich der staatlichen Hilfe bedürftiger Kinder und der gezielten, ungerechtfertigten Wegnahme aus Gründen, für die man die Mentalität deutscher Familienrichter verstehen lernen muss.
Ohne den Fall näher zu kennen - mir leigen keine Akten vor - spricht die Tatsache, dass es in der betroffenen Familie "ältere" Kinder im Schul- und Sozialkontaktealter gibt, erheblich gegen die Annahme gesetzlicher Gründe für die Herausnahme. Man darf vermuten, dass es bildungs- und einkommensschichtenspezifische Defizite geben mag; aber so ist das: Die Sozialschwachen bekommen zuwenig geld, wogegen jedes Kind im Heim mind. 3.000,-- €/mtl. kostet. Und auch ein Pflegekind bringt in Dtld. - je nach Bundesland - bis zu 1.400,-- € /mtl. an geldwerten Vorteilen mit sich - nicht für die Herkunftsfamilie, sondern für die Pflegefamilie, versteht sich!
mona.lisa (17.01.2008, 17:30 Uhr)
Die Kinder sind leider immer die Verlierer !
Als Kind ist man hilflos ausgeliefert. Man will so sehr, daß die Eltern einen lieben, und wenn sie stattdessen prügeln, dann sucht man die Schuld bei sich und glaubt voller Verzweiflung, daß sie einen doch irgendwann lieben, wenn man nur brav genug ist und alles richtig macht.
Ein schrecklicher Teufelskreis.
Ein großer Fehler bei der Familie mit den 8 Kindern ist der erlaubte Telefonkontakt. Wenn dabei die Eltern den Kindern versprechen "Alles wird gut, wir lieben euch doch", dann kommen gerade die Jüngeren freiwillig wieder zurück, weil ein Kind sowas auch prügelnden Eltern glaubt! Und dann wird es noch schlimmer, und diese Kinder sind dann noch hilfloser! Wieso diese vielfachen Gewalttäter noch immer frei herumlaufen, ist nicht nachvollziehbar!
Spocks_Kommentar (17.01.2008, 15:08 Uhr)
@Think-Smart
Ach ja? Und die sind dann Tag und Nacht da und verhindern alles?
Es geht um Leben und Gesundheit der Kinder. Viele Opfer überleben behindert.
Wieviele Kinder kann man wohl wieviele Jahre unterbringen, wenn eines dadurch nicht lebenslang behindert ist???????
Nicht Think-Smart, think zuende!
DEBullshit (17.01.2008, 12:52 Uhr)
ach ja...
genauso hätte miene Mutter geantwortet, wenn wir Kinder sie damals angezeigt hätten. Uns hätte man noch viel weniger geglaubt, weil soetwas ja bei Akademikern, denen die Adoption erlaubt wurde sicherlich nie passieren kann.
Das ich nicht lache, eher weine!!
Unsere Mutter ist wegen Betruges (Unterschlagung von Kindesunterhalt) zu 8 Monaten evrurteilt worde, und behauptet bis heute sie sei unschuldig, fast hätte sie mich zu einer eidestattlichen Falschaussage gebracht.
Solche Menschen kreiren sich ihre eigene Realität, aus der sie nicht mehr herauskönnen!!
Jennifer1213 (17.01.2008, 12:38 Uhr)
Ich kann Lelou nur recht geben..
... auch ich bin als Kind von meinem Vater geschlagen worden (wir sind ohne unsere Mutter aufgewachsen). Erst als ich fast volljährig war, bin ich von daheim geflüchtet. Wir hatten schon ab und zu Besuch von Sozialarbeitern etc. die dann auch nachgefragt haben, ob es uns bei unserem Vater gut geht, aber was soll man als kleines Kind darauf antworten, wenn man einen Tag zu schwer geschlagen worden ist und man vom Vater eingetrichtert bekommt: "wenn du/ihr was sagt, dann verhaue ich euch noch mehr". Da hieß es dann, die Kinder haben immer gesagt es geht ihnen gut! Als wir dann mit 16 von daheim weg sind, hat unser Vater auch alles geleugnet etc... glaubt mir, so bösartig können Kinder nicht sein, dass sie ihre eigenen Eltern ans Messer liefern, da muss was dahinter stecken!!
echtschoenhier (17.01.2008, 12:35 Uhr)
Sprachwahl
Die Sprachwahl zeigt deutlich, dass da Hilfe eines Anwaltes, der versiert genug ist, "gestellte" Aussagen zu verbreiten im Spiel ist. Ein solch, wie im ersten Artikel dargestellten desolaten Zustand, der von den Mitarbeitern des Jugendamtes vorgefunden wurde ist zumeist auch ein untrügliches Zeichen von mangelnder Ausdrucksfähigkeit (ja, ihr besser wissenden Menschen, rennt mir ruhig die Bude ein). Das aber, was dort geschrieben steht, ist elaboriert genug, um feststellen zu können, dass da Anspruch und Wirklichkeit nicht wirklich zusammen passen. Im weiteren zeigt kein Kind einen solchen Missstand an, wenn es nicht tiefes Misstrauen in die Eltern hat.
leobissinger (17.01.2008, 11:50 Uhr)
anzeige bei intaktem familiären umfeld ?
Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich, in einem intakten umfeld, kinder selbst an das jugendamt wenden, um misshandlungen anzuzeigen.
So unterbelichtet sind kinder nicht, da steckt mehr dahinter, als ein "schlechter scherz", meine ich.
Think-Smart (17.01.2008, 10:23 Uhr)
Rechenaufgabe
8 Kinder mal durchschnittlich 2.500 Euro Unterbringungskosten monatlich, macht rund 20.000. Wie viele Erziehungshelfer könnte man dafür denen ins Haus schicken?
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