10. Mai 2012, 19:10 Uhr

18-Jähriger wegen Lynchjustiz-Aufruf angeklagt

Er rief via Facebook zur Erstürmung der Emder Polizeiwache auf, als dort ein Verdächtiger im Mordfall Lena verhört wurde. Wegen Aufruf zur Lynchjustiz muss sich der 18-Jährige nun vor einem Jugendschöffengericht verantworten.

Emden, Mord, Lynchjustiz, Polizei, Mädchen, Ostfriese, bereut

Die Trauer in Emden wandelte sich rasch in Wut. Dem Aufruf zur Erstürmung der Polizeiwache folgten 50 Menschen©

Nach einem Aufruf zur Lynchjustiz hat die Staatsanwaltschaft im ostfriesischen Aurich Anklage gegen einen jungen Mann aus Emden erhoben. Der 18-Jährige müsse sich wegen seiner Aufforderung zu einer Straftat im Sozialen Netzwerk Facebook verantworten, teilte die Staatsanwaltschaft am Donnerstag mit. Er soll zur Erstürmung der Emder Polizeiwache aufgerufen haben. Dort saß Ende März ein 17-Jähriger in Gewahrsam, der irrtümlich unter Mordverdacht im Fall der getöteten elfjährigen Lena aus Emden stand. Nach dem Internet-Aufruf hatten sich nachts bis zu 50 Menschen vor der Wache versammelt und die Herausgabe des vorläufig Festgenommenen verlangt. Zu Übergriffen kam es nicht.

Bis zu fünf Jahre Haft drohen

Der Angeschuldigte soll sich vor dem Jugendschöffengericht des Amtsgerichts Emden verantworten. Über die Eröffnung des Hauptverfahrens ist noch nicht entschieden. Nach Paragraf 111 Strafgesetzbuch wird derjenige, der öffentlich zu einer Straftat auffordert, wie ein Anstifter bestraft, wenn die Aufforderung Erfolg hat. Bleibt die Aufforderung ohne Erfolg, ist für Erwachsene Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren angedroht.

swd/DPA
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Mord an Elfjähriger in Emden Internethetzer bereut Aufruf zur Lynch-Justiz

Ein 18-Jähriger hatte nach dem Mordfall an einem 11-jährigen Mädchen in Emden im Internet zur Lynch-Justiz aufgerufen. Die Justiz prüft, ob er zur Verantwortung gezogen werden kann. In der Stadt will man ein Zeichen gegen Hetze setzen.

Mädchenmord in Emden Psychiatrie-Chef weist Mitverantwortung zurück

Spurensuche in Emden: Der mutmaßliche Mädchenmörder war bei seiner Behandlung in der Psychiatrie offenbar ein unauffälliger Patient. Die Suche nach der Tatwaffe bleibt erfolglos.

Mädchenmord in Emden Chronologie eines Verbrechens

Ein Kind ist ermordet worden. Die Menschen sind erschüttert. Erst recht, da der mutmaßliche Täter Monate zuvor Hilfe bei der Polizei suchte. Ein Überblick über den Mordfall von Emden.

Mutmaßlicher Mörder von Emden "Er mimte gerne den Coolen"

Wer ist dieser Berufsschüler, der den Mord an einem elfjährigen Mädchen gestanden hat? Gesagt wird: Er war fremd in der Stadt, kein guter Schüler, baute immer nur Mist. Eine Spurensuche in Emden.

Emden nach dem Mordfall Die Stadt der Opfer

Der Mord an einer Elfjährigen in einem Emder Parkhaus hat ein weiteres Opfer gefordert: den freigelassenen 17-Jährigen, der der grausamen Tat verdächtigt worden war.

Mord an Elfjähriger in Emden Im Netz der Lynchjustiz

Ein junger Mann wird verdächtigt, die Elfjährige in Emden ermordet zu haben. Der Fall erschüttert die Stadt noch immer. Inzwischen wird sogar auf Facebook zur Lynchjustiz aufgerufen.

Mordfall Emden Tatverdächtiger war in der Jugendpsychiatrie

Im Emder Mordfall kommen immer neue Details ans Licht. Der Tatverdächtige war in psychiatrischer Behandlung, nachdem er 2010 eine Siebenjährige nackt fotografiert hatte. Nun wird gegen zwei Beamte ermittelt.

MEHR ZUM THEMA
powered by wefind WeFind
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (21/2013)
Geht's jetzt an mein Geld?