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Ein Strafgericht in Kairo hat den ägyptischen Ex-Präsidenten Mubarak zu lebenslanger Haft verurteilt. Der Staatsanwalt hatte für den früheren Staatschef die Todesstrafe gefordert.

11. Januar 2011, 17:45 Uhr

Das Leben eine Qual - die grausame Rache des Rene S.

Schon der Start ins Leben war für Rene S. eine Tortur. Doch trotz Behinderung wollte er es seinen Eltern beweisen. Er scheiterte - auch beim Versuch, sich das Leben zu nehmen. Statt Trost gab es Häme. "Dann hat es Klick gemacht". Mutter und Vater sind tot, Rene S. steht jetzt vor Gericht. Von Uta Eisenhardt, Potsdam

Mord, Elternmord, Blutbad

Ein Polizeifahrzeug steht vor einem Grundstück in Rathenow (Brandenburg), wo der 28-Jährige Rene S. seine Eltern getötet und anschließend die Leichen zerstückelt haben soll© Oliver Schwandt/DPA

Den Geruch von Blut bekommt Rene S. nicht mehr aus der Nase. Er verfolgt den großen, schlaksigen Mann seit dem 9. Juni 2010 - dem Tag, an dem er seinen Vater (67) erstach und seine Mutter (60) erschlug. Das Landgericht Potsdam muss nun klären, ob es sich um heimtückische Morde oder um zweifachen Totschlag handelt.

"Ich würde mich als verschlossen bezeichnen, ich bin nicht der übliche Partygänger." Leise und mit ernster Miene spricht der blasse Rotblonde. Dann schaut er schweigend nach vorn - bis ihm der Vorsitzende Richter Frank Tiemann wieder eine Frage stellt.

So arbeiten sich Gericht und Angeklagter durch ein Leben voller Pein, das im April 1982 in Rathenow begann. Rene S. wurde am 39. Geburtstag seines Vaters Detlef geboren, seine Mutter Sabine war damals "32einhalb", wie der Sohn berichtet. Für DDR-Verhältnisse war das sehr spät. Aber ohnehin war in der Familie S. wenig so wie in anderen Familien.

Rene S. kam mit einer Fehlstellung der Füße zur Welt. Als Kleinkind wurde er oft operiert. Er sei zu 50 Prozent behindert, könne zum Beispiel nicht Fahrrad fahren, sagt er dem Richter. An Hänseleien kann er sich aber nicht erinnern. Möglicherweise war er für seine Mitmenschen einfach nur Luft: Die Pausen auf dem Schulhof verbrachte er allein, den Schulhort besuchte er nicht wie zuvor auch nicht den Kindergarten. Es gab für ihn keinen besten Freund, keine Freundin. Zu Verwandten pflegte die Familie keinen Kontakt. Selbst als der junge Mann 2001 sein Studium begann, lernte er immer allein.

Eindeutige Lösungen

Seine Mutter hätte ihm Jura empfohlen: Die arbeitslose Chemikerin wünschte sich für ihren Sohn eine selbstständige Tätigkeit als Anwalt. Doch schon bald spürte der Student, der lieber Chirurg geworden wäre, Unbehagen mit seiner Fachrichtung. "Für mich ist eins und eins gleich zwei und nicht vielleicht zwei oder von bis zwei", erklärt er dem Richter seine Probleme mit Fächern, in denen Lösungen diskutiert werden.

An einer Zwischenprüfung in Rechtsgeschichte wäre er beinahe gescheitert, wäre nicht bei der Nachprüfung ausgerechnet das dran gekommen, was er gelernt hatte. Sonst hätte sich das mit dem Studium schon früher und von allein erledigt. Dann hätte Rene S. nicht unter solchem Druck gestanden. Vielleicht würden seine Eltern noch leben.

Tapfer studierte er weiter, getreu dem Familien-Motto: Was man einmal begonnen hat, muss man auch beenden. Das ging bis 2008, dann wollte er das Studium endgültig abbrechen. Wie aber sollte er es den Eltern sagen? Ohnehin habe man wenig miteinander gesprochen, mehr wie in einer Wohngemeinschaft nebeneinander her gelebt: Die Mutter hatte das Sagen, der arbeitslose Vater pflichtete ihr bei.

Im Januar 2009 erfand Rene S. ein bestandenes erstes Staatsexamen. Er solle doch noch promovieren, schlug ihm seine Mutter vor. Von Tag zu Tag wurde die Situation schwieriger. Der Student wusste keinen anderen Ausweg, als sich im November 2009 die Pulsadern aufzuschneiden. Im Abschiedsbrief an die "Werten Eltern" meinte er, wenn man ihn gefragt hätte, ob er geboren werden wolle, hätte er dankend abgelehnt. Er empfände das Leben als Endlosschleife aus Aufstehen, Essen und Schlafen: "Deshalb drücke ich jetzt Stopp."

"Opa hat sich im Krieg wenigstens richtig erschossen!"

Es klappte nicht. Trotzdem er sich drei Schnitte gesetzt hatte, hörte die Blutung irgendwann auf. Für einen weiteren Schnitt fehlte dem Verletzten die Kraft. Er rief die Feuerwehr. Nun sagte er seinen Eltern die Wahrheit. Kommentar vom Vater: "Opa hat sich im Krieg wenigstens richtig erschossen!"

Rene wollte nun Finanzbeamter werden. Zahlen, so stellte er sich vor, seien wenigstens konkret. Seine Eltern aber wollten von einer Beamtenlaufbahn und einem von ihnen als zweitklassig empfundenen Fachhochschulstudium nichts wissen. Dennoch bewarb sich der Sohn, wenn auch erfolglos: In Nordrhein-Westfalen scheiterte er.

Seite 1: Das Leben eine Qual - die grausame Rache des Rene S.
Seite 2: Das Messer für den Vater, der Hammer für die Mutter
 
 
 
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