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21. Juli 2010, 07:23 Uhr

S-Bahnfahrer: Brunner war der Angreifer

Dominik Brunner hätte einfach davongehen können. Das sagte der Fahrer der S-Bahn als Zeuge im Prozess um den Tod des Managers aus. Für ihn sei Brunner der Angreifer gewesen. Weitere Zeugen schildern die Situation völlig anders.

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Der S-Bahnhof München-Solln, wo Dominik Brunner zu Tode geprügelt wurde© DPA

Ein Fahrer der Münchner S-Bahn hat die Schlägerei zwischen zwei jungen Männern und Dominik Brunner völlig anders geschildert als andere Zeugen. Er sagte am Dienstag im Mordprozess vor dem Landgericht München, auf ihn habe Brunner wie der Angreifer gewirkt, der zwei Jugendliche aus heiterem Himmel mit einem Faustschlag attackierte. Andere Zeugen schilderten, wie die beiden Angeklagten Brunner zusammenschlagen und -getreten hätten. Der damals 18-jährige Markus S. habe dabei zweimal gerufen: "Ich bring' dich um!", erklärte eine 16-jährige Schülerin, die das Geschehen vom Bahnsteig gegenüber verfolgt hatte.´

Der Fahrer der S-Bahn berichtete, Brunner sei am 12. September 2009 mit vier Schülern aus der S-Bahn ausgestiegen und habe plötzlich laut gesagt: "Jetzt gibt's hier hinten Ärger." Aus seiner Sicht habe sich aber überhaupt nichts angebahnt. Die beiden jungen Männer seien hinter Brunner und den Jugendlichen auf einen Treppenaufgang zugegangen, aber "nicht auf Herrn Brunner zu, eher daneben vorbei". Brunner habe seine Tasche ans Geländer gestellt. Als die Jugendlichen in seiner Nähe gewesen seien, "ging Brunner rasch zwei Schritte auf sie zu und hat mit der Faust ausgeholt", erklärte der Zeuge. "Getroffen hat er sehr gut": Einem der beiden damals 17- und 18-Jährigen sei etwas aus dem Mund geflogen. "Brunner - für mich als Angreifer - sagte dann: 'Das klären wir jetzt mit der Polizei.'", so der Lokführer. Er selbst habe die Sache damit für erledigt gehalten. Er sei weitergefahren und habe die Fahrdienstleitung gebeten, die Polizei zu informieren.

Laut, aggressiv, gewalttätig

Mehrere Zeugen schilderten, dass die Angeklagten anschließend unter wüsten Beschimpfungen brutal auf den 50-jährigen Brunner eingeschlagen hätten. Einer habe auf den am Boden liegenden Mann "eingestampft", sagte ein 17-jähriger Zeuge. Der andere Angeklagte habe die Schüler neben Brunner in Schach gehalten. Als die Schläger weggegangen seien, sei er über die Gleise gegangen und habe geschaut, ob der Mann am Boden noch lebt. "Blut überall, er war ganz weiß", sagte der 17-Jährige. Ein 59-jähriger Zeuge sagte, Markus S. sei "in Siegerpose" mit geballter Faust weggegangen. Sein Gesicht sei hasserfüllt gewesen. Der andere, Sebastian L., habe ihn mit sich gezogen.

Ein 18-jähriger Schüler sagte, einer der beiden habe "laut und aggressiv 'Bastard' gerufen" und geschlagen. Einer der Schüler neben Brunner habe geweint. Die 16-jährige Schülerin sagte, beide Angeklagte hätten auf Brunner eingetreten und eingeschlagen, als er schon am Boden gelegen habe. Dabei hätten sie "Motherfucker" und andere Schimpfwörter gerufen.

Verteidiger sehen Anklage als überholt an

Die Staatsanwaltschaft hat Markus S. und Sebastian L. des Mordes angeklagt. Sie sollen Brunner aus Rache geprügelt und seinen Tod in Kauf genommen haben, weil er sich schützend vor vier Schüler gestellt hatte. Die Verteidiger erklärten die Anklage für überholt, weil Brunner zuerst geschlagen und wegen einer Erkrankung an Herzversagen gestorben sei. Die Urteilsverkündung ist bislang für 29. Juli geplant.

zen/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 42)
 
det_lef (22.07.2010, 03:55 Uhr)
Mordanklage nicht haltbar
Wenns ganz schlimm kommt, gibt es Bewährungsstrafe für die staatlichen Trottel auf Klägerseite.
Der Verteidiger macht einen sehr guten Job...
det_lef (22.07.2010, 03:51 Uhr)
Staatsanwaltliche Blamage
Widersprüchliche Zeugenaussagen, die damals unter dem medialen Druck zu Aussagen getrieben worden sind, die nicht mehr haltbar sind usw.In den USA wäre die Anklägerseite - also der Staat - auch medial fertig gemacht worden für die vielen Fehler.In Deutschland schläft man, weil man Brunner vorzeitig zum Superhelden sterilisiert hat.
helmutkarsten (21.07.2010, 16:29 Uhr)
Opfer/Täter vs. Täter/Opfer
Na klar, dieser EINE Mann (wie alt?) hat die, zu mehreren Auftretenden, 18 u. 19 Jahre alten jungen Männer (nach neuesten Erkenntnissen) ANGEGRIFFEN.
Er sei wohl selbst Schuld........................

Mein Fall kann gegoogelt werden. Auch ich (60 kilo) hätte angeblich, als unbescholtener Bürger, einen XXX-vorbestraften 95 kilo Intensivtäter, nach 3 erwiesenen Angriffen, aufgelauert und verletzt. Ich wurde verurteilt, weil ich mich beim 4. Angriff, reflexartig und instinktiv gewehrt habe. In der Zelle 222 sollte ich dann erschlagen werden. Das, nachdem ich in der Akte, die ich erst ein Jahr nach der HV bekam und meine Notwehr-Aussage BESTÄTIGT hatte. Juristisch wurde ich völlig "ausgebremst". Als erwerbsunfähig, infolge der 3 Übergriffe, darf ich auch jetzt womöglich noch Schmerzensgeld zahlen.
Hoffentlich haben sich mein Intensivtäter, oder die des Herrn Brunner, beim zutreten nicht den Fuß verstaucht. Ich werde Schmerzensgeld zahlen müssen.........
googeln Sie ruhig - aber lesen Sie alles.
janus55 (21.07.2010, 14:04 Uhr)
Stirb_Susi
Hoffentlich kommen Sie und Ihresgleichen bald in eine Situation, in der Sie dringend Hilfe brauchen. Und dann wünsche ich Ihnen, daß ALLE wegschauen und Sie mit Ihrem Problem alleine lassen. Ich jedenfalls würde es bei Menschen wie Ihnen tun und es wäre mir völlig egal, was mit Ihnen passiert.
Helly (21.07.2010, 12:32 Uhr)
In so einer Situation ist es schwierig "richtig" zu reagieren. Herr Brunner hatte wohl das Gefühl gehabt, dass die situation eskalieren wird, egal wie sehr er sich um deeskalation bemüht. Somit sah er den Angriff als letztes Mittel, vielleicht auch um die beiden Jugendlichen einzuschüchtern. Die meisten haben heutzutage eine große Klappe und realtiv wenig dahinter...
Tom3 (21.07.2010, 10:05 Uhr)
...es war wohl nicht sehr klug...
...die beiden auch noch anzugreifen, diesen Mut u. jenen das er als einziger die Courage hatte sich schützend vor die bedrohten Jugendlichen zu stellen u. das ist das tragische, musste er dann mit seinem Leben bezahlen.

Ich finde, dass es da keinen Unterschied macht, ob jemand an einem Herzfehler leidet oder nicht. Wenn "Menschen" auf einem am Boden liegenden solange eintreten u. schlagen, bis dieser sich nicht mehr rührt, dann nehmen sie nun mal auch dessen Tot in kauf, ganz egal durch was dieser letztlich eingetreten ist.

Ob das dann nach dem verqueren deutschen Rechtsystem Todschlag oder Mord ist, dass ist mir relativ egal, für mich ist sowas bestialisch u. Leute die zu sowas fähig sind haben ihren Stellenwert in der Gesellschaft verwirkt, ganz egal wie hart deren Kindheit war!

Ein weiß ich mit Sicherheit auch, ich werde mir sehr sehr sehr gut überlegen, ob ich in einer ähnlichen Situation nicht doch nur den gemütlichen Beobachter mime oder ob ich so dumm bin u. mich zum Opfer mache u. eingreifen soll, den die Justiz u. soviel wird schon jetzt wieder mal klar, verhöhnt die, die geholfen haben!!!
Starbeiter (21.07.2010, 09:35 Uhr)
Justiz hat nichts mit Moral zu tun
Sicher war es richtig, was Brunner getan hat, als der die Kinder beschützen wollte.
Und hier will sich wohl kaum einer auf die Seite der Täter schlagen. Doch juristisch ist es nunmal sehr von Bedeutung, ob es Mord, Totschlag oder Körperverletzung mit Todesfolge war. Und auch wenn der Artikel das verschweigt: Schon zuvor hatte ein anderer Zeuge ausgesagt, dass Brunner zuerst zugeschlagen hat.
Ich denke, dass die Mordanklage unter diesen Umständen juristisch gesehen nicht mehr haltbar ist.
Stirb_Susi (21.07.2010, 09:30 Uhr)
Held? Vorbild?
Auf gar keinen Fall! Vielmehr ein von den Medien und Politikeren geschaffener Held (BILD hält noch immer daran fest ). Faktisch aber nur jemand, der Selbstjustiz geübt hat. Statt auf die von ihm selbst alarmierte Polizei zu warten, hat er mal eben kurz das Recht selbst in die Hand oder besser Faust genommen und sich maßlos verschätzt.

Man kann nur froh sein, dass die Zeugen eben nicht diesen Hype und diese "Heldenverehrung" mitmachen.

Und überhaupt , wersagt uns denn dass er nicht an den folgen einer wohlmöglich in Unkenntnis seiner Erkrankung fehlerhaften Behandlung verstorben ist?

Bei all diesen Vertuschungen wäre auch das nicht auszuschließen.

Preston (21.07.2010, 09:10 Uhr)
ich glaube, jeder kann Brunner gut verstehen...
- aber letztendlich hat er einen Fehler gemacht, als er den Erstschlag aussetzte; wahrscheinlich war er zu stolz (und fühlte sich zu fit), um andere Passanten anzusprechen.
Dabei hätte nur das die Situation deeskaliert - wenn noch zwei oder drei Erwachsene als "Puffer" vor den Kindern gestanden hätten und GEMEINSAM an den (letzten Rest) von Vernunft der zwei Schläger appelliert hätten:
haut ab, was macht ihr für einen Blödsinn, die Polizei ist unterwegs...
Ich bin mir sicher, Brunner würde das im Nachhinein genauso sehen. Deswegen ist er trotzdem ein mutiger Mann gewesen.
vita (21.07.2010, 09:02 Uhr)
@J4NN3K
Greifen Sie in Schlägereien ein, wenn ein Mann zwei Jugendliche angreift und diese sich scheinbar wehren? Niemals!
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