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5. Dezember 2009, 10:32 Uhr

"Engel mit Eisaugen" zu 26 Jahren Haft verurteilt

Perugia verurteilt seinen mörderischen Engel: Im spektakulären Prozess um die Vergewaltigung und den Mord an einer britischen Austauschstudentin ist der Schuldspruch gefallen. Die Amerikanerin Amanda Knox - besser bekannt als der "Engel mit den Eisaugen" – wurde zu 26 Jahren Haft verurteilt.

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"Nein, nein, nein": Die kühle Amanda bricht bei der Urteilsverkündung in Tränen aus und fällt ihrem Anwalt in die Arme© Pietro Crocchioni/EPA

Das Urteil fiel um Mitternacht. Nach elf Monaten Prozess und einem ungeheurem Medienspektakel haben die Geschworenen in der mittelitalienischen Stadt Perugia in der Nacht zum Samstag entschieden: Der "Engel mit den Eisaugen", Amanda Knox, und ihr Ex-Freund Raffaele Sollecito sind schuldig. Sie haben die junge britische Austauschstudentin in der Nacht zum 2. November 2007 brutal gequält, vergewaltigt und ermordet. 26 Jahre Haft für die 22- jährige Amerikanerin aus Seattle, 25 Jahre für den süditalienischen Informatikstudenten aus Bari: Das Urteil ist für die Betroffenen ein Schock.

Bis zuletzt hatte das Pärchen seine Unschuld beteuert. "Ich habe Angst davor, dass mir gewaltsam die Maske einer Mörderin übergestreift wird", bekannte die junge Amerikanerin von der Westküste noch am Vortag, um den Geschworenen ihre große Befürchtung mit auf den Weg in die diffizilen Beratungen eines reinen Indizienprozesses zu geben. Raffaele machte es da kürzer: "Ich habe Meredith nicht getötet, gebt mir das Leben zurück", hatte er die Geschworenen noch angefleht.

Die kühle Amanda bricht in Tränen aus

Mit dem Aufschrei "nein, nein, nein" brach die kühle Amanda bei der Urteilsverkündung in Tränen aus und fiel ihrem Anwalt Luciano Ghirga in die Arme. Ihre Eltern erklärten sich "extrem enttäuscht", betonten jedoch, das letzte Wort sei noch nicht gesprochen. "Wir wissen, dass Amanda unschuldig ist, und werden sie nicht im Stich lassen." Der Ex-Freund des "mörderischen Engels" verzog hingegen keine Miene. "Nur Mut, nur Mut, Raffaele", rief ihm die Lebensgefährtin seines Vaters nach, als er nach dem Schuldspruch mit Amanda abgeführt wurde, doch Raffaele blieb tonlos. Die Frau erlitt später einen leichten Schwächeanfall.

Die Spannung war tagsüber ins Unerträgliche gestiegen. Seit den frühen Morgenstunden wurde das Gericht der kleinen Universitätsstadt von laut Medienberichten rund 230 internationalen Reportern und Journalisten belagert. Die Familie der Ermordeten war am Nachmittag mit dem Flugzeug eingetroffen, um die letzten Stunden des Wartens auf Gerechtigkeit im Hotel zu verbringen. Sie fordern 25 000 Euro Schadensersatz von den Mördern ihrer Tochter. "Eine symbolische Entschädigung für den irreparablen Schaden, der der Einheit der Familie zugefügt wurde", erklärten die Anwälte Francesco Maresca und Serena Perna.

Wahren Schuldigen in der Mordaffäre Meredith ausgemacht

Sechs Geschworene und zwei Richter mussten über Freispruch oder lebenslange Haft entscheiden, eine einfache Mehrheit genügte. Bei vier zu vier galt: "in dubio pro reo" - im Zweifel für die Angeklagten. Bei einem von den Medien beeinflussten Indizienprozess fiel es den Geschworenen trotzdem schwer, zu einer Entscheidung zu kommen. Bis zuletzt drehte sich alles um die Amerikanerin.

Während die in der umbrischen Metropole Perugia versammelten amerikanischen Medien den wahren Schuldigen in der Mordaffäre Meredith schon lange ausgemacht hatten - die italienischen Ermittler, die Spurensicherung und wohl auch die Justiz selbst - symbolisierte Amanda für die Italiener von Anfang an die verdächtige Kombination von Schönheit und Bösem. "Der Prozess ist in den Augen von vielen von uns ein Skandal. Nichts beweist, dass Amanda Knox am Tatort war. Zero.", schrieb etwa die "New York Times", von den italienischen Blättern zitiert.

Die Staatsanwaltschaft beharrte jedoch bis zum Ende darauf, die Anklage stehe auf absolut festen Füßen, verwies auf belastenden DNA- Spuren auf dem Tatmesser und dem BH der Toten, während die Verteidiger mehrfach auf die wiederholte Verunreinigung des Tatortes hingewiesen hatten.

Bitterer Nachgeschmack wegen hoher Haftstrafen

"Die Verurteilung von so jungen Menschen zu einer hohen Haftstrafe hinterlässt immer einen bitteren Nachgeschmack. Jedoch ist Recht gesprochen worden im Fall eines besonders schweren Verbrechens: Der Ermordung einer blutjungen Studentin", kommentiert die Staatsanwältin Manuela Comodi das Urteil und bringt die gemischten Gefühle vieler auf den Punkt.

Auf das pittoreske Perugia, dessen Ausländeruniversität zahlreiche junge Studenten anzieht, hat der Fall Meredith jedenfalls einen dunklen Schatten geworfen, der sich nicht so rasch verziehen wird. Zu lange schon wird Umbriens Zierde in einem Atemzug mit der Bluttat genannt, vor allem in den angelsächsischen Medien - vor allem wegen des britischen Opfers und der amerikanischen Angeklagten. Für die Stadt spielte es keine Rolle, ob die streng katholisch erzogene, auch "Foxy-Knoxy" genannte Angeklagte nun schuldig gesprochen wurde oder nicht. So mancher wird künftig bei einem Besuch Perugias nicht nur die gotische Kathedrale und die Fontana Maggiore sehen wollen, sondern auch das Haus in der Via della Pergola 7, wo der Mord geschah.

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 28)
 
blackbox (07.12.2009, 17:47 Uhr)
Schuldig hin oder her, ist mittlerweile nicht mehr die Frage.
Dass aber die US Medien sich heuchlerisch für das Unschuldslamm Amanda mit Sondersendungen zu Wort melden, in denen es um nichts anderes geht, als unreflektiert das gesamte italienische Justizsystem in den Schmutz zu ziehen und ohne ein Handfestes Indiz die Entscheidung aus Perugia als "Fehlurteil" zu brandmarken.
Schon merkwürdig, dass sich ausgerechnet die USA beschweren, dessen mittelalterliches Gerichtssystem pro Jahr dutzende Unschuldige exekutieren lässt, ohne, dass es Sondersendungen hierzu gäbe..

Johann58 (06.12.2009, 15:02 Uhr)
@arniston
wie sagt meine Freundin immer so schoen; the big boy on the block makes the rules! So denken eben viele hier, dass man bestimmen kann wie andere Staaten Recht sprechen sollen. Gestern abend haben wir noch darueber diskutiert. Man ist ist hier (USA) absolut davon ueberzeugt das beste Rechtssystem der Welt zu haben. Aber hier ist sowieso alles besser! (Satiere)
arniston (06.12.2009, 09:01 Uhr)
mein beileid !
es war nicht der barmann und auch nicht der gärtner.
das rechtsverständniss einiger amerikaner geht manchmal nicht über urteile hinaus
wie 1 million für verbrühungen mit papercup.
auch rückt hier der prozess o.j. simson wieder nach vorn.
so wird dies ein lehrstück in sachen gerechtigkeit aus dem alten europa, was für amerika schon oft hilfreich war, sonst währen sie nie auf dem mond gelandet, wo übrigens einige hingehören.
mein beileid an die opferfamilie.
justus39 (05.12.2009, 23:48 Uhr)
Johann58 ? darüber habe ich auch schon nachgedacht

Das Unterfliegen der Seilbahn in Cavalese galt wohl bei der amerikanischen Luftwaffe als eine Art Mutprobe, die ein Pilot zu bestehen hatte. Das ist an sich schon schlimm genug, dass man dabei derart leichtfertig Menschenopfer in Kauf nimmt.

Was aber danach an Vertuschung, Fälschung, Verdrehung und Vernichtung von Beweismaterial stattfand, spottete jeder Beschreibung. Aber wahrscheinlich sind die Herren der Welt gewohnt, aus jedem Verbrechen ungeschoren davonzukommen. Falls Amandas Vater tatsächlich bereits ein Rückflugticket für seine Tochter gebucht hatte, so zeugt das auch von dieser Arroganz gegenüber der ausländischen Rechtssprechung.
Wenn die Beschuldigungen gegenüber Amanda wirklich voll zutreffen, so habe ich keinerlei Probleme mit diesen Urteil.
Zorro01 (05.12.2009, 22:29 Uhr)
Nichts zu beanstanden...
Frau Knox hat einen Barkeeper beschuldigt, der gesuchte Mörder zu sein. Dieser Mann hatte jedoch ein Alibi, das ganz offenbar nach ordentlicher Prüfung über alle Zweifel erhaben war. Dennoch saß er hierfür 2 Wochen in U-Haft. Kein schöner Schachzug von Frau Knox, wie ich meine.

Italien ist nicht Nord-Korea. Zwar ist der Ministerpräsident des Landes nicht fernab allen moralischen Zweifels, aber gilt diese Einschätzung auch für die italienische Justiz? Die stereotypen Reaktionen der amerikanischen Presse ? Korruption, Schmiergeld, Mafia ? sind ebenso sensationslüstern wie albern. Würde die Justiz im Sinne Berlusconis funktionieren, hätte sie auf Freispruch plädiert. Alles andere hätte die Beziehung zu den Vereinigten Staaten belastet, wie es jetzt ja eingetreten ist. Hier ist Berlusconi ? danke, danke ? offenbar ohnmächtig.
Johann58 (05.12.2009, 22:25 Uhr)
zum Nachdenken gedacht
am 8. Februar 1998 fliegen 2 Kampfjets der US Luftwaffe wie Rodeoreiter unter den Tragkabeln der Seilbahn in Cavalese in Italien mal so zum Spass durch. Ergebniss; die Tragkabel werden durchtrennt, die Seilbahn stuerzt ab und 20 Menschen sterben. Einfach so zum Sapss, wohl aus Langeweile, die bei den Piloten mal so vorkommt. Das Videoband auf dem alles aufgezeichnet wird, wird geloescht, sicher nur aus Versehen. 20facher Mord aus Spass. Die Piloten werden ohne Begruendung freigesprochen und der welcher die Videobaender geloescht hat entlassen. Die Familien und Freunde der Piloten jubeln wie Geisteskranke oeffentlich ueber den Freispruch. Was hat das mit dem Urteil an Amanda Knox zu tun? NIchts! Es sagt mir persoenlich lediglich, dass sich niemand ueber die italienische Justiz aufregen soll oder der Korruption und Unfaehigkeit beschuldigen soll, wenn Moerder ohne Angabe von Gruenden freigesprochen werden.
arniston (05.12.2009, 20:20 Uhr)
das gericht.
da wird sich das gericht schon gedanken gemacht haben, eine über stunden dauernde
beratung über das urteil erübrigt kommentare.
Johann58 (05.12.2009, 19:16 Uhr)
Ein paar Dinge fallen hier auf
Die einzigen, die wissen was wirklichgeschehen ist verwickeln sich in Wiedersprueche oder schweigen. CNN und andere haben ihr Teil dazu beigetragen, dass Amanda Knox von der Jury moeglicherweise anders beurteilt wurde als ohne die Hetze gegen die Italienische Justiz. Die italienische Justiz ist nicht besser oder schlecheter und nicht mehr oder weniger korrupt als die Amerikanische Justiz. Was soll der Schwachsinn, dass ihr Vater posaunt er habe bereits ein Heimflugticket fuer sie gekauft. Hier veurteile ich die Medien wirklich weil versucht wurde insbesondere in den USA Einfluss zu nehmen wie das Gericht in Perugia entscheiden soll. Was sie unschuldig, was ebenso zu beweisen waere wie ihre Unschuld, dann ist es ein Fehlurteil, war sie irgendwie mitschuldig, dann sind 26 Jahre, von denen sie vielleicht die Haelfte absitzt noch gnaedig. Wo anders haette sie auch zu Tode verurteilt werden koennen. Ich masse mir kein Urteil an ausser, dass weniger Oeffentlichkeit warscheinlich dienlich gewesen waere.
justus39 (05.12.2009, 18:40 Uhr)
Wie ich schon sagte,
wenn die Tat von den Dreien gemeinsam verübt wurde, bzw. wenn nachweisbar alle Drei zur Tatzeit am Tatort waren, habe ich keine Probleme mit dem Urteil.

Aber nachdem, was ich gelesen habe, gab es sehr viele Widersprüche, sowohl in den Aussagen der Angeklagten wie auch bei der Beweislast.
Cecile57 (05.12.2009, 18:10 Uhr)
@ Corazito3333
:-)

Wobei für mich persönlich nicht mal wirklich so erheblich ist, welchen Anteil genau Knox an Kerchers Tod hat. (für die Justiz natürlich schon und das ist ganz genau richtig so).
Allein die Tatsache, daß sie zugegen war und ihre Mitbewohnerin mit zwang, an diesen brutalen Sexspielen teilzunehmen, daß sie ZUSAH, wie einer anderen Frau bestialische Gewalt angetan wurde... das alleine macht sie so schuldig, daß es nur logisch ist, mit welcher Strafe für ihr Handeln. bzw. ihre unterlassene Hilfeleistung sie nun bedacht wird. Wie man mit dem Schicksal solch abartiger und gewalttätiger Personen Mitleid haben kann, geht über mein Verständnis hinaus. Neigungen welcher Art auch immer: phantastisch, soll jeder haben und leben dürfen. Auf Kosten (dem Leben!!) anderer: Nein.
Alle 3 waren am Tatort, die Indizien sprechen für sich, und Meredith Kercher mußte sterben, weil 3 andere ihren Sadismus ausleben wollten. Keiner half ihr, alle machten mit. Die Urteile sind gottseidank so hoch, daß man sowas wie ein Gerechtigkeitsempfinden in diesem Fall spürt. In vielen anderen Fällen denkt man sich ja, die Gesellschaft hat aus unerfindlichen Gründen mehr Verständnis für die armen Täter, als für die Opfer von Gewalttaten...
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