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16. September 2009, 08:55 Uhr

Etwa 15 Gaffer beobachteten Prügel-Attacke

Nun also doch: Bei dem Überfall auf dem Müchner-S-Bahn-Bahnsteig waren tatsächlich etwa 15 Menschen anwesend, die der tödlichen Prügel-Attacke unbeteiligt zugeschaut haben. Das hat die Münchner Polizei bestätigt. Ein Augenzeuge hatte zuvor bereits entsprechende Angaben gemacht.

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Stilles Gedenken an den getöteten Dominik Brunner am S-Bahnhof Solln in München© Oliver Lang/DDP

Entgegen ersten Erkenntnissen sollen nun doch etwa 15 Menschen bei der tödlichen Attacke auf einen Geschäftsmann auf einem Münchner S- Bahn-Bahnsteig dabei gewesen sein. Damit bestätigte die Polizei München in der Nacht zum Mittwoch Angaben eines Austauschschülers. Der 16 Jahre alte Franzose hatte wurde von "Bilde.de" mit den Worten zitiert: "Als ich auf den Bahnsteig gekommen bin, haben die zwei schon auf den Mann eingeprügelt, ihn mit Füßen getreten. Etwa 15 Leute standen rum, griffen nicht ein". Zwei Jugendliche hatten den 50 Jahre alten Geschäftsmann zu Tode geprügelt, nachdem er sich schützend vor vier Kinder gestellt hatte.

Mit dem Hinterkopf gegen ein Geläder gestoßen

Der 16 Jahre alte Zeuge hatte den Vorgang nach eigenen Angaben zunächst nur am Rande mitgekriegt, als er mit einem Freund in die Stadt fahren wollte. Erst als zwei Jugendliche auf den Geschäftsmann, der am Boden lag, auf dem anderen Bahnsteig einprügelten, wurde er richtig aufmerksam. "Der Mann ist irgendwann zusammengebrochen und dabei mit dem Hinterkopf gegen das Geländer gestoßen", sagte der Schüler.

Die "Süddeutsche Zeitung" berichtet darüber hinaus, dass mehrere der unbeteiligten Zeugen vergeblich zum Eingreifen aufgefordert worden seien. Dem Bericht zufolge erzählten die Kinder einer Passantin, dass sie nicht nur um Hilfe gerufen, sondern gezielt Menschen angesprochen hätten, mit der Bitte einzugreifen. Doch mehrere Personen seien weitergegangen, berichtete die Frau.

Die Behörden sehen zurzeit noch keinen Anlass, um wegen unterlassener Hilfeleistung zu ermitteln. Staatsanwalt Laurent Lafleur sagte zum Verhalten der Passanten, die Staatsanwaltschaft sei wie auch in anderen Fällen angehalten, nur eine "rechtliche Bewertung" vorzunehmen. Eine "moralische Bewertung" sei eine ganz andere Sache. Am Dienstag hatte es laut Oberstaatsanwaltin Barbara Stockinger zunächst "keine konkreten Hinweise auf irgendwelche Gaffer, die nur dastanden und zugeguckt haben" gegeben.

Gauweiler fordert Schutzpersonal für jeden S-Bahn-Wagen

Auch am Mittwoch dauerte die politische Diskussion um Konsequenzen aus dem Vorfall an. Der CSU-Bundestagsabgeordnete Peter Gauweiler forderte in der "Bild"-Zeitung Schutzpersonal für jeden S-Bahn-Wagen. Zur Finanzierung schlug er vor, einen Sicherheitsaufschlag von zehn Cent pro Fahrschein einzuführen. Die bayerische Rechtspolitikerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) nannte im Deutschlandradio Kultur eine stärkere Polizeipräsenz als das wirkungsvollste Mittel gegen Jugendgewalt. Sie widersprach zugleich den Forderungen des bayerischen Koalitionspartners CSU nach einer Verschärfung des Jugendstrafrechts.

Am Mittwochabend soll mit einem Gedenkgottesdienst in der Nähe des Tatorts am S-Bahnhof der mutige Einsatz des Ermordeten gewürdigt werden. Die Andacht solle dazu ermutigen, auch künftig mit Zivilcourage für den Schutz anderer Menschen einzustehen, betonen evangelische und katholische Kirche.

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 45)
 
Administrator (16.09.2009, 16:55 Uhr)
Liebe User,
wir schließen die Debatte an dieser Stelle.

Herzliche Grüße,

Ihre stern.de-Admins
botoxia (16.09.2009, 16:12 Uhr)
Keiner bedenkt
dass, wenn eine so derart brutale Gewalttat vor den eigenen Augen geschieht, der hier so unfreundlich "Gaffer" genannte Mensch geschockt ist. Es ist einem Menschen, der nie Gewalt driekt erlebt hat, nicht möglich, das Gesehene sofort zu verstehen. Geschweige denn sich sofort brüllend in den Kampf zu werfen. Ungläubigkeit ob der Gewalt, offene, erschreckte Münder und Augen, Reaktionsslosigkeit. Zeit vergeht da schnell, und totgetreten wird auch schnell. Und dann, wer bitteschön hat da als "Gaffer" gestanden? Der örtliche Kampfsportverein nach dem Training? Oder vielleicht Rentner, Schwache, Ängstliche, Kranke, Frauen, Kinder und andere Menschen ohne Kampferfahrung?
soondecember (16.09.2009, 15:01 Uhr)
tja Justiz , Sicherheit...
Die Darstellung mit den Gaffern fand ich ungerecht, falls es Helden gibt, die im Strassenkampf eingreifen ist es ja gut, aber kann man dass von den Passanten erwarten, die vermutl. seit den Kindertagen keine Prügelei mehr hatten.
Ich sehe es so: der Grundfehler ist Justiz und Sicherheit. In den USA würden sog. Jugendliche (17 u 18 ist ja nicht so jung) bei so einem Verbrechen im Leben nicht mehr in Freiheit spazieren gehen.
Punkt 2: Auch in CSU und CDU Ländern wurde an der Sicherheit gespart. Es wäre mehr Präsenz notwendig. Minimum ist privater Sicherheitsdienst, aber die Staatspolizei kann aus dem regelmässigem Sicherheitsgang nicht entlassen werden. In meiner Kindheit ging sogar im Aussenstadtteil der Polizeibeamte zu Fuss durch, nicht nur an Brennpunkten wie Bahnhöfen (das war 1970). Diese Art von brutaler Gewalt kann nicht durch Passanten aufgefangen werden. Bei mir in Frankfurt ist der wichtige Regionalbahnhof Ost extrem verfallen, dunkel ohne Notruf, natürlich lädt das ein zu Übergriffen aller Art. Sicherheitsdienste gibt es dort nie. Dieser deutsche Grossstadtbahnhof sieht aus, wie in einem zerfallenem Bürgerkriegsland.
So wird es keine Sicherheit geben und Bahnfahrer sind keine Bürgerwehr, falls man das braucht plädiere ich dann schon für Bewaffnung, und zwar ein Trommelrevolver.
maindelfin (16.09.2009, 13:57 Uhr)
schlägernde Feiglinge
Ich kann die Bedenken mancher Kommentatoren hier durchaus nachvollziehen. Schließlich gab es in der Vergangenheit genügend erschreckende Urteile für Helfer bzw. für Leute die in Notwehr gehandelt haben.
Wenn sich aber mehrere Leute zusammentun und laut rufend auf die Schläger zurennen, dann ist die Situation bereinigt. Keiner der Helfer braucht dann auch nur einen Schlag auszuführen. Selbst solche brutalen Schläger sind die größen Feiglinge, wenn sie keine Kinder vor sich haben oder nicht mehr in der Überzahl sind. Wären also von den angeblichen 15 Personen auf dem Bahnsteig auch nur zwei oder drei auf die Schläger laut rufend zugerannt, hätten diese sofort aufgehört zu schlagen und wären -nach ihrer Mama schreiend- weggerannt. Solche Typen sind nur "mutig", wenn sie zu zweit gegen einen sind oder eben schwächere Kinder überfallen können. Alle bisherigen, derartigen Vorkommnisse zeigen das. Auch die beiden "etwas", die in der Münchener U-Bahn einen Mann fast totgeschlagen haben, waren zu zweit gegen einen!!!
Kattzoff (16.09.2009, 13:45 Uhr)
Arme Täter
es kommt wie immer,dei Täter haben eine schlechte Kindheit es gibt Gutachter auf Staatskosten und verständnissvolle Richter,was passiert ein mildes Urteil.Deutschland ist ein Paradies für Kriminelle nur Verkehrssünder werden ohne Gnade bestraft das sind in der Regel ja auch friedliche normale Bürger da kann man draufschlagen.Ich kann garnicht soviel essen wie ich kotzen möchte.
KABW (16.09.2009, 13:03 Uhr)
Justiz
Wie man es auch macht in Deutschland ist man der Dumme, siehe 12500? Strafe!
Ich bin der Meinung von Epaminaidos. In so einer Situation muß man gewinnen mit welchen Mitteln auch immer, denn jetzt sieht man was auf dem Spiel steht! Hier müssen die Helfer unterstützt werden und nicht die Täter runtergespielt werden, von wegen Jugendstrafrecht. Wenn sie doch schon polizeilich bekannt sind wissen die doch besser was sie erwartet, in Deutschland leider nicht so viel wie nötig!
raptor-xl (16.09.2009, 12:46 Uhr)
courage?
aber sicher doch! dumm nur, dass es einen entscheidenden unterschied gibt:
die gefühlte und die wahre kriminalität. der superkriminologe pfeiffer erklärt uns natürlich, dass wir zwar alle eine sehr hohe gefühlte kriminaltät spüren, aber natürlich in wirklichkeit ist es alles anders. politiker und deren zöglinge schaffenes ja, dass wir angeblich jedes jahr weniger kriminaldelikte haben.___nun ja, so weit die theorie. die praxis sieht, so finde ich, anders aus. als ich klein war (einige jahrzehnte her), da gab es auch schon kriminaität. aber die war anders. da sprach man von halbstarken... aber in meiner kindheit wurden nicht reihenweise busfahrer angegriffen, verprügelt oder abgestochen (in berlin normal). in den u-bahnen fuhren abends keine gangs herum, die auffallend offen mit dem spring- oder klappmesser rumposen. in meiner kindheit gab es sicher auch mal klassenkloppe, aber keine systematische abzocke und erpressung unter den kindern. es gab so vieles nicht, was heute auf den strassen der großstädte sichtbar ist... und dann fragt einer tatsächlich, warum sich keiner dazwischen wirft, wenn so etwas passiert? hmmm, vielleicht weil man selbst nur überleben will? weil es aufgabe der politik wäre, dass solche menschen nicht frei rumlaufen? weil von der leyen sich das zu einfach macht, wenn sie alle schuld den pc-spielen gibt (ohne die wären wir alle scheinbar ein liebes volk)?
in berlin gibt es zehntausende von illegalen schusswaffen. von messen ganz zu schweigen. über 300 autos sind bisher in diesem jahr abgefackelt worden. letzens wurde ein polizeirevier angegriffen und die privatwagen der polizisten angezündet.... warum wirft sich da wohl keiner zwischen???? politiker, die sich das ernsthaft fragen, sind entweder nie u-bahn gefahren, kennen kein großstadtleben oder vertrauen einfach ihren selbstgebastelten studien, nach denen wir alle in irrer harmonie leben...
benq (16.09.2009, 12:28 Uhr)
@tvc64
ich bin ganz deiner Meinung! Das wäre eine sinnvolle Regelung, die Anforderungen müssen die Privaten schließlich auch leisten.
unglaeubiger (16.09.2009, 12:17 Uhr)
endbenutzer
du hast es auf den punkt getroffen.
endbenutzer (16.09.2009, 12:16 Uhr)
Klare Regeln
Die Politik sollte beim Thema Notwehr / Zivilcourage dringend nachbessern. Es ist wirklich so, dass man es sich zweimal überlegt, irgendwo einzugreifen. Fakt ist, dass man als Helfer irgendwie immer dumm dasteht. Greift man mit harten Mitteln ein (z.B. eine Dachlatte bei zwei Agressoren, die man als einzelner stoppen will), wird einem dies bei der späteren Verhandlung garantiert als "nicht verhältnismäßig" ausgelegt. Man kann sich dann schon mal auf eine Zivilklage einstellen, die dem eigentlichen Angreifern dann vielleicht noch zu einem schönen Schmerzensgeld verhilft. Die andere Seite ist, wenn man als Helfer selbst verletzt wird und möglicherweise nie mehr arbeiten kann, weil man Schwerstbehindert ist (solche Fälle gab es), hilft der Staat in keinster Weise aus der Klemme. Man steht alleine da. Also: Erst klare Regeln und Unterstützung für Menschen mit Zivilcourage und erst dann fordern.
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