13. Juli 2009, 11:48 Uhr

Mordanklage gegen Demjanjuk

Beihilfe zum Mord an 27.900 Juden: Die Staatsanwaltschaft München hat Anklage gegen den mutmaßlichen NS-Verbrecher John Demjanjuk erhoben. Ärztliche und psychiatrische Gutachter halten den 89-Jährigen trotz seiner angeschlagenen Gesundheit für verhandlungsfähig.

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Dem mutmaßlichen NS-Verbrecher John Demjanjuk, hier ein Bild aus dem Jahre 2005, wird in Deutschland der Prozess gemacht©

Der mutmaßliche NS-Verbrecher John Demjanjuk wird wegen Beihilfe zum Mord in 27.900 Fällen angeklagt. Die Staatsanwaltschaft München wirft ihm vor, als Wachmann 1943 im Vernichtungslager Sobibor im besetzten Polen Tausende von Juden in die Gaskammern getrieben zu haben, wie die Behörde am Montag mitteilte. Der 89-jährige gebürtige Ukrainer, der inzwischen staatenlos ist, sitzt seit seiner Abschiebung aus den USA im Mai in München in Untersuchungshaft.

Ärztliche und psychiatrische Gutachter hatten seine Verhandlungsfähigkeit bestätigt. Die Ärzte empfahlen jedoch, die Verhandlungsdauer auf zwei Mal 90 Minuten pro Tag zu beschränken. Demjanjuk leidet unter Nierenversagen und Blutarmut und hat Probleme mit der Wirbelsäule. Eine Haftbeschwerde der Anwälte war vor kurzem in zweiter Instanz vom Oberlandesgericht abgelehnt worden.

Ein Prozesstermin steht noch nicht fest. Über das weitere Verfahren habe nunmehr das Landgericht München II zu entscheiden, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Nach der Zustellung der Anklage an Demjanjuk und dessen Verteidigung haben diese eine Äußerungsfrist; erst danach kann das Gericht die Anklage zur Hauptverhandlung zulassen. Demjanjuks Münchner Anwalt Günther Maull sagte am Montag, er rechne mit einem möglichen Prozessbeginn nicht vor Ende September.

Hauptbeweisstück der Staatsanwaltschaft ist ein SS-Dienstausweis mit der Nummer 1393. Um die Frage der Echtheit dieses Ausweises hatte es schon früher Diskussionen gegeben, er war mehrfach von Sachverständigen geprüft worden. Zuletzt hatte das Bayerische Landeskriminalamt das Papier in einem Gutachten als echt eingestuft.

DPA/AP/Reuters
 
 
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