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10. Mai 2008, 20:02 Uhr

Junta sichert sich Hilfslieferungen

Eine Woche nach dem verheerenden Zyklon "Nargis" wächst ungeachtet weltweiter Hilfsangebote die Not der Menschen in Myanmar ins Unermessliche. Die Militärs verweigerten den internationalen Hilfsorganisationen die Einreise und sicherten sich die Verteilung der Hilfsgüter.

Allgegenwärtiger Tod und keine Hilfe des Auslandes© Reuters

Die in dem bitterarmen Land regierenden Militärs verweigerten den internationalen Hilfsorganisationen die Einreise. Die Vereinten Nationen rechnen inzwischen mit bis zu 100 000 Toten. Fast zwei Millionen Menschen sind von Hunger, Durst und akuter Seuchengefahr betroffen. Ungeachtet dessen sollten die Menschen in Myanmar am Samstag über eine neue Verfassung abstimmen, mit der die Militärjunta ihre Macht zementieren will. Nur in den am schlimmsten von der Katastrophe betroffenen Bezirken darf in zwei Wochen nachgewählt werden.

Unterdessen wächst der Druck der Weltgemeinschaft auf die Militärjunta in Myanmar. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief die Machthaber auf, Hilfsorganisationen "ohne jede Behinderung" so schnell wie möglich ins Land zu lassen. Er habe versucht, direkt mit der Regierung zu sprechen, doch sei ihm das bisher nicht geglückt.

Unakzeptable Haltung der Junta

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bestärkte Ban Ki Moon in einem Telefonat darin, sich um eine Kontaktaufnahme zur Regierung in Myanmar zu bemühen, um Hilfslieferungen in das Katastrophengebiet zu ermöglichen. In einer Regierungsmitteilung hieß es, Merkel und Ban bezeichneten die Weigerung der Myanmarnischen Regierung, mit den internationalen Hilfsorganisationen zusammenzuarbeiten, als "unakzeptabel". Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) sagte der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung": "Die internationale Gemeinschaft hat die Verantwortung und das Recht, Menschen in Not zur Seite zu stehen, auch wenn die eigene Regierung sich dagegen sträubt."

Frankreich kündigte an, für Hilfsgüter ein Kriegsschiff einzusetzen. "Wir haben entschieden zu handeln, ohne weiter zu warten", sagte Außenminister Bernard Kouchner der Zeitung "Le Figaro" (Samstag). Mit dem Kriegsschiff "Mistral" sollen 1500 Tonnen Hilfsgüter in das südasiatische Land geschickt werden. "Die Hilfe wird direkt an die Betroffenen verteilt (...)", sagte Kouchner. "Es kommt nicht infrage, die Hilfe direkt an die Junta zu liefern."

Junta sichert sich die Verteilung der Hilfsgüter

Am Samstag trafen die ersten russischen Hilfsgüter in Myanmar ein. In Rangun sei ein Transportflugzeug mit 30 Tonnen Zelten und Decken gelandet, meldete die Agentur Itar-Tass. Sie würden der Regierung übergeben, die selbst die Verteilung übernehme. Damit beugt sich Russland dem Diktat der Myanmarnischen Regierung, Hilfsgüter abzuliefern und nicht selbst zu verteilen.

Hilfe für die Zyklon-Opfer brachte die Organisation Ärzte ohne Grenzen auf den Weg. Vom Flughafen Hahn (Rheinland-Pfalz) aus startete am Samstagabend eine Maschine mit 35 Tonnen Hilfsgütern für Myanmar. Dazu gehörten neben Plastikplanen auch Materialien zur Trinkwasseraufbereitung und medizinische Utensilien, berichtete eine Sprecherin der deutschen Sektion von Ärzte ohne Grenzen. Sie zeigte sich "sehr optimistisch", dass die Flieger in Myanmar landen dürfen und dass die Organisation die Güter selbst entladen und verteilen darf. Ärzte ohne Grenzen habe dort über 43 internationale und 1200 einheimische Mitarbeiter.

UNHCR-Konvoi aufgehalten

Ein Konvoi des Flüchtlingshilfswerks UNHCR mit 20 Tonnen Zelten und Plastikplanen für 10 000 Menschen wurde am Mittag kurz hinter der thailändischen Grenze hinter der Grenze vom Militär in ein Kloster dirigiert, berichtete das ZDF, das den Transport mit versteckter Kamera aufzeichnete. Ein Major sagte den Reportern, das Material werde am Sonntag weitergeleitet.

Das Welternährungsprogramm (WFP) verhandelte am Samstag noch mit dem Militär über die Freigabe konfiszierter Lieferungen vom Freitag. Sie waren ohne Zustimmung der Organisation am Flughafen in ein Lagerhaus gebracht worden. Das WFP setzte seine Flüge am Samstag fort. "Angesichts der humanitären Krise sind wir einfach verpflichtet weiterzumachen", sagte Sprecher Marcus Prior in Bangkok.

Unterdessen berichteten britische Hilfsorganisationen am Samstag über kleine Fortschritte. Flugzeuge des Roten Kreuzes konnten nach Angaben des britischen Katastrophen-Komitees in Myanmar landen. Weitere sieben Flugzeuge mit Schaufeln, Moskitonetzen und Kraftstoffkanistern sollten zwischen Samstag und Montag ankommen. Das Komitee sammelte Spenden von mehr als vier Millionen Pfund (rund 5,1 Millionen Euro). Matthias Schmale, Direktor vom britischen Roten Kreuz, sagte: "Heute wurden unsere Bemühungen, Personal und Hilfsgüter in die betroffenen Regionen zu bringen, nicht blockiert." Die Fortschritte seien aber "frustrierend langsam und zu gering".

Die Kinderhilfsorganisation Save the Children erklärte, ihre Mitarbeiter hätten Hilfsgüter an 72 000 Zyklon-Opfer verteilt. Sorgen machten ihnen Regenstürme, die Myanmar nach Vorhersagen kommende Woche erreichen sollten. Am Vortag hatten Experten vor einer "Epidemie mit apokalyptischen Ausmaß" gewarnt. Für die Helfer habe ein Wettlauf mit der Zeit begonnen, sagte Moritz Wohlrab, Sprecher von Aktion Deutschland Hilft, der in Rangun unterwegs ist. Am schlimmsten sei es, dass Trinkwasser und Nahrung fehlten und es keinen Strom gebe.

DPA

 
 
KOMMENTARE (1 von 1)
 
feldsalat (11.05.2008, 12:53 Uhr)
@STERN
Hört bitte ENDLICH damit auf, dieses Land "Myanmar" zu nennen!!!
Es ist unerträglich!
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