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4. März 2009, 11:51 Uhr

Kölns OB stellt U-Bahn-Bau infrage

Oberbürgermeister Fritz Schramma stellt nach dem Unglück in der Kölner Südstadt den Bau der U-Bahn infrage. U-Bahn-Bau in einer Großstadt werde für ihn zu einem grundsätzlichen Problem. Mittlerweile rechnen die Helfer kaum noch mit Überlebenden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen unbekannt.

Köln, Stadtarchiv, historisches, Severinstraße, eingestürzt, Einsturz, Südstadt

Die Sorge des Oberbürgermeisters Fritz Schramma gilt den noch Verschütteten© Philipp Guelland/DDP

Nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs sind die Rettungsaktionen für die Vermissten am Mittwoch fortgesetzt worden. Die Chance, sie lebend zu finden, ginge wegen der schwierigen Bedingungen eher gegen null, sagte ein Feuerwehrsprecher. "Aber wir arbeiten mit Hochdruck daran." Die Retter suchten nach wie vor mindestens zwei Menschen. "Wir gehen zurzeit von zwei vermissten männlichen Personen aus", so der Sprecher. Bei ihnen handele es sich um Bewohner von Dachgeschosswohnungen in einem der eingestürzten Nachbargebäude. Zudem gingen sie Zeugenaussagen nach, denen zufolge sich ein Auto beim Einsturz unmittelbar vor dem Gebäude befunden haben soll.

Die Kölner Staatsanwaltschaft hat inzwischen ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. "Wir gehen dem Verdacht der Baugefährdung und der fahrlässigen Körperverletzung nach", sagte Oberstaatsanwalt Günther Feld auf Anfrage. Die Ermittlungen richteten sich zunächst gegen unbekannt. Eine Vertreterin der Staatsanwaltschaft habe sich bereits am Unglücksort ein Bild von der Lage gemacht und im Einsatzstab des Kölner Polizeipräsidiums mitgewirkt.

Der Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma stellte den weiteren U-Bahn-Bau in der Stadt infrage. Ein Zusammenhang des Unglücks mit der nahen Baustelle sei zu vermuten - nun müsse entschieden werden, ob U-Bahn-Bau in dicht bevölkerten Städten überhaupt noch möglich sei. "Für mich wird das jedenfalls zusehends zu einem Problem." Es könne nicht sein, dass dadurch Menschen gefährdet würden. Feuerwehr und Rettungsdienst waren weiter mit mehr als 200 Rettungskräften vor Ort.

Grundsätzlich stelle sich die Frage, so Schramma, "ob man solche Erdmassen unter einer gewachsenen, bewohnten und belebten Stadt wegreißt, wie das Köln nun mal seit 2000 Jahren ist. Dass das nicht ohne Konsequenzen bleibt, das haben wir jetzt an mehreren Stellen gesehen", fügte er im Sender N24 hinzu. Für die Politik sei dies Grund genug, darüber nachzudenken, "ob man solche Vorhaben in Zukunft überhaupt noch einmal starten kann".

Wegen der Einsturzgefahr konnten die Rettungskräfte am Vormittag immer noch nicht an die unmittelbare Unglücksstelle vordringen. Durch das Wegbrechen des Bürgersteigs vor dem Gebäude war Erdreich in die dortige U-Bahn-Tunnelröhre eingedrungen. Vor Ort seien in der Nacht rund 1000 Kubikmeter Beton verfüllt worden, um den Untergrund zu stabilisieren, hieß es. Wegen der weiter großen Abrutschgefahr sollte dies am Mittwoch fortgesetzt werden.

Auch die Trümmerstelle selbst stellte nach Angaben der Stadt eine Gefahr für die Helfer dar. Von den Nachbargebäuden seien Teile der Dachkonstruktion und der Wohnetagen übrig geblieben, Teile drohten herabzufallen. Daher habe die Feuerwehr in der Nacht versucht, sich vom hinteren Teil des Geländes einen Zugang zu verschaffen und eine Rampe zu bauen, über die die Dächer abgetragen werden können. Hierzu hätten Garagengebäude abgerissen werden müssen, hieß es.

Ein Spezialbagger mit großer Reichweite soll am Vormittag eintreffen, um gefärdete Teile eines Nachbarhauses zu entfernen. Ein weiteres Haus sollte kurzfristig komplett abgerissen werden. Überdies ist geplant, über einem Teil des Schuttberges eine Wetterschutzfolie anzubringen. Derzeit würden Gegenstände aus anderen Teilen des Archivs geborgen, das unschätzbare historische Bestände beherbergte, sagte der Feuerwehrsprecher. Es gibt nach Angaben der Stadt einen Zugang zu einem weitgehend erhalten gebliebenen Anbau - dort lagere ein kleiner Teil der Dokumente. Diese würden jetzt gesichert.

Das vierstöckige Gebäude des Stadtarchivs war am Dienstagnachmittag innerhalb weniger Augenblicke eingestürzt. Auch zwei Nachbarhäuser stürzten zum Teil ein. Auslöser der Katastrophe waren möglicherweise U-Bahn-Bauarbeiten in unmittelbarer Nähe, die zu Absackungen geführt haben könnten.

Die Stadt erklärte am Mittwoch, zur Unglücksursache könnten weiter keine eindeutigen Aussagen getroffen werden. Unstrittig sei aber, dass sich im Untergrund vor dem Archiv "durch einen akuten drei- bis fünfminütigen Wasser- und Bodeneintritt in ein unterirdisches Gleiswechselbauwerk ein Erdkrater bildete". Diese Kraterbildung sei ursächlich für den Einsturz von Gebäudeteilen des Archivs und der benachbarten Gebäude gewesen.

Köln, Stadtarchiv, historisches, Severinstraße, eingestürzt, Einsturz, Südstadt

Das Gebiet um die Unglücksstelle blieb weiträumig abgesperrt, in den beiden benachbarten Gymnasien fand kein Unterricht statt. Die Nord-Süd-Fahrt, die Hauptverkehrsader der Stadt, wurde am Mittwoch in Teilen wieder freigegeben.

Stadtarchiv in Köln eingestürzt
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AP/DPA
 
 
KOMMENTARE (8 von 8)
 
Pixelschubser (05.03.2009, 08:19 Uhr)
@ Schakeline
Vielen Dank für diese Erläuterung. Wenn ich es nicht schon vorher gesagt hätte, hätte ich mich mit meinem Kommentar sicher als völlig unwissender Laie geoutet. Ich hab eben keine Ahnung von Bohrverfahren, ich freu mich schon, wenn die Bohrung in meiner Zimmerwand gelingt. Nichts desto trotz muss es hier massive Fehler gegeben haben, wenn in diesm Weichenbauwerk zum Nachgeben einer ganzen Wand geführt hat. aber lassen wir uns einfach überraschen, whrscheinlich werden die Schuldigen genausowenig gefunden, wie die beiden vermissten Opfer.
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Wenn das nicht mal peinlich ist...
Schakeline (04.03.2009, 19:30 Uhr)
Zum Schildvortriebverfahren
Dieses Verfahren, kurz umrissen, ist gerade für Lockersedimente konzipiert. Das heist für die meisten Alpenregionen völlig abwegig.
Zur Technik dabei (vereinfacht): Vor dem Bohrkopf wird unter hohem Druck Spezialbeton injiziert, der sehr schnell aushärtet. Der Bohrkopf bohrt dan praktisch seine Röhre in dem Betonklotz. Hinter der Vortriebmaschine werden automatisch Betonröhrenteile eingesetzt und hinter diese ebenfalls Beton injiziert. Die Maschine drückt sich dann von diesen Besonsekmenten in Vortriebsrichtung. Problematisch ist allerdings die geologische Vorerkundung, die sollte Sandschmitzen und Wasserlinsen erkennen, da das Bohren und das Betoneinpressen abwechselnd erfolgen muss und das unter Umständen, im falschen Moment gemacht, zu Problemen führen kann.
Zum Beispiel in Leipzig wird dieses Verfahren in zu Köln vergleichbarem Untergrund angewendet. Dort funktioniert es einigermaßen (bisher).
In Köln muss das Problem aber anders liegen, da die Bohrmaschine sich ja nicht im Bereich des Erdfalls befunden hat.
kralli19 (04.03.2009, 14:59 Uhr)
Fähig ?
Ich stelle mir gerade die Frage, ob dort vielleicht die gleichen fähigen Planer am Werk sind wie z.B. in Bremerhaven, wo Architekten und Bauplaner nicht in der Lage sind, auch nur eine Brücke vernünftig zu bauen oder Statiken vernünftig zu berechnen. Von der Finanzplanung will ich hier mal gar nicht erst anfangen...
bruddy (04.03.2009, 14:58 Uhr)
Ermittlungen gegen UNBEKANNT
"Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen unbekannt."
Wieso unbekannt? Keiner kennt die Verantwortlichen in der Stadtverwaltung, den Verkehrsbetrieben, es gibt keinen Projektleiter, die Sachverständigen sind unbekannt (verzogen),die beteiligten Baufirmen und Subunternehmen haben keine Geschäftsleitung? Schuld ist sicher dan jener Arbeiter, der als letzter den Paten in der Hand hatte - armes Deutschland pfui Teufel!!!!
Vincent_Vega (04.03.2009, 14:44 Uhr)
Meinetwegen sollen sie die U-Bahn weiterbauen, aber...
diesmal bitte unter Berücksichtigung des Bodens. Wenn die alten Preußen vor über 250 Jahren es schafften, auf sandigem Bodem Großbauten zu errichten, müsste es doch im 21.Jahrhundert doch möglich sein, eine U-Bahn zu bauen, ohne das Kirchen und Häuser einstürzen. Ich bin zwar kein Historiker was U-Bahnen angeht, aber da dies ja nicht die einzige U-Bahn in Köln bzw. speziell in unmittelbarer Umgebung des Unglücksortes ist müsste man doch genug Erfahrung haben, uum U-Bahnen zu bauen, OHNE das solche Unglücke passieren.
Hinweis: ich fur früher bis vor drei Jahren mit der Linie 16 von Rodenkirchen bis zum Neumarkt, um von dort weiterzufahren; oberhalb der Unglücksstraße verläuft eine Trasse mit zwei Linien und mehrere andere Linien gehen vor der Station "Poststraße" unter die Erde so dass en Großteil der Linien, welche die Linie Hauptbahnhof / Neumarkt passieren, bereits wirkliche Untergrundbahnen.
mariong (04.03.2009, 13:47 Uhr)
zu spät
diese Gedanken hätte sich OB Schramma mal vor 5-6 Jahren machen sollen. Bis dato war er doch einer der eifrigsten Verfechter dieses U-bahnbaus. Egal ob die Kosten explodierten oder Schäden an Gebäuden entstanden, Herr Schramma wollte diesen Tunnel. Und jetzt stellt er den weiteren U-Bahn-Bau in der Stadt infrage. Mit der Milliarde hätte man viel Gutes in der Stadt tun können.
Pixelschubser (04.03.2009, 13:18 Uhr)
Preisfrage
Schildvortriebverfahren oder nicht - war es eine Preisfrage?
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Ich bin kein Tunnelbauer oder sonst soetwas Artverwandtes, aber ich kann mir vorstellen, dass die in den Alpen sicher geniale Technik im Zentrum einer Großstadt entweder zu kompliziert, zu groß oder schlicht zu teuer war.
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Ich glaube aber auch nicht wirklich daran, dass die eingesetzte Technik das Problem war. Die Altstadt von Köln steht auf einem aufgeschwemmten Sand-Kies-Gemisch, das der Rhein dort abgelagert hat, es handelt sich also nicht um festes, verdichtetes Erdreich oder gar Felsen. Jeder, der schon mal an der Nordsee versucht hat, eine Sandburg zu bauen, weiß, wie problematisch solch ein feuchtes Material ist - das rutscht und bröckelt an allen Ecken und Enden.
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Ich stelle hier also nicht so sehr die verwendete Technik in Frage - die war sicher nicht völlig verkehrt - ich stelle aber in Frage, ob man da überhaupt hätte solch ein Bauwerk (Tunnel) hätte errichten dürfen. Aber wie gesagt: ich bin da leider nur ein Laie, leider in keinster weise kompetent.
you_me_2 (04.03.2009, 12:56 Uhr)
Schon seltsam..
In Köln wird ein U-Bahntunnel gebohrt, schon stehen die Kirchtürme schief und die halbe Stadt fällt zusammen. Woanders werden im Schildvortriebverfahren Tunnel gebuddelt, bis der Arzt kommt und nix passiert.
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