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9. Mai 2011, 07:02 Uhr

Polizei rammt Taximörder vom Fahrrad

Es war eine spektakuläre, aber kurze Flucht: Trotz Fußfessel entkam der Taximörder vom Bodensee aus einer Psychiatrie bei Heidelberg. Die Polizei suchte mit einem Großaufgebot nach ihm. Dann schnappte sie ihn - nur wenige Kilometer entfernt sorglos auf einem Fahrrad.

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Polizeikontrolle in Wiesloch - auf der Suche nach den Taximörder© Uli Deck/DPA

Gut einen Tag nach seiner Flucht aus einer geschlossenen Psychiatrie ist der Taximörder vom Bodensee wieder hinter Schloss und Riegel. Die Polizei fasste den 29-Jährigen Andrej W. am späten Sonntagabend in Zuzenhausen im Rhein-Neckar-Kreis – nur rund zehn Kilometer entfernt von seinem Ausbruchsort.

Zivilpolizisten erkannten ihn auf einem Fahrrad und stellten ihn nach kurzer Verfolgungsjagd, teilte das Landeskriminalamt am Montagmorgen in Stuttgart mit. Der zu lebenslanger Haft verurteilte Straftäter war am Samstag aus dem Hochsicherheitstrakt einer geschlossenen Psychiatrie in Wiesloch bei Heidelberg ausgebrochen, obwohl er an den Füßen gefesselt war.

Andrej W. leicht verletzt

Nach Polizeiangaben verletzte sich Andrej W. während der Flucht leicht und wurde zunächst unter strenger polizeilicher Bewachung in einer Heidelberger Klinik untersucht. Gegen 2 Uhr war er schließlich wieder in der psychiatrischen Klinik.

Vor knapp einem Jahr hatte der Mann eine Taxifahrerin am Bodensee umgebracht. Eine weitere vergewaltigte und verletzte er schwer. Wegen erheblich verminderter Schuldfähigkeit wurde er im Psychiatrischen Zentrum Nordbaden (PZN) untergebracht. Weil der jungenhaft wirkende 29-Jährige als extrem gewaltbereit gilt, hatten für ihn höchste Sicherheitsmaßnahmen gegolten.

Trotz Hinweisen von Bürgern war die Suche nach dem 29-Jährigen zunächst erfolglos geblieben. 50 Beamte waren am Sonntag rund um Wiesloch im Einsatz - unterstützt von Hubschraubern, Wärmebildkameras und Hunden. Die Suche in der Region war schwierig, weil großflächige Waldgebiete zahlreiche Verstecke bieten.

W. mit dem Polizeiauto gerammt

Zwei Zivilpolizisten entdeckten Andrej W. schließlich gegen 22.35 Uhr an einer Straße sorglos auf einem gestohlenen Rad radelnd. Zwar misslang zunächst der Versuch, ihm den Weg abzuschneiden. Nach kurzer Verfolgungsjagd rammten ihn die Beamten dann mit dem Auto und nahmen ihn fest.

Wie der Schwerverbrecher während seines Einzelhofgangs trotz Fußfessel und Videoüberwachung entwischen konnte, ist zwar noch nicht abschließend geklärt. Die Ermittlern gehen aber davon aus, dass Andrej W. mit Hilfe einer ausgehängten Toilettentür die vier Meter hohe Mauer emporgeklettert ist. Eine zweite, rund fünf Meter hohe und mit Stacheldraht gesicherte Mauer soll er dann an einer Stelle überwunden haben, an der gerade Bauarbeiten stattfanden. Ungelöst blieb weiterhin, wie er die Fußfessel ohne nötiges spezielles Wissen geöffnet hat. Die Ermittler glauben nicht an einen Helfer.

Professionelle Flucht

Nach Angaben von Polizeisprecher Harald Kurzer war der 29-Jährige auf seiner Flucht sehr professionell vorgegangen. So habe er auf der Suche nach Essen und neuer Kleidung sechs Gartenlauben im wenige Kilometer entfernten Baiertal aufgebrochen. Nach den Angaben eines Polizeisprechers hatten Suchhunde seine Spur dort gewittert, aber wieder verloren.

Anfang Februar war Andrej W. wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Ein Gutachter hatte ihm schwere Persönlichkeitsstörungen, darunter krankhafte Sexualvorstellungen und Nekrophilie, bescheinigt. Unter Nekrophilie versteht man die Neigung, sich an einer Leiche sexuell zu befriedigen. Der 29-Jährige hatte zugegeben, dass er beide Frauen töten und anschließend vergewaltigen wollten.

Julian Mieth/DPA
 
 
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