Was sich im Jugendschutz ändern muss

7. Dezember 2007, 11:35 Uhr

Darry, Plauen, Schwerin: Die schrecklichen Meldungen über getötete oder vernachlässigte Kinder schockieren Deutschland. Doch was läuft schief? stern.de sprach mit Experten über Probleme und Lösungsansätze. Klar ist: Es müssen sich vor allem Strukturen in der Jugendhilfe ändern. Und auch die Eltern müssen härter angefasst werden. Von Claudia Wüstenhagen

Die Betreuung von Familien muss verbessert werden, fordern Experten©

Ihre Schicksale reihen sich ein in eine Serie schrecklicher Todesfälle. Bevor die Babyleichen in Plauen und die fünf toten Jungen in Darry gefunden wurden, sorgte der Hungertod der kleinen Lea-Sophie aus Schwerin für Entsetzen, ebenso wie der Fall von Kevin aus Bremen im vergangenen Jahr. Sie alle haben eines gemeinsam: Sie fanden den Tod dort, wo sich Kinder am sichersten fühlen sollten, zu Hause in der Familie. Ihre Fälle sind die dramatischen Geschichten, die es in die Schlagzeilen schaffen. Klar scheint jedoch, dass etliche Kinder in Deutschland im eigenen Zuhause Schlimmes erleben. Schätzungen gehen davon aus, dass deutschlandweit bis zu zehn Prozent der Kinder bis sechs Jahre von ihren Eltern vernachlässigt werden.

Seit dem Märtyrium des zweijährigen Kevin, dessen Körper 24 Knochenbrüche aufwies, als man ihn tot im Kühlschrank seines Ziehvaters fand, stehen vor allem die Jugendämter in Deutschland in der Kritik. Viele Behörden scheinen der Herausforderung nicht gewachsen, der großen Zahl "völlig erziehungsunfähiger Eltern" zu begegnen, sagt Georg Ehrmann, Vorstandsvorsitzender des Vereins Deutsche Kinderhilfe Direkt. Zu oft, meint er, würden verantwortungslose Eltern Schlupflöcher finden. Er fordert daher eine "Qualitätsoffensive".

Seiner Ansicht nach sei es in einigen Fällen notwendig, härter durchzugreifen, zum Beispiel den Eltern konsequenter finanzielle Mittel zu streichen, wenn sie Forderungen des Amtes nicht erfüllen. Mit freiwilligen Hilfsangeboten sei es nicht immer getan. Doch wer durchgreifen will, braucht auch genug Mitarbeiter. Gerade daran mangelt es aber häufig. Wo mehr Kapazitäten gebraucht werden, ist in den vergangenen Jahren die Personaldecke oft sogar ausgedünnt worden. Damit nicht genug: Ein steigender Verwaltungsaufwand hält viele Mitarbeiter am Schreibtisch fest, wo sie sich mit immer mehr Formularen herumschlagen müssen. "Viele Mitarbeiter sehen die Kinder gar nicht mehr persönlich, weil sie die Fälle vom Schreibtisch aus bewerten", sagt Ehrmann.

"Jugendhilfe muss 24 Stunden am Tag erfolgen"

Schuld daran trägt jedoch nicht nur der Personalmangel. Der deutsche Kinderschutz krankt nicht bloß an finanziellen Schwächen. Hinzukommen Strukturprobleme. "Jugendhilfe muss 24 Stunden am Tag, sieben Tage in der Woche erfolgen", sagt Ehrmann. Als Behörde mit Arbeitszeiten von acht bis 17 Uhr sei das Jugendamt dazu kaum in der Lage. Auch an den Wochenenden, an denen die Statistik die höchste Zahl von Gewaltdelikten verzeichnet, sind die Jugendämter unbesetzt.

Ehrmann ist überzeugt: "Die freien Träger sind viel eher in der Lage, Gefahren zu erkennen, weil sie näher dran sind." Zwar gibt es in manchen Kommunen bereits Vereinbarungen darüber, dass private Kinder- und Jugendhilfeträger nach Behördendienstschluss die Verantwortung übernehmen. Deutschlandweit sei das aber nicht die Regel. Ehrmann geht sogar einen Schritt weiter und fordert, dass die Jugendämter Kompetenzen abgeben sollten. Es sei verfehlt, wenn sie ihre Zeit beispielsweise damit verbringen müssten, einer Problemfamilie einen Esstisch zu besorgen, damit diese ihre Mahlzeiten im Sitzen einnehmen kann. Das könnten freie Träger übernehmen oder geschulte Ehrenämtler, wie sie zum Beispiel in Hessen zum Einsatz kommen.

Selbst die Aufgabe, gefährdete Kinder aus den Familien zu holen, könnten freie Träger stärker übernehmen. "Die Jugendämter sollen das machen, was sie am besten können", sagt Ehrmann und meint damit: koordinieren, überwachen, Qualitätsstandards setzen. Ob sich das durchsetzen lässt, ist eine andere Frage. Nicht jedes Jugendamt wolle seine Kompetenzen abgeben. "Das sind echte Konkurrenzsituationen", sagt Ehrmann.

Seiner Vorstellung nach könnte die ideale Jugendbehörde Träger beaufsichtigen und selbst zum Einsatz kommen, wenn es um spezielle Hilfeleistungen gehe, beispielsweise um den Drogenentzug einer Mutter. Eine weitere wichtige Aufgabe des Jugendamtes könnte darin liegen, unterschiedliche Institutionen besser miteinander zu vernetzen. Damit alle Stellen, die zu einer Problemfamilie Kontakt haben, in den Fall einbezogen werden, könnten die Behörden etwa den Datenaustausch mit Kinderkliniken und Schuldnerberatung verbessern.

Unkoordiniertes Nebeneinander vieler Institutionen

"Im Augenblick arbeiten viele Institutionen völlig unkoordiniert nebeneinander her", sagt Ehrmann. Damit muss Schluss sein, will man potenzielle Täter und Opfer frühzeitig identifizieren. "Wir müssen in die Brennpunkte reingehen und die Familien finden", sagt er. Allerdings stoßen die Jugendämter hier an ihre Grenze. Allein sind sie dieser Aufgabe nicht gewachsen. Wer ihnen voreilig Versagen vorwirft, übersieht häufig eines: "Wenn dem Jugendamt keine Information darüber vorliegen, dass das Wohl eines Kindes in seiner Familie gefährdet ist, kann es nicht handeln", sagt Sabine Herzig vom Informationszentrum Kindesmisshandlung/Kindesvernachlässigung (IzKK). Auch Marc Kinert, Sprecher des Bundesfamilienministeriums, betont: "Man kann auf keinen Fall den Jugendämtern allein den Schwarzen Peter zuschieben."

So hängt die Verbesserung des deutschen Kinderschutzes an einer effektiven Verzahnung vieler Akteure, dazu gehören auch Gesundheitsämter und Geburtskliniken. Im Idealfall würde schon die aufmerksame Hebamme dem Jugendamt einen Tipp geben, wenn sie den Eindruck hat, eine Mutter sei mit ihrem Kind überfordert. Solches Engagement gibt es mancherorts schon, wie etwa das Hebammenprojekt Maja in Bayern. Flächendeckend funktioniere die Frühwarn-Maschinerie aber noch nicht, sagt Kinert.

Um das Nebeneinander zu beenden und die einzelnen Akteure zu einem engmaschigen Netz zu verweben, haben die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) und das Deutsche Jugendinstitut im Frühjahr das Nationale Zentrum Frühe Hilfen gegründet. Es ist unter anderem als Anlaufstelle für Gemeinden gedacht, die wissen wollen, wie sie Gesundheitsfürsorge und Jugendschutz besser vernetzen können. "Dadurch muss nicht jede Kommune das Rad neu erfinden", sagt Kinert. Ehrmann hält das Zentrum für einen richtigen Ansatz, befürchtet aber, dass es nicht mehr als "ein Tropfen auf den heißen Stein" sei. Vor allem weil es sich dabei um ein vom Bund finanziertes Modellprojekt handele. Projekte dieser Art würden häufig wieder eingestellt, wenn der Förderzeitraum ende.

Ist die Zahl der Kindstötungen in Deutschland gestiegen?

Nein. "Insgesamt ist die innerfamiliäre Gewalt zurückgegangen. Aber die öffentliche Sensibilität ist angestiegen", sagte Kriminologe Christian Pfeiffer gegenüber der Nachrichtenagentur AP. Er leitet ein Projekt, in dem untersucht wird, warum junge Eltern und vor allem junge Mütter überhaupt die eigenen Kinder umbringen oder unversorgt lassen, so dass sie sterben. Rund 100 Kinder unter sechs Jahren sterben pro Jahr durch Tötung oder Vernachlässigung der Eltern. Pro 100.000 Kinder in der Altersgruppe ist das kein Anstieg, wie Pfeiffer betont.

Gibt es in Ostdeutschland mehr Fälle?

Für Kinder unter sechs Jahren, die in den neuen Bundesländern leben, ist das Risiko, von ihren eigenen Eltern getötet zu werden, doppelt so hoch wie in Westdeutschland. Das sagt Christian Pfeiffer, Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachen. Seiner Ansicht nach kommen in Ostdeutschland vor allem zwei wichtige Risikofaktoren zusammen: Durch die hohe Arbeitslosigkeit sei die soziale Not deutlich größer als im Westen. Außerdem lebten viele Menschen isoliert. Soziale Netzwerke würden zerstört, weil immer mehr Leute aus den neuen Bundesländern wegziehen. Etliche Wohnungen stehen leer - viele überforderte Eltern dürften es dadurch schwer haben, Rat und Hilfe bei Familienmitgliedern, Freunden oder Nachbarn zu finden. "Da breitet sich Depression aus", sagt Pfeiffer. Das soziale Kapital in Deutschland sei ungleich verteilt.

Was können Jugendämter eigentlich tun?

Fast jedes Mal, wenn die Medien über Kinder berichten, die von ihren Eltern misshandelt oder gar getötet wurden, geraten schnell die Jugendämter in die Kritik. Dabei haben die Behörden nicht immer in die Möglichkeit, solche grausamen Taten zu verhindern. "Wenn dem Jugendamt keine Informationen darüber vorliegen, dass das Wohl eines Kindes in seiner Familie gefährdet ist, kann es nicht handeln", sagt Sabine Herzig vom Informationszentrum Kindesmisshandlung/Kindesvernachlässigung (IzKK). Hinweise von anderen seien unerlässlich.

Sobald es einen solchen Hinweis gibt, haben die Mitarbeiter des Amts jedoch die Pflicht, diesen umgehend zu prüfen. Dafür können sie beispielsweise Hausbesuche machen oder Familien zum Gespräch einladen. Reicht das nicht aus, beleuchten sie auch das weitere Umfeld, fragen also etwa an Schulen oder bei Nachbarn nach.

Alle Indizien und mögliche Maßnahmen diskutieren die Mitarbeiter im Team. "In erster Linie geht es darum, die Familie zu unterstützen, sie kompetent zu machen, damit das Kind bei ihnen aufwachsen kann", sagt Herzig. Besteht eine akute die Gefährdung, schalten die Jugendamtmitarbeiter im Bedarfsfall das Familiengericht ein, das dann darüber entscheidet, ob ein Kind aus seiner Familie geholt werden muss. Eine akute Gefährdung, so Herzig, liege beispielsweise dann vor, wenn ein Kind stark unterernährt sei oder wenn zu befürchten sei, dass es von seinen Eltern schwer misshandelt werden könnten. In besonders dringenden Fällen, wenn die Entscheidung des Gerichts nicht abgewartet werden kann, ist das Jugendamt sogar dazu verpflichtet, das Kind sofort aus der Familie zu holen.

Um in solchen Fällen schnell handeln zu können, gibt es zum Beispiel eine sogenannte "familiäre Bereitschaftsbetreuung", in der Kinder vorübergehend unterkommen können, bevor sie später beispielsweise bei anderen Familienmitgliedern, in Pflegefamilien oder in Heimen leben.

Wo gibt es Verbesserungsbedarf?

Geht es um die Probleme von Jugendämtern, ist oft von Sparzwängen der Kommunen und dünnen Personaldecken die Rede. Tatsächlich gibt es aber auch strukturelle Probleme. "Man kann auf keinen Fall allein den Jugendämtern den schwarzen Peter zuschieben", sagt Marc Kinert, Sprecher des Bundesfamilienministeriums. Vielmehr gebe es ein Miteinander vieler Akteure. Neben Jugendämtern spielen auch die Gesundheitsämter und Geburtskliniken eine wichtige Rolle, ebenso wie Schulen oder Kindertagesstätten. Um gefährdete Kinder frühzeitig zu indentifizieren, müssen diese Institutionen gut kooperieren, sagt Sabine Herzig vom Informationszentrum Kindesmisshandlung/Kindesvernachlässigung (IzKK). Idealerweise würden beispielsweise schon Hebammen dem Jugendamt einen Tipp geben, wenn ihnen junge Mütter überfordert erschienen.

Was kann der Bund tun?

Kinder- und Jugendschutz ist Sache der Kommunen. Wegen der föderalen Struktur Deutschlands hat der Bund hier keinerlei Weisungsfunktion. Auch finanzielle Zuweisungen an die Jugendämter sind nicht möglich. "Der Bund kann lediglich Modellprojekte fördern", sagt Marc Kinert, Sprecher des Bundesfamilienministeriums. Ein solches Projekt ist beispielsweise das "Nationale Zentrum Frühe Hilfen", das die Kooperation zwischen den einzelnen Institutionen wie Gesundheits- und Jugendämtern verbessern soll. Auch der Ausbau der Kinderbetreuung, so Kinert, könne ein Beitrag sein, um überforderten Eltern zu helfen.

Bringen Pflichtuntersuchungen etwas?

Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen spricht sich für verpflichtende Vorsorge-Untersuchungen für Kinder aus. Im Saarland werden seit dem Frühjahr 2007 alle Eltern zu Untersuchungen bei Kinderärzten eingeladen. Falls Eltern auf zwei Mahnungen nicht reagieren, kommen Mitarbeiter des Jugendamts vorbei. Der Kriminologe Christian Pfeiffer etwa ist gegen eine verpflichtende Vorsorgeuntersuchung. "Freiwilligkeit ist immer besser. Alles mit Kontrolle und Druck erreichen zu wollen, ist der falsche Weg", sagte Pfeiffer Man. könne nicht rund um die Uhr neben einer nicht motivierten Mutter sitzen und schauen, dass sie alles richtig mache. Ähnlich die Ansicht des Bundesinnenministerium und des Bundesjustizministerium: Man könne nicht hundert Prozent der Eltern verdächtigen, ihre Kinder zu vernachlässigen, um einzelne vernachlässigte Kinder zu finden, heißt es unisono aus den beiden Behörden.

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KOMMENTARE (10 von 20)
 
Mule (08.12.2007, 15:36 Uhr)
Ende der Kuschelpädagogik
Nachdem sich nun im TV auch etliche "Fachleute" zu Wort melden durften, fällt mir dazu nur ein: weg mit der Kuschelpädagogik und wieder konkrete Richtlinien - der Schularzt sollte wieder eingeführt werden. Mir und meinen Klassenkameradinnen hat es auch nicht geschadet. Außerdem gibt es viele Menschen, die einen Leitfaden selbst für ihr tägliches Leben brauchen. Das fängt schon mit dem täglichen Aufstehen, anziehen, Essen zubereiten, hinaus gehen u.v.m. an. Ein wenig mehr Härte und Durchsetzung wäre schon sinnvoll. Kinder kann man auch nur mit geradlinigen Vorgaben - mit ab und zu geben - Zuneigung und Vertrauen führen und anleiten.
elllen (07.12.2007, 21:39 Uhr)
@hobob
Diesen Problem haben genau die Kinderärzte, die ja genau wissen, dass blaue Flecken zum Kinderalltag gehören. Sie hätten daher keine einfache Aufgabe, denn Missbrauch und Vernachlässigung lassen sich eben gar nicht so leicht erkennen. Zumal könnten Eltern in Vorbereitung auf die Untersuchung das Schlagen für eine Weile unterlassen....
elllen (07.12.2007, 21:30 Uhr)
Ja, Vertrauen schaffen...
Solange Eltern mit Problemen sich vor der Kontrolle des Jugendamtes fürchten (müssen), weil sie nicht helfen, sondern nur kontrollieren, kann man lange darauf warten, dass die Angebote angenommen werden. Erst wenn die Betroffenen frei über ihre Sorgen reden und auf Hilfe zählen können, wird man wirklich an sie herankommen. Sicherlich, man könnte sie zwingen, doch wird mancher vielleicht sogar auf Geld verzichten, um der Mühle zu entkommen. Nicht alle überforderten Eltern missachten ihre Kinder, manchen wissen einfach nicht weiter, trauen sich aber nicht, die Ämter zu kontaktieren aus oben beschriebenen Ängsten. Angst vor Kontrolle (und am Ende vor dem Verlieren der/s Kinder/s) und finanzielle Sorgen sind oft deren große Probleme. Hier sehe ich einen Ansatzpunkt. Da gäbe es aber viel zu tun, um die Mauern abzutragen. Sicherlich ist auch das Bildungsniveau der Leute dort ein Thema. Ein neues Denken muss her.
hohob (07.12.2007, 17:32 Uhr)
Überlegung zu den verpflichtenden Vorsorge-Untersuchungen
Ist es vielleicht besser die Kinder vor den Fernseher oder den Computer zu setzen und zu vernachlässigen, denn, spielen die Kinder viel Fußball und erscheinen mit vielen blauen Flecken zur Vorsorge-Untersuchungen werden die Eltern verdächtigt sie zu schlagen.
Zencoach (07.12.2007, 17:21 Uhr)
Feedback
Überwachung, Mittel streichen, Betroffenheit zeigen, härter durchgreifen....
Sind wir schon so abgestumpft, daß wir nicht erkennen können, worum es hier geht ?
Was fehlt ist Liebe und Aufmerksamkeit in unserer Gesellschaft !
Was fehlt, ist eine Vorbereitung auf Lebensabschnitte ! In sogenannten primitiven Kulturen gab es Einweihungen ins Frausein, Mannsein etc.
Familie wurde vorgelebt und damit ein "Sinnesorgan" für das Miteinander und Verantwortung geschaffen.
Unsere zivilisierte Gesellschaft lebt Vereinzelung, Ellenbogen einsetzen um andere zu verdrängen, Egozentrik, Konsum, Verachtung.... Die Liste darf gern erweitert werden..
Wie und wo soll da bei Menschen der Sinn für Verantwortung für das Potential unserer Zukunft, Kinder, und Achtung vor dem Leben entstehen ?
Wie zeigen es Filme immer wieder ? Was stört, wird beiseitegeschafft, ausgeschaltet...
Das Kinder Zeitaufwand und Verzicht bedeuten, eine andere Lebensausrichtung auf das "Wir" mit sich bringen, kann nur begreifen, wer selbst wahrgenommen und ernstgenommen wurde und wird.
Nehmen wir uns gegenseitig ernst ???
Oder sind wir alle nur Gegner ?
Kinder entstehen beim Sex. Welcher ( junge ) Mensch, geht mit einem Partner ins Bett und hat dabei im Sinn, eine Familie zu gründen, Verantwortung zu wollen, Verzicht zu üben etc. ?
Wenn dann ein Kind unterwegs oder bereits geboren ist, ist es eine Last in vielerlei Hinsicht.
Wie kann ein Mensch, der selbst noch unfertig ( gehalten worden ) ist ein Werdendes verstehen und ihm eine Hülle aus Zuwendung geben ?
Ein System, daß nur auf Geld=Geltung aufbaut sieht Kinder höchstens als Finanzfaktor.
Ein System, daß den Menschen meint, sieht diesen als Bereicherung !
ganzbaf (07.12.2007, 17:15 Uhr)
Unterschicht abschaffen...
...statt der Unterschicht "verbieten" Kinder zu bekommen.
Also Blödmacher-TV verbieten, Hauptschulen abschaffen, alle in Ausbilung und Brot bringen...
Das geht freilich nur mit Re-Umverteilung von Arbeit und Kapital.
Finnland und Schweden zeigt, wie es geht.
Hadern (07.12.2007, 15:43 Uhr)
Antwort auf Eisenbaer (7.12.2007, 13:48 Uhr)
Schon nicht schlecht der gedankliche Ansatz. Da die Kinderschwemme der Falschen wegen unserer Vergangenheit noch nicht einmal ansatzweise rational diskutiert werden kann und die Verzichteltern einschl. unserer Gleichgeschlechtlichen werden trotz finanzieller Anreize weiter wenig bis gar zeugen. Es bleibt also alles wie gehabt.
Wie wärs mit folgender Lösung: Kinder werden nur noch von Mandatsträgern direkt oder indirekt gezeugt (ggf. Aufbau einer Samenbank mit Gütesiegel) und dann zwangsweise (gesetzlich) der staatlichen Kinderfürsorge gleich nach der Geburt bis zur Einschulung zugeführt. Mehr Qualität geht nicht. Also: wer nicht kann oder nicht will, fällt der all umfassenden staatlichen Fürsorge anheim. Man sollte mal bei den Sozialisten nachfragen, wie so etwas praktisch verwirklicht werden könnte.
Herzlichst
Ignaz Hadern
MEuhus (07.12.2007, 15:08 Uhr)
Vorschlag
Meine Meinung dazu: Wie wäre es mit WENIGER Staat ?
Das Problem ist doch: wir haben uns fast kollektiv daran gewöhnt, daß uns irgendein Amt / Beamter / Versicherung / "Staat" die eigene Verantwortung abnimmt. Diese Art von (gutgemeinter aber paternalistischer / maternalistischer) Sozialpolitik macht zuviele Bürger passiv, und erzeugt so gerade die Unfähigkeit zur Eigeninitiative.
Vieleicht hätten sich mehr Nachbarn in diesem Fall engagiert, wenn es KEIN Jugendamt gegeben hätte ?
Und: Wenn man das Eltern-Sein generell problematisiert (z.B. in den Medien) werden sich immer weniger in diesen Zustand bringen wollen - Folge: Weniger Kinder, weniger Erfahrung mit Kindern, weniger Kompetenz im Umgang mit KIndern, Verschärfung der demographischen Entwicklung, sozialer und wirtschaftlicher Niedergang.
Trotz der schrecklichen Vorgänge - man muß das Eltern-Sein wieder attraktiv machen (vieleicht durch Angebot eines Erziehungsgehalt verbunden mit Pflicht zur Schulung/Beratung in Erziehungs-/Familien-/Haushaltsfragen), sonst bekommen wir die Probleme an der Front nicht in den Griff!
Tomrobert (07.12.2007, 15:05 Uhr)
Vertrauen schaffen
Es sollten Strukturen geschaffen werden, in welchen Familienvertrauens-personen regelmäßigen Kontakt zu allen Familien mit Kindern pflegen, um Vertrauen zu schaffen.Die Problemfamilien entwickeln Menchanismen ihre Probleme zu verstecken.Leute von Außerhalb, überwiegend sich als Amtsperson ausweisend,beißen da auf Granit und werden als gesellschaftlich Anrüchig gewertet weil die ja sowieso nur zu "Problemfamilien gehen".Wer will schon Problemfamilie sein.Für viele Kinder würde sich auch der Druck der in solchen Familien herrscht, etwas erleichtert und vor allem erkannt.Für manche Kinder ist nämlich das eigene Zuhause die Hölle!
le_roi (07.12.2007, 14:48 Uhr)
falsche system
meiner ansicht nach, wird gerade im moment eine politisch falsche weichenstellung durch die einführung des betreuungsgeldes gesetzt. von einigen kreisen als "wahlfreiheit" deklariert, hat dieses system die konsequenz, dass gerade bildungsschwache und finanziell ärmere familien ihre kinder zu hause lassen. somit ist eine soziale kontrolle/begleitung noch weniger möglich. grundsätzlich das völlig falsche politische signal. richtig wäre eine kostenfreie kinderbetreuung für alle mit einer professionellen interventionsmöglichkeit für "gefährdete familien". r.k. dipl.soz.päd./dipl.mediator
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