Empörung über Facebook-Video von Erschießung in Berlin

29. Juni 2013, 08:53 Uhr

Ein Facebook-Video zeigt den tödlichen Schuss auf einen nackten Mann in Berlin. Politiker sind empört. Solche Bilder müsse das Netzwerk entfernen. Geprüft wird, ob der Schütze in Notwehr handelte.

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Polizisten vor dem Berliner Neptunbrunnen. Hier erschoss ein Beamter am Freitag einen nackten Mann. Ein Facebook-Video von dem Vorfall empört Politiker.©

Ein Video im sozialen Online-Netzwerk Facebook, das die Erschießung eines Mannes in einem Berliner Brunnen zeigt, hat Kritik ausgelöst. Der CDU-Medienexperte und Unions-Fraktionsvize Michael Kretschmer sagte dem Nachrichtenmagazin "Focus": "So etwas darf nicht gepostet werden. Wenn es etwas gibt, wo Facebook sofort reagieren muss, damit die Bilder aus dem Netz genommen werden, dann sind das solche Fälle." Die Bilder seien "menschenverachtend".

Ähnlich äußerte sich laut "Focus" ein Sprecher von Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU): "Offenbar reichen die technischen Instrumente und die Teams, die Inhalte der Seiten angeblich rund um die Uhr prüfen, nicht aus." Ein Polizist hatte am Freitag einen Mann erschossen, der nackt im Berliner Neptunbrunnen vor dem Roten Rathaus gestanden und ihn offenbar mit einem Messer bedroht hatte.

Mit Messer herumgefuchtelt

Der Mann erlitt einen Lungendurchschuss und starb daran, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner. Dies habe die Obduktion ergeben. Zuvor soll der verwirrt wirkende Mann - nach ersten Erkenntnissen ein 31 Jahre alter Berliner - im Neptunbrunnen mit dem 20 Zentimeter langen Messer einen Polizisten angegriffen haben. Dieser habe ihn beruhigen und aus dem großen Brunnen herausholen wollen.

Der Mann, der am Morgen ohne Kleidung in dem Brunnen am nahen Dienstsitz von Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) gesichtet wurde, fuchtelte nach Angaben von Ermittlern zunächst mit dem gefährlichen Werkzeug herum. Eine Passantin lief daraufhin zu einem Wachposten am Roten Rathaus. Dieser alarmierte die Polizei.

Staatsanwaltschaft geht von Notwehr aus

Ein Funkwagen fuhr zu dem Brunnen. Als die Beamten eintrafen, stand der Mann noch immer im Wasser, stach auf sich selbst ein und blutete bereits aus mehreren Wunden. Das Areal mit Fernsehturm, Marienkirche und Brunnen ist ein Anziehungspunkt für Touristen.

Es spreche einiges für Notwehr des Beamten, sagte der Staatsanwaltschafts-Sprecher. Die genauen Umstände würden geprüft. Die Polizeipistole wurde sichergestellt. Wie immer in solchen Fällen wurde ein Ermittlungsverfahren gegen den Beamten eingeleitet. Dieser sowie sein Kollege wurden zunächst von Psychologen betreut.

Einer der Beamten war nach Darstellung der Behörden in den Brunnen gestiegen, der andere postierte sich davor. Zunächst hatte es bei der Polizei geheißen, der Kollege außerhalb des Brunnens habe geschossen, als der Messer-Mann auf den anderen Beamten losgehen wollte. Am Nachmittag teilte die Staatsanwaltschaft mit, der Polizist im Brunnen habe seine Waffe gezogen.

Rainer Wendt, Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, sagte, der Einsatz von Schusswaffen sei bei der Polizei die "absolute Ausnahmesituation". Selbst bei allem Training werde man sich darauf nie so vorbereiten können, dass man standardisiert einschreitet.

dho/DPA
 
 
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