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12. September 2006, 16:54 Uhr

Vor dem Film kommt das Leben

Natascha Kampusch, Medienstar: Das Schicksal der 18-Jährigen fesselt die Welt. 30 Filmangebote soll sie schon bekommen haben, dazu unzählige Buch- und Interviewanfragen. Bevor sich Hollywood ihrem Fall annimmt, will sie aber erstmal ihr "Leben planen".

TV-Auftritt im ORF: "Heuschreckenschwarm" aus Filmemachern, Finanzberatern und Verlagsagenten© DPA

Jetzt reißt sich auch Hollywood um das Schicksal der jahrelang gefangen gehaltenen Natascha Kampusch: Laut ihres Medienberaters Dietmar Ecker sind bereits "30 Anfragen großer, international bekannter Filmfirmen" eingegangen.

Damit nicht genug: Ein wahrer "Heuschreckenschwarm" aus Filmemachern, Finanzberatern und Verlagsagenten mache sich über die 18-Jährige her und versuche sich mit ihrer Hilfe die Geldbeutel vollmachen, so Ecker. Schätzungen zufolge könnte Natascha mit dem Verkauf der Buch- und Filmrechte bis zu 1,5 Millionen Euro einnehmen.

Wer nun den begehrten Kinostoff verfilmen darf und ob überhaupt, darüber hat Natascha Kampusch noch nicht entschieden. "Sie muss erst über ihre Lebensplanung nachdenken", sagte ihr Anwalt Gabriel Lansky. Auch er registriert eine "erstaunliche Menge" an internationalen Angeboten für die Verfilmung ihrer Lebensgeschichte. Das "enorme Interesse" sei aber wohl etwas zu früh, so der Jurist.

"Ich wünsche mir, dass sie jetzt in Frieden gelassen wird"

Dieser Meinung ist auch Nataschas Betreuerin Monika Pinterits: In einem Gespräch mit TV-Talker Reinhold Beckmann sagte sie: "Ich wünsche mir, dass sie jetzt in Frieden gelassen wird. Der Grat zwischen Interesse und Voyeurismus sei jedoch sehr schmal. "Ich sehe eine Gefahr darin, wenn die Öffentlichkeit jetzt sagt, sie ist so toll. Ich fürchte, dass sie zu einer Legende wird." Experten hatten Kampuschs TV-Auftritt als "verfrüht" kritisiert.

Abseits des Rummels ermittelt die österreichische Polizei weiter im Fall der entführten 18-Jährigen. Nach Angaben aus Wien ist die Suche nach kriminalistisch verwertbarem Material im Garten des Entführers Wolfgang Priklopil bisher ergebnislos verlaufen. "Sollte sich daran nicht in letzter Minute noch etwas ändern, können die Arbeiten noch heute abgeschlossen werden", sagte Polizeisprecher Gerhard Lang.

Die Polizei hatte Kampusch zugesagt, das Grundstück "schonend" zu durchsuchen. Als Entschädigung für die jahrelange Isolation in einem zwölf Quadratmeter großen "Verlies" in der Garage des Hauses hat Natascha Kampusch einen rechtlichen Anspruch auf das Gebäude angemeldet.

Aufgrund der großen Medienberichterstattung nimmt die Bevölkerung in Österreich Anteil an dem Schicksal der jungen Frau. Laut einer Umfrage können sich 65 Prozent mit dem Schicksal von Natascha Kampusch identifizieren. Zudem glaubt die Mehrheit der Befragten, dass die Medienberichterstattung, insbesondere das Interview im Fernsehen, durch Experten mitinszeniert wurde. 68 Prozent der Österreicher würden Natascha übrigens empfehlen, Experten und Medienrummel zu meiden.

nk/DPA
 
 
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