Briten rätseln über mysteriösen Brief zum Tod Dianas

19. August 2013, 13:30 Uhr

Kurz vor ihrem 16. Todestag gehen neue Gerüchte über ein angebliches Mordkomplott gegen Prinzessin Diana um. Im Fokus steht eine Spezialeinheit. Doch mancher Brite betrachtet das Ganze ironisch.

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Prinzessin Diana, Unfalltod Diana, Lady Di

Das zertrümmerte Fahrzeug, in dem Prinzessin Diana, ihr Begleiter Dodi al Fayed und der Fahrer in Paris ums Leben kamen. Der Unfall geschah am 31. August 1997.©

Beim sommerlichen Baby-Rummel im Hause Windsor fiel Dianas Name selten. Sie wäre wohl sehr stolz auf den kleinen George gewesen, würde sie noch leben, las man unter anderem in der britischen Presse. Im Großen und Ganzen rückte beim gespannten Warten auf das Royal Baby und dessen Geburt aber in den Hintergrund, dass der Thronfolger der erste Enkel der "Prinzessin der Herzen" gewesen wäre.

Doch kurz vor dem 16. Jahrestag ihres Unfalltods in Paris am 31. August 1997 ändert sich die Interessenlage der britischen Medien: Scotland Yard will "neue Informationen" zum Tod von Diana und ihrem damaligen Begleiter Dodi al Fayed prüfen, meldeten Zeitungen, Websites und Fernsehsender am Wochenende. Die "Sun" sprach davon, das Thema sei auf einen Schlag auf sensationelle Weise zurück im Rampenlicht.

Leckerli für Verschwörungstehoretiker

Die neuen Informationen klingen zumindest interessant. Aufgebracht wurden sie - darin ist sich die britische Presse einig - mit Hilfe der früheren Schwiegereltern eines ehemaligen Soldaten. Unter anderem gehe es um die Behauptung, Diana und ihre Begleiter seien von einem Mitglied des britischen Militärs getötet worden. Die neuen Details sollen auf abenteuerlichen Umwegen bekannt geworden sein, nämlich sozusagen als Beifang bei einem Prozess, der gar nichts mit dem Thema Diana zu tun hatte. Der damals Beschuldigte sei ein Mitbewohner jenes Ex-Soldaten gewesen - und über diese Verbindung sickerten dann die Informationen durch.

Laut einem Bericht der "Sunday People" soll dieser ehemalige Soldat damit "geprahlt" haben, die Eliteeinheit Special Air Services (SAS) sei für den "Tod von Prinzessin Diana verantwortlich". Dies hätten die früheren Schwiegereltern des Soldaten in einem Brief an die SAS-Führung geschrieben, der über die britische Militärpolizei an Scotland Yard weitergeleitet wurde. Die SAS, deren Aktionen als streng geheim gelten, ist unter anderem für spektakuläre Einsätze bei Geiselnahmen bekannt. Die britische Zeitung "Sunday Telegraph" berichtete, der frühere Soldat habe in der Vergangenheit davon gesprochen, dass die SAS Dianas Tod "arrangiert" und die wahren Hintergründe "vertuscht" habe.

Während Scotland Yard zum Inhalt des Schreibens Stillschweigen bewahrte, berichtete "Sunday People" außerdem, in dem Brief sei auch von einem "geheimen Tagebuch" Dianas die Rede.

Späte Rache gegen ehemaligen Schwiegersohn?

Angeblich sollen sich die Schwiegereltern in dem Brief auch über das Verhalten des Soldaten gegenüber seiner Ex-Frau beschweren. Das könnte bedeuten, dass sie ihn nicht mögen - und ihm alles Mögliche zutrauen.

Im Königshaus wurde die Nachricht zu möglicherweise neuen Erkenntnissen vorbeugend mit der Erklärung abgetan, weder Prinz William noch Harry - die beiden Söhne Dianas - würden sich dazu äußern. Dagegen freute sich Mohammed al Fayed, der ehemalige Harrods-Besitzer und Vater von Dodi, auf ein "forsches Vorgehen" der Polizei. Der 84-jährige Multimillionär hatte 2008 seinen jahrelangen Kampf um Gehör für seinen Standpunkt aufgegeben, dass Diana und sein Sohn unter Mithilfe des britischen Geheimdienstes "ermordet" worden waren. "Ich überlasse es jetzt dem lieben Gott, Vergeltung zu bekommen", sagte er. Nicht nur für ihn dürfte es sehr spannend werden, wie Scotland Yard den Fall bewertet.

Die neue Entwicklung dürfte die diversen Verschwörungstheorien um die Vorgänge im Pariser Pont de l'Alma Tunnel am letzten Tag des August 1997 neu entfachen. Die britischen Boulevard-Zeitungen "The Sun" und "Mirror" sprachen schon am Sonntag von "sensationellen" Enthüllungen, während die "Sunday Times" sie als "bizarr" abtat. Der "Daily Telegraph" zitierte am Montag einen früheren Sprecher der Queen - also der ehemaligen Schwiegermutter Dianas - mit der Aussage, solche Meldungen kehrten alljährlich vor Dianas Todestag wieder. Und auch die "Sunday People" zitierte am Montag den früheren Chef von Dianas Leibwächtern mit der Aussage, die neuen Gerüchte seien völliger Unsinn. "Mir ist völlig schleierhaft, wie irgendeine neue Information zu irgendeinem anderen Schluss kommen sollte als zu dem, dass es ein tragischer Unfall war", sagte Colonel Tim Collins dem Blatt.

Ironische Kommentare

Die britische Polizei betont, die zahlreichen Untersuchungen zum Tod von Lady Di würden nicht neu aufgerollt. Diese kamen schon vor Jahren zu dem Schluss, dass Diana und ihr Begleiter auf der Flucht vor Fotografen und durch die "grobe Fahrlässigkeit" ihres Fahrers verunglückten. Chauffeur Henri Paul war demnach mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs, um hartnäckige Fotografen abzuschütteln. Sein Blutalkoholwert betrug mehr als das Dreifache des zulässigen Grenzwerts.

Die Briten sind im Laufe der Jahre gelassener in Bezug auf das Thema Diana geworden. In den sozialen Medien Großbritanniens gehörte es am Montag nicht zu den wichtigsten Nachrichten. Im Kurznachrichtendienst Twitter beispielsweise wurde es zwar diskutiert, die Debatte war aber nicht besonders leidenschaftlich. "Ist es nicht einfach mal Zeit, diese Verschwörungstheorien um Diana ein für alle Mal zu beenden", fragte beispielsweise die Seite "The Duchess Diary", die sich eigentlich - wie viele Briten heutzutage - viel lieber mit dem Thema Kate beschäftigen. Andere finden die Nachricht spannend und gaben sie weiter, mehr aber auch nicht.

Leser des "Mirror" fragen in Kommentaren zu der Geschichte, ob man den Söhnen Dianas nicht ein bisschen mehr Privatsphäre in dieser Sache gönnen solle. Einer meinte, die Royals steckten ohnehin seit Jahrhunderten mit dem Teufel im Bunde. Und ein anderer fragte ironisch, bedeute die Nachricht, der Fahrer habe sich extra betrunken, und normalerweise sei Diana nie von Paparazzi verfolgt worden?

Ironie beim Thema Diana? Knapp 16 Jahre nach ihrem Tod ist auch das kein Tabu mehr.

anb/DPA/Reuters/AFP
 
 
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