"Get the fuck out of here"

7. September 2005, 18:12 Uhr

In New Orleans hausen Flüchtlinge inmitten von Müll, Exkrementen und Essensresten. Alligatoren werden in die Stadt gespült. Mehrere Reporter-Teams des stern sind in der versunkenen Stadt unterwegs - an Arbeit ist dabei nicht immer zu denken.

Ein Alligator in der Kirche: Die "Swamp Critters" sind eine zusätzliche Gefahr©

Mit Rangern, denen sie beim Evakuieren halfen, kamen stern-Reporter Marc Goergen und Fotograf Q Sakamaki nach New Orleans hinein. Schon auf den Highway-Brücken außerhalb des Superdomes schlug ihnen der Gestank von Müll und Urin entgegen. Doch als sie schließlich das hüfthohe Wasser zum Dome durchwatet hatten und durch die Parkdecks vorbei an den Kontrollen der US-Militärpolizei nach oben gelangt waren, stockte ihnen der Atem: "Es war entsetzlich", sagt Goergen, "die Flüchtlinge hausten auf der Freifläche vor der Arena inmitten von Bergen aus Müll, Exkrementen und Essensresten. Man musste aufpassen, auf dem schleimigen Pflaster nicht auszurutschen. Kaum begannen wir, uns mit den Evakuierten zu unterhalten, zogen uns schon Jugendliche auf die Rückseite des Gebäudes, um uns im Wasser die Leiche einer Frau zu zeigen."

Als Jan Christoph Wiechmann und Fotograf David Rochkind nach Anbruch der Dunkelheit noch in einer Armengegend unterwegs waren, drängte sie ein Polizeiwagen von der Fahrbahn ab. Die Polizisten sprangen heraus, schossen in die Luft und schrieen: "Get your fucking hands up!" Wiechmann: "Sie pressten uns auf die Motorhaube, die Beine mussten wir spreizen, wie in einem schlechten Hollywoodfilm, und erst als sie den Presseausweis sahen, schienen sie beruhigt. Aber nicht gerade freundlicher: 'Deutschland, eh? What the fuck are you doing here? Get the fuck out of here.'"

Jan Wiechman und David Rochkind (r.) mit den Team der Wildlife Enforcement Agency©

Am selben Tag begleiteten die stern-Teams die Rangers der Wildlife Enforcement Agency von Louisiana bei ihrem Rettungseinsatz mit dem Schnellboot. Es war die einzige Möglichkeit, in einige entlegene Krisengebiete im Osten von New Orleans vorzustoßen. "Die Ranger hatten uns nur unter der Bedingung mitgenommen, dass wir auch helfen. Und so kam es dann auch. Wir haben die Alten, die seit fünf Tagen dort ausharrten, in Rollstühlen aus einem Altenheim herausgeholt und Schwerbehinderte aus dem 15. Stock ins Boot getragen. Auf den Fluren lagen Leichen, manche schon seit Tagen. An journalistisches Arbeiten war in diesen Stunden kaum zu denken. Wenn du das Elend und die Verzweiflung siehst, willst du nur helfen." Schreiben mussten die stern-Reporter, die in New Orleans übernachteten, bei Kerzenlicht - auch in ihrem Quartier gab es keinen Strom.

Michael Streck, mit Fotograf Marvi Lacar auf Recherche in Mississippi, stieß in der Küstenstadt Gulfport auf ein Flutopfer der bissigen Art. Ein toter Alligator lag am Eingang der "First Presbyterian Church". Die Nationalgarde hatte das Tier erschossen. Die so genannten Swamp Critters, die Kreaturen aus den Sümpfen - Schlangen, Alligatoren - die mit der Brühe in die Städte schwappen, sind für die Menschen im Katastrophengebiet eine zusätzliche Gefahr.

First Lady Laura Bush kam in den Cajundome, wo stern-Reporter Karsten Lemm Ärzte interviewte. Die Mehrzweckhalle in Lafayette dient als Notlager für 7000 Menschen. Die Präsidentengattin sollte dort Reis und Hühnchen ausgeben. Doch sie war zu spät dran. Die meisten hatten bereits gegessen. Lemm erlebte, wie schließlich einige versprengte Flutopfer für das Pressefoto zusammengeholt wurden.

Die ausführliche Reportage und die dramatischen Bilder der Reportage-Teams finden Sie Donnerstag im neuen stern.

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