Der Bund will 2011 erstmals seit rund 40 Jahren ohne neue Schulden auskommen - zu spät monieren viele Experten. Aber wie schlimm ist Deutschlands Verschuldung wirklich? Was kann dagegen getan werden? stern.de beantwortet die wichtigsten Fragen rund um das Thema Staatsschulden. Von Lisa Louis

Die Schulden der öffentlichen Haushalte beliefen sich Ende 2007 in Deutschland auf über 1553 Milliarden Euro© picture-alliance
Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hat der Staatsverschuldung den Kampf angesagt: Für 2011 strebt er zum ersten Mal seit 40 Jahren wieder einen Haushalt ohne neue Schulden an.
Am Mittwoch beschloss das Bundeskabinett den Entwurf für den Haushalt 2009 und die Finanzplanung bis zum Jahr 2012. Die Etatpläne von Steinbrück sehen im nächsten Jahr Ausgaben von 288,4 Milliarden Euro vor. Das sind gut fünf Milliarden Euro mehr als im laufenden Jahr.
Steinbrück stand mit seinem Sparkurs in den vergangenen Wochen unter massivem Druck seiner Kabinettskollegen: Die hatten ursprünglich allein für 2009 zusätzliche Ausgaben gegenüber der bisherigen Finanzplanung von rund 7,5 Milliarden Euro verlangt. Bis 2012 summierten sich diese auf 41 Milliarden Euro - ohne Berücksichtigung der Mehrkosten von jährlich zwei Milliarden Euro aus der jüngsten Tarifrunde.
Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) beispielsweise setzt sich dafür ein, dass bis 2010 drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes für Forschung und Entwicklung ausgegeben wird. "Wer in Europa mit diesem Ziel fahrlässig umgeht, verbaut die Zukunft", sagte sie auf einer Tagung in Lindau.
CSU fordert Steuersenkungen
Auch die Pläne der CSU gefährden das Ziel eines ausgeglichenen Staatshaushalts: Die Partei fordert Steuersenkungen ab dem kommenden Jahr. Deren Gesamtentlastungen für die Bürger: 28 Milliarden Euro bis 2012. Außerdem macht sich die CSU für die Wiedereinführung der alten Regelung zur Pendlerpauschale für Arbeitnehmer stark. Derzeit bekommen die eine Kilometerpauschale von 30 Cent ab dem 21. Kilometer - entgegen der CSU-Forderung einer Subvention ab dem ersten gefahrenen Kilometer.
Rückendeckung für seinen Konsolidierungskurs bekam Steinbrück von Kanzlerin Angela Merkel. Dennoch ist die Union gespalten: Mitglieder der CDU-Führung wie der Chef des Arbeitnehmerflügels, Karl-Josef Laumann, und Saarlands Ministerpräsident Peter Müller unterstützen offen die CSU-Pläne für schnelle Steuersenkungen und die Wiedereinführung der Pendlerpauschale. Einig ist sich die CDU jedoch in Sachen Familienpolitik: Kindergeld und Kinderfreibeträge sollen ab Januar erhöht werden, die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung sollen weiter sinken.
Doch lohnt sich Steinbrücks Kampf gegen die Staatsverschuldung? Ist die wirklich so schädlich für Deutschland? Und wenn ja, was kann dagegen getan werden? Ist das Konzept einer Schuldenbremse wirklich sinnvoll? Hier finden Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen.