9. Juli 2011, 17:08 Uhr

Labour fordert Einsetzung eines Ermittlungsrichters

Die "News of the World"-Affäre hält Englands Premier David Cameron weiter in Atem. Die Opposition fürchtet, wichtige Dokumente könnten verschwinden und fordert die Einsetzung eines Untersuchungsrichters. In London will Medienmogul Rupert Murdoch persönlich sein Skandalblatt abwickeln.

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Ein Tässchen für die Reporter: Mitarbeiter verteilen Getränke an die Journalisten, die vor der "News of the World"-Redaktion auf die Einstellung des Skandalblatts warten©

Im Abhörskandal um die britische Boulevardzeitung "News of the World" verstärkt die Opposition den Druck auf die Regierung von Premierminister David Cameron. Die Labour-Partei fordert die sofortige Ernennung eines Ermittlungsrichters zur Untersuchung der Affäre. Der kulturpolitische Sprecher der Partei, Ivan Lewis, sagte, angesichts der bevorstehenden Schließung der Zeitung, die am Sonntag zum letzten Mal erscheint, müssten alle dokumentarischen Beweise, einschließlich Dateien und E-Mails, dringend gesichert werden.

Zuvor hatte die Zeitung "The Guardian" berichtet, die Polizei untersuche, ob bei dem Boulevardblatt Millionen interner E-Mails gelöscht wurden. Eine Sprecherin des zum Medienimperium von Rupert Murdoch gehörenden Zeitungsverlages News International bezeichnete den Bericht als "Quatsch".

Camerons Büro teilte mit, man handle "so schnell wie möglich und wie es juristisch erlaubt ist" und sei bereits auf der Suche nach einem Richter für einen Untersuchungsausschuss. Vermutlich werde es am kommenden Mittwoch Gespräche zwischen Cameron und Labour-Chef Ed Miliband geben.

Murdoch kommt persönlich nach London

Der Murdoch-Konzern hatte am Donnerstag die Einstellung der "News of the World" angekündigt und damit die Konsequenzen aus dem Skandal gezogen. Die Ankunft Murdochs in London wird für Sonntag erwartet. Der Konzernchef fürchtet unter anderem um die millionenschwere Übernahme des britischen Senders BSkyB, um die er sich seit langem bemüht.

Mitarbeiter des Blatts sollen die Telefone von Prominenten, Angehörigen von Verbrechensopfern sowie Hinterbliebenen getöteter Soldaten gehackt haben. Scotland Yard zufolge könnten die Telefone von bis zu 4000 Menschen angezapft worden sein. Die Abhöraffäre schwelt bereits seit Jahren; dass jedoch auch die Telefone von Angehörigen von Verbrechensopfern sowie Hinterbliebenen getöteter Soldaten abgehört wurden, wurde erst in den vergangenen Tagen bekannt.

Premierminister Cameron war unter Druck geraten, nachdem sein früherer Berater Andy Coulson festgenommen worden war. Coulson war zu der Zeit, in der die Handys abgehört worden sein sollen, Chefredakteur bei "News of the World". Er kam am späten Freitagabend auf Kaution frei und muss im Oktober erneut bei der Polizei erscheinen.

kng/AFP/DPA
 
 
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