. .
Panorama-Nachrichten
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
23. Oktober 2006, 16:15 Uhr

Safer Sex im Schulalltag

An der Realschule im niederländischen Zwijndrecht steht ein Automat. Er liefert den Kindern frisches Obst, Schokoriegel, Limonade - und Kondome, zehn Stück für einen Euro. Die Eltern finden das völlig in Ordnung. Von Albert Eikenaar

Über die Hälfte der niederländischen Jugendlichen unter 18 Jahre hat regelmäßge sexuelle Kontakte. - Dann schon lieber mit Schutz, oder?© Durex/DDP

"Eine Packung kostet nur einen Euro. Sie enthält zehn Stück. Kein Jugendlicher kann jetzt noch behaupten, dass ein Kondom zu teuer sei", sagt Roger Kiekens, Sprecher der niederländischen Stiftung Jippy. Die Stiftung bemüht sich, Mädchen und Jungen, die miteinander schlafen, dazu zu bringen, dabei auch an Verhütung zu denken - und ein Kondom zu benutzen. Die meisten tun es nicht, weil Kondome angeblich zu teuer sind. Kiekens Organisation will Abhilfe schaffen und jährlich zehn Millionen Gummis zum Sonderpreis von 10 Cent anbieten. Dabei sucht sie nach unüblichen Absatzwegen.

Realschule verkauft Kondome

In der niederländischen Kleinstadt Zwijndrecht - bei Rotterdam - beteiligt sich die öffentliche Realschule "Walburgcollege" an dem groß angelegten Programm: Schüler können die Pariser an einem Automaten ziehen, der auch frisches Obst, Schokoriegel, Limonade und andere süße Verlockungen anbietet. Für die Schüler soll es ganz normal werden, einen Euro einzuwerfen und dafür eine Zehnerpackung Kondome zu ziehen.

Intensive sexuelle Aufklärung gehört schon seit Jahren zum Lehrplan. "Dann ist es doch nicht verwunderlich, wenn wir unseren Kindern auch beibringen sich selbst beim Verkehr zu schützen, vor ungewollten Schwangerschaften und vor Geschlechtskrankheiten wie Chlamydia und Aids", erläutert Direktor Frans Coers in 'De Telegraaf'. "Wir können diesen Service natürlich auch lassen, aber das wäre eine Vogelstraußpolitik. Einerseits weihen wir unsere Schüler in die Geheimnisse von Sex, Liebe, Verhütung und Fortpfanzung ein, andererseits würden wir ihnen ein inzwischen normales Verhütungsmittel vorenthalten. Für uns gehört dieser Kondomverkauf einfach dazu." Die Hälfte der niederländischen Jugendlichen unter 18 hat regelmäßig sexuelle Kontakte, geht aus einer Untersuchung hervor.

Erster Sex nach drei Monaten Beziehung

Bevor der Kondomautomat angeschafft werden sollte, hat Coers den Elternrat um Genehmigung gebeten - dieser war sofort Verkauf der Billigkondome einverstanden. Sekretärin Marjon Kwaak: "Wir finden die Idee gut, dass die Schule Aufklärung über sicheren Sex anbietet - und ihn dann auch ermöglicht. Schließlich schlafen Jungen und Mädchen heutzutage schon miteinander, wenn sie gerade drei Monate eine Beziehung haben."

Kritiker meinen, dass die Jüngsten verführt würden, zu früh mit körperlichen Experimenten anzufangen. Frau Kwaak hält das für "Unsinn". Sie habe eine 12-jährige Tochter, die selbst entscheide, wann für sie die Zeit gekommen sei. "Sie ist längst noch nicht so weit. Ich glaube nicht, dass der Kondomautomat sie dazu anspornt. Und das gilt auch für andere Kinder".

Pioniere: Am niederländischen Walburg College werden Kondome verkauft© Walburg College

Auch Anfragen aus Deutschland

Das Walburgcollege ist angeblich die erste Unterrichtsanstalt in Europa, die in dieser Art und Weise auf den Schutz ihren Schüler achtet. Die Stiftung Jippy geht nun auf die Suche nach anderen Schulen - auch in Deutschland. Seit Jippy das Verhütungsprojekt für Jugendliche bei der Aidskonferenz in Toronto im vergangenen August vorgestellt hat, gibt es auch Anfragen aus der Bundesrepublik. "Deutsche Behörden waren daran interessiert, das Konzept einzuführen. Ob es tatsächlich geschieht weiß ich nicht", so Roger Kiekens zu stern.de. Seine Organisation läßt die Schülerkondome in China produzieren, in denselben Fabriken, wo auch die großen, weltweit bekannten Marken ihre Gummiwaren herstellen lassen. Damit ist das gleiche hohe Qualitätsniveau gewährleistet. "Wir zahlen den Einkaufspreis von 4 Cent und bieten 10 Stück für nur einen Euro an. Ein Markenhersteller verlangt fast einen Euro für einen Pariser".

Kiekens glaubt, dass seine Stiftung zum Preisbrecher auf dem Kondommarkt werden könne, wenn er sie tatsächlich so massenhaft verbreiten kann, wie geplant. "Unser Ziel ist schließlich, die Preise so zu senken, dass sich auch die Ärmsten in Afrika einen Gummischützer leisten können."

Ihre Meinung

Kondomverkauf an der Schule? Was halten Sie davon?

Diskutieren Sie mit! Bisherige Beiträge (6)
Von Albert Eikenaar
 
 
KOMMENTARE (6 von 6)
 
Christian80 (25.10.2006, 00:45 Uhr)
einerseits und andererseits
Einerseits ist es für die sexgeilen Jugendlichen besser, an das Verhüterli schnell dran zu kommen, um am besten gleich im Französischunterrucht los zu legen, andererseits könnten die normalen Teenager die damit noch warten wollen und bei denen die Knospe noch nicht verblüht ist, in Zugzwang oder Gruppenzwang geraten, und das könnte wiederum die sexuellen Kontakte unter den fast noch Kindern eher fördern, was wohl nicht im Sinne des Erfinders ist. Ich denke, das die notgeilen Jugendlichen schon wissen, dass es solche Plastiktüten für den Pimmel gibt, damit man keine Babys bekommt.
Also, was soll das Ganze, es gibt auch kein Antialkoholautomat oder ein Antimobbingautomat! (Diese Problematik hat nämlich auch ein nicht zu vernachlässigentes Ausmaß als der Schulmädchenreport)
lady88 (24.10.2006, 16:21 Uhr)
Kondome in der Schule
Natürlich ist es besser, Kondome zu benutzen als schwanger zu werden, aber hier wird mal wieder "hinterwäldleriches Deutschland" diagnostiziert und der Unmoral Vorschub gegeben. Wie eben überall in unserer Gesesllschaft. Alles immer und überall gleich haben müssen!
Fiasc0 (24.10.2006, 13:51 Uhr)
Hupp Holland Hupp
Da sind die Holländer den Deutschen wieder um Jahre vorraus. Kinder die mit ca. 13 ihre ersten sexuellen Erfahrungen machen sollten eben auch die Möglichkeit besitzen Kondome zu erwerben.
Ich finde das sehr gut.
BTW: 10 Pariser = 1 Euro ? ... haben die es gut. D.;
Daneel (24.10.2006, 13:32 Uhr)
gute Idee, hoffentlich bleibt sie bestehen
Es gibt keinen Grund, keinen
einzigen, diese Entscheidung zu
kritisieren. In Deutschland würde so
etwas wahrscheinlich am Widerstand
der CDU/CSU scheitern.
Wir können nur hoffen, dass die
Schule sich nicht von religiösen
Fundamentalisten---ob christlich
oder muslimisch---unter Druck setzen
lassen.
Zumindest als meine Tochter in
dem Alter war, zahlte in Deutschland
die Krankenkasse zwar nicht Kondome,
aber doch die Pille für Mädchen
jünger als 18. Noch schöner als
Sex mit einer jungen Frau ist
natürlich Sex ohne Kondom mit einer
jungen Frau. Gut, die Pille schützt
nicht vor Krankheiten, darum sollten
Kondome die Regel sein, wenn man sich
nicht so gut kennt, aber wenn beide
die eine monogame Beziehung haben
und beide gesund sind, könnten sie
zur Pille wechseln.
Wie ist der jetzige Stand, in
Deutschland und in den Niederlanden,
bezüglich Pille und Kostenübernahme
durch die Krankenkasse?
Lady0704 (24.10.2006, 13:16 Uhr)
Super ! ! !
Ich finde das einfach genial. Jeder beschwert sich über die wachsenden HIV-Infizierten und meistens sind das nun mal junge Erwachsene (die nicht viel Geld zur Verfügung haben). So kann sich jeder Kondome leisten und man lernt offen mit Sex und Verhütung umzugehen.
Deutschland sollte sich das zum Vorbild nehmen.
Mose-T (24.10.2006, 12:39 Uhr)
Holland eben!!!
Wundert mich eigentlich nicht so wirklich....
Bei unseren lieben Nachbarn kann man ja so einiges legal erwerben,warum nicht auch "Pariser" an Schulen?!?
MEHR ZUM ARTIKEL
HIV-Neuinfektionen Rekord eines fast vergessenen Virus

Kondome schützen vor Aids. Das wissen auch die Deutschen und benutzen das Gummi wieder häufiger. Dennoch hat die Zahl der Aidsinfektionen einen neuen Höchststand erreicht. mehr...

Aids-Bekämpfung Papst will Kondome erlauben

Ein Jahr nach seiner Wahl plant Papst Benedikt XVI. einen wichtigen Schritt bei der Aids-Bekämpfung: Der Vatikan will nach Angaben eines Kurienkardinals HIV-Infizierten den Gebrauch von Präservativen erlauben. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe