Zahl der Organspenden sinkt dramatisch

7. Januar 2013, 14:29 Uhr

Das Vertrauen ist erschüttert: Deutlich weniger Menschen sind bereit, nach ihrem Tod Organe zu spenden. Dies sind spürbare Auswirkungen der Manipulationen in Transplantationszentren.

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Die Bereitschaft, Organe zu spenden, ist in Deutschland auf den niedrigsten Stand seit 2002 zurückgegangen©

Der Skandal um Manipulationen bei Organtransplantationen hat die Spendenbereitschaft in Deutschland auf den niedrigsten Stand seit 2002 sinken lassen. Im vergangenen Jahr hätten 1046 Menschen nach ihrem Tod Organe gespendet, 12,8 Prozent weniger als im Jahr zuvor, teilte die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) am Montag in Frankfurt mit. Die Zahl der gespendeten Organe sei von 3917 (2011) auf 3508 gesunken. Pro eine Million Einwohner hätten im vergangenen Jahr 12,8 Menschen nach ihrem Tod Organe gespendet, ein Jahr zuvor seien es noch 14,7 gewesen.

Am deutlichsten sei der Rückgang im zweiten Halbjahr nach Bekanntwerden von Manipulationen in mehreren deutschen Transplantationszentren gewesen. Diese Vorfälle seien durch nichts zu entschuldigen, sagte der Medizinische Vorstand der DSO, Günter Kirste, laut Mitteilung. "Mit großer Sorge sehen wir allerdings, dass im Zuge dessen auch das Vertrauen in die postmortale Organspende massiv erschüttert wurde und die nachlassende Spendenbereitschaft das eigentliche Grundproblem, den Organmangel, weiter verschärft." Bundesweit warteten rund 12.000 Menschen dringend auf eine Transplantation.

"Das Vertrauen müssen wir uns neu verdienen"

"Die Zahlen sind sehr bedrückend", sagte Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz. Für die sinkende Spendenbereitschaft sei die Bundesregierung verantwortlich: "Der Bundesgesundheitsminister hat bisher nichts unternommen, um das dringend notwendige Vertrauen in das Transplantationssystem herzustellen." Immer noch werde auf private Akteure bei den zentralen ethischen Fragen gesetzt. "Die Festlegung der Hirntodkriterien, die Verteilung der Spenderorgane und die Aufsicht über das Transplantationssystem gehören aber in staatliche Hände", sagte Brysch und erneuerte seine Forderung, die Zahl der Transpantationszentren zu halbieren. "Dafür ist kein neues Gesetz nötig, sondern der Wille zum politischen Handeln."

Rainer Hess, seit Jahresbeginn hauptamtlicher DSO-Vorstand, appellierte an alle Beteiligten, für mehr Transparenz zu sorgen und über eine strengere Qualitätssicherung künftig einen Missbrauch des Systems zu verhindern. "Das Vertrauen müssen wir uns neu verdienen." Zwar seien Organspende und Organübertragung getrennte Bereiche mit eigenen Regeln. "Aber wenn Ärzte bei der Transplantation manipulieren, ist das gesamte System betroffen." Die DSO koordiniert die Organspenden in Deutschland.

Anfang Januar hatte die Leipziger Uni-Klinik Manipulationen in ihrem Haus publik gemacht. Patienten sollen fälschlicherweise als Dialyse-Fälle geführt worden sein, um sie auf der Warteliste für eine Spenderleber nach oben rutschen zu lassen. Im vergangenen Jahr waren ähnliche Vorfälle in Göttingen, Regensburg und München bekanntgeworden.

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