22. Juli 2012, 11:18 Uhr

Stille Trauer im Angesicht des Hasses

Norwegen begeht den ersten Jahrestag der Terroranschläge mit 77 Toten. Regierungschef Jens Stoltenberg fordert seine Landsleute erneut auf, das Verbrechen mit Toleranz statt Hass zu verarbeiten.

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Vereint in Trauer: Norwegens Ministerpräsident Jens Stoltenberg (li.) und König Harald V.©

Mit eine Kranzniederlegung am schwerbeschädigten Regierungsgebäude in Oslo und stillem Gedenken auf der Fjordinsel Utøya hat Norwegen die 77 Opfer der Terroranschläge vor einem Jahr geehrt. Ministerpräsident Jens Stoltenberg sagte am Sonntagmorgen im Beisein von König Harald V., Anders Behring Breivik habe am 22. Juli 2011 viele Menschen getötet und unfassbares Leid ausgelöst, sein eigentliches Ziel aber verfehlt.

"Seine Bombe und seine Schüsse sollten Norwegen verändern. Das norwegische Volk hat geantwortet, indem es zu den eigenen Werten stand", sagte Stoltenberg vor dem Hochhaus, in dem bis zum Bombenanschlag auch sein Arbeitsplatz war. Der Regierungschef forderte seine Landsleute erneut auf, das Verbrechen mit Toleranz statt Hass zu verarbeiten: "Heute sollten wir einander daran erinnern, dass Liebe ewig anhält. Das Gute und die Freude lassen sich nicht auslöschen."

Gleichzeitig mit der Feierstunde im Regierungsviertel versammelten sich auf der Insel Utøya Überlebende und Hinterbliebene des dortigen Massakers. Hier hatten unter strengen Sicherheitsvorkehrungen nur direkt Betroffene Zugang. Später am Tag wird Stoltenberg dort eine Rede vor der Jugendorganisation seiner Arbeiterpartei halten. Auf Utøya hatte der rechtsradikale Islamhasser Breivik 69 Teilnehmer eines sozialdemokratischen Jugendlagers getötet. Vorher waren acht Menschen durch eine von im Osloer Regierungsviertel gelegte Autobombe gestorben.

Insgesamt werden zu den Gedenkfeierlichkeiten in Norwegen mehr als hunderttausend Teilnehmer erwartet. Das Gerichtsurteil gegen Breivik soll am 24. August verkündet werden.

jwi/DPA/AFP
 
 
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