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16. Januar 2009, 12:06 Uhr

Am Simulator lässt sich das nicht üben

Bei der Notlandung eines Passagierflugzeugs auf dem Hudson River in New York waren Crew und Passagiere in großer Gefahr - das Manöver kommt sehr selten vor und kann schlecht trainiert werden. Im stern.de-Interview erklärt der ehemalige Flugkapitän Ferdinand Schäfer die Schwierigkeiten einer Landung auf dem Wasser.

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Aus der Unglücksmaschine, die auf dem Hudson River notlandete, sind alle Passagiere lebend entkommen© Brendan McDermid/Reuters

Herr Schäfer, wie häufig sind Wasserlandungen wie die auf dem Hudson River in New York?

In der zivilen Luftfahrt sehr, sehr selten. Das größte Unglück dieser Art, an das ich mich erinnere, war 1981: Nach dem Start auf dem Flughafen von Washington stürzte die Boeing 737 in den Potomac River, weil die Maschine vereist war. Bei dem Absturz damals kamen allerdings viele der Passagiere ums Leben.

Was sind die Schwierigkeiten für den Piloten bei einer solchen Notlandung auf dem Wasser?

Das größte Problem ist, dass man keine Zeit hat, die Landung vorzubereiten. Es gibt zwar einen Plan für Notwasserungen, wenn aber plötzlich der Schub wegbleibt, hat man kaum die Zeit, die Liste zu lesen. Dazu kommt: Man kann sich den Landeplatz nicht aussuchen. Wäre bei der Landung auf dem Hudson eine Brücke oder ein Schiff im Weg gewesen, hätte es eine Katastrophe gegeben.

Wie schätzen Sie die Leistung der Flugzeug-Besatzung ein?

Das ist schon eine gute Leistung des Piloten gewesen. Aber auch die Kabinencrew hat gute Arbeit geleistet. Zwar gibt es auch für sie eine Liste, was im Falle einer drohenden Notwasserung zu tun ist, aber auch ihnen dürfte die Zeit gefehlt haben, die Liste zu lesen. Es spricht für die Arbeit der ganzen Crew, dass alle Passagiere lebend aus dem Flugzeug gekommen sind.

Wie werden Notwasserungen überhaupt trainiert?

Im Simulator lässt sich zwar üben, wie man die Liste für Wasserlandungen abarbeitet, aber das Aufsetzen auf dem Wasser lässt sich im Simulator nicht realistisch darstellen. Denn eine der größten Gefahren bei einer Landung auf dem Wasser ist der Wellengang. Je höher die Wellen sind, desto größer ist auch die Gefahr für Passagiere und Besatzung.

Wie kommt es überhaupt zu so einer Notsituation?

Nach allem, was ich bisher weiß, dürfte in New York wohl die Kollision mit Vögeln die Ursache gewesen sein. Bis zur Größe einer Taube ist das auch technisch kein Problem. Wenn die Vögel, die in die Triebwerke geraten, allerdings größer sind, nehmen die Motoren Schaden. In New York muss wohl in beide Triebwerke jeweils mindestens ein großer Vogel geflogen sein. Denn wenn nur ein Triebwerk ausfällt, bleiben Passagierflugzeuge flugfähig.

Zur Person

Zur Person Ferdinand Schäfer, 60, ist pensionierter Pilot und hat 40 Jahre Flugerfahrung mit unterschiedlichen Flugzeugtypen - unter anderem einer Boeing 747.

Interview: Thomas Krause
 
 
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