4. April 2013, 22:03 Uhr

Türkische Zeitung will gegen Platzvergabe klagen

Die Zeitung "Sabah" will gegen die Platzvergabe im NSU-Prozess Klage erheben, die "Hürriyet" erwägt, sich diesem Schritt anzuschließen.

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Das Video im Wortlaut: Am 4. April 2006 wurde Mehmet Kubasik in Dortmund ermordet. Eines von insgesamt zehn Opfern der NSU-Mordserie. Mehr...

Zwischen 2000 und 2007 erschossen Neonazis acht türkische und einen griechischen Einwanderer sowie eine Polizistin. Zum siebten Jahrestag des Mordes an dem Dortmunder Kubasik zogen am Donnerstag mehrere hundert Menschen in einem Gedenkmarsch durch die Stadt. Auch Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau nahm an der Veranstaltung teil. Kubasik und dessen Familie hätten in Dortmund ihre Heimat gefunden, sagte Sierau. O-ton ("Insofern ist er ja einer von uns der hier ermordet worden ist, darum ist es der Respekt vor ihm und seiner Lebensleistung, dass wir heute hier seiner gedenken und das wir für ihn und die anderen Ermordeten des NSU Terrors hier eine Gedächtnisstätte im Sommer errichten werden.") Die Tochter des Ermordeten, Gamze Kubasik, zeigte sich von der Anteilnahme bewegt. Der Todestag ihres Vaters dürfe nicht vergessen werden. O-ton Gamze Kubasik ("Auch alle anderen Opfer-Todestage dürfen nicht vergessen werden, deshalb finde ich das umso schöner, das viele Menschen sich hier versammelt haben, für unsere Familien, für meinen Vater, das finde ich einfach toll.") Die Teilnehmer der Gedenk-Demonstration forderten die vollständige Aufklärung der NSU-Mordserie. Am 17. April beginnt in München die Hauptverhandlung gegen Beate Zschäpe sowie vier weitere Angeklagte. Ihnen wird die Bildung einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen. Da acht der zehn Mordopfer Türken sind, stößt der Prozess in der Türkei auf besonders großes Interesse. Gegen die umstrittene Platzvergabe an Journalisten im Prozess will die türkische Zeitung "Sabah" vor dem Verfassungsgericht in Karlsruhe klagen. Die Zeitung "Hürriyet" erwägt, sich dem Schritt anzuschließen. Der Chefredakteur der Zeitung in Deutschland, Celal Öszan: O-ton Öszan ("Sie können der Öffentlichkeit nicht klar machen dass die Mörder dieser acht Leute ihre Opfer Aufgrund ihrer Herkunft ermordet haben und dass die türkische Presse dort nicht zugelassen wird. Das kann keiner verstehen. Deswegen ist diese Entscheidung des Gerichts inakzeptabel, vollkommen unverständlich. Das Gericht hätte eigentlich ein Kontingent für die türkische Presse bereitstellen können. Dann hätten wir dieses Problem nicht. Das wäre der richtige Weg.") Keinem türkischen Print- oder Fernsehmedium war es gelungen, eine feste Presseakkreditierung für das Verfahren zu erlangen. Das Gericht hatte die Presseplätze nach der Reihenfolge der Anfragen verteilt. Chefredakteur Öszan sagte am Donnerstag, einige Journalisten seien vorab über den Beginn der Akkreditierung informiert worden. Die "Hürriyet" hingegen nicht. ORT: DORTMUND, BERLIN Schließen

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