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30. April 2010, 19:19 Uhr

Auch Florida ruft den Notstand aus

Die Ölpest im Golf von Mexiko nimmt immer verheerendere Ausmaße an. Auch Florida hat den Notstand ausgerufen. Erste Ölschlieren schwappen unterdessen ins Mississippi-Delta.

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Die ersten Vögel sind betroffen, Helfer reinigen das ölverschmierte Federkleid eines Tieres© AP

Nach dem US-Bundesstaat Louisiana hat das ebenfalls von der Ölpest im Golf von Mexiko betroffene Florida den Notstand ausgerufen. Gouverneur Charlie Crist unterzeichnete am Freitag eine entsprechende Entscheidung. Damit kann der Bundesstaat nun Notmittel einsetzen und Unterstützung aus Washington anfordern, um gegen die Folgen des Bohrinsel-Unglücks in der vergangenen Woche anzukämpfen.

Louisiana hatte am Donnerstag den Notstand ausgerufen, zugleich erklärte die US-Regierung in Washington die Ölpest zur "nationalen Katastrophe". Starke südöstliche Winde trieben am Freitag bereits erste Ölschlieren in das Küstengebiet um das Mississippi-Delta. In Florida, Alabama und Mississippi ist die Fischerei in Gefahr, die das Hauptstandbein der örtlichen Wirtschaft ist. Die US-Ratingagentur Fitch bezifferte den wirtschaftlichen Schaden auf zwei bis drei Milliarden Dollar (1,5 bis 2,2 Milliarden Euro).

Bislang gingen in Louisiana und in Alabama bereits acht Klagen gegen den Betreiber der Bohrinsel, den britischen Ölkonzern BP, ein. Vertreter einzelner Berufsgruppen, unter anderem der Fischerei, der Gastronomie, der Tourismus- oder der Immobilienbranche, werfen BP vor, keine ausreichenden Vorkehrungen zur Vermeidung einer solchen Umweltkatastrophe getroffen zu haben.

Schlimmste Katastrophe in der Geschichte

Auf der Bohrinsel hatte sich am 20. April eine Explosion ereignet, zwei Tage später versank die Plattform im Meer. Elf Arbeiter starben bei dem Unfall. BP hat zehn Untersee-Roboter im Einsatz, die bislang erfolglos versuchen, das Leck in 1500 Metern Tiefe zu schließen. Gleichzeitig bauen Ingenieure eine riesige Kuppel, um das ausströmende Öl unter der Wasseroberfläche einzufangen und von dort abzupumpen - doch deren Fertigstellung dauert mindestens zwei Wochen.

Der US-Küste droht aus Sicht von Umweltschützern die schlimmste Ölkatastrophe in der Geschichte des Landes. Sie befürchteten am Freitag, die Ölpest im Golf von Mexiko könne verheerender werden als das Tankerunglück der "Exxon Valdez" 1989 in Alaska. Naturschutzgebiete im Mississippi-Delta werden von den Ölmassen gefährdet, die am frühen Freitag die Küstengewässer des US-Bundesstaates Louisianas erreichten. Das Öl sprudelt aus mehreren Lecks einer Ölleitung der gesunkenen Plattform "Deepwater Horizon" Das Unglück der "Exxon Valdez" gilt als die bisher schlimmste Ölpest der USA. Hunderttausende Vögel und Fische sowie tausende Säugetiere starben. Die Folgen sind bis heute zu spüren.

"Wir sind hier auf das Schlimmste vorbereitet", sagte die Sprecherin der Wildschutzbehörde von Louisiana, Laura Deslatte. Experten befürchten, dass sich die rostbraune Öl-Masse übers Wochenende ihren Weg bis nach Florida bahnt. US-Präsident Barack Obama geriet unterdessen wegen seiner Ölbohrpläne in die Kritik.

Er unterstrich in Washington, dass der britische Ölkonzern BP für die entstehenden Kosten der Ölpest im Golf von Mexiko aufkommen muss. Der Energiekonzern erklärte am Freitag, man wolle die "volle Verantwortung" für den Ölteppich übernehmen.

Barrieren reichen längst nicht aus

Obama erklärte im Weißen Haus, seine Regierung werde weiterhin alles zur Bereinigung der Katastrophe beitragen, was nötig sei. 1900 staatliche Helfer seien bereits am Golf von Mexiko stationiert. 300 Schiffe und Flugzeuge seien vor der Küste Louisianas im Einsatz. Außerdem würden sämtliche Ölplattformen vor den US-Küsten derzeit auf ihre Sicherheit überprüft.

Obama reiste zunächst nicht in die Region, sondern schickte Heimatschutzministerin Janet Napolitano, Innenminister Ken Salazar und die Chefin der US-Umweltbehörde EPA, Lisa Jackson. Sie sollten sich einen Überblick über das Ausmaß des Desasters verschaffen, das am Vortag als Katastrophe "nationalen Ausmaßes" eingestuft worden war.

Umweltschützer zeigten sich besorgt über die Lage im Golf von Mexiko. "Das ist ein Desaster, jenseits jeden Ausmaßes, das ich je erlebt habe", sagte ein Experte der Ozean-Gesellschaft in San Francisco, Stan Minasian, in US-Medien. Auch die Fischerei- und Tourismus-Industrie verfolgen die Entwicklung mit großer Sorge, sie sehen erneut ihre Existenz bedroht. Die US-Bundesstaaten Louisiana, Mississippi, Florida, Georgia und Alabama waren im August 2005 vom Hurrikan "Katrina" heimgesucht und schwer verwüstet worden.

An der Küste Louisianas bereiteten sich Biologen auf die Rettung von ölverschmierten Tieren vor, sagte Wildschutzexpertin Deslatte. "Wir durchforsten die Region nach Tieren, die durch das Öl in Not geraten", sagte sie. Spezielle Stationen seien zur Säuberung eingerichtet worden.

Der Ölteppich könnte bald die Küsten erreichen

Tausende Helfer waren an Land im Einsatz. Das Wetter arbeitete gegen sie: Starke Winde und eine raue See trieben den Ölteppich voran und verhinderten die Säuberungsarbeiten auf dem Meer. "Auch heute wird es nicht möglich sein, mit dem Abfackeln des Ölfilms fortzufahren", sagte ein Sprecher der Küstenwache, Michael Abendhoff.

Bereits am Vortag hatten die Helfer Pläne aufgegeben, den auf die Küste zutreibenden Ölteppich durch kontrollierte Brände aufzulösen. Er war am Freitag bis zu 72 Kilometer breit und bis zu 160 Kilometer lang. Hohe Wellen trieben das Öl auf das von Menschen unbewohnte Wildschutzgebiet Pass-A-Loutre am Mississippi-Delta zu. Nach Berechnungen der Meeresbehörden könnte der Ölteppich über das Wochenende die Küsten Mississippis und Alabamas erreichen. Die bislang verlegten Barrieren mit einer Länge von 61 Kilometern reichten nach Angaben der Experten längst nicht aus, um das Öl von Louisianas Küste fernzuhalten.

75 Schiffe lagen am Morgen bereit, um die Mischung aus Öl und Wasser aus dem Meer abzusaugen. Bislang hätten diese Schiffe rund 2800 Tonnen abpumpen können, so die Küstenwache. Hilfstrupps haben nach Angaben des Heimatschutzministeriums bis Freitag 380 000 Liter an chemischen Mitteln ins Meer gekippt, um das Öl zu zersetzen.

Tausende Kilometer nördlich, in der Hauptstadt Washington, wurde am Freitag eine Frage immer lauter: "Was ist falsch gelaufen?" In die Schusslinie gerieten nicht nur der Ölkonzern BP und der Plattformbetreiber Transocean, sondern vor allem Obama. Der US- Präsident, der als Verfechter grüner Energien angetreten war, hatte Umweltschützer vor einem Monat vor den Kopf gestoßen, als er grünes Licht für Ölbohrungen vor der US-Küste gab. Der demokratische Senator aus Florida, Bill Nelson, kritisierte Obama am Freitag. "Stoppen sie den Fünfjahresplan für Bohrungen vor der Küste", forderte er.

DPA/AFP
 
 
KOMMENTARE (10 von 14)
 
Facti (01.05.2010, 16:10 Uhr)
Allein auf den Einbau der üblichen Sicherungssystem zu verzichten
stellt die zynische kostenminimierende Ignoranz der Verantwortlichen bloß.
Dafür gibt es mea nur eine Strafe: Rein ins Rohöl, wieder raus, chemisch gesäubert und wieder rein....
So spüren sie am eigenen Leib was sie da verbrochen haben und der gegen derartige Dummheitstaten wehrlosen Natur zufügen.
Johann58 (01.05.2010, 11:08 Uhr)
@JRx1 (01.05.2010, 07:55 Uhr)
bevor du einen Kommentar schreibst, solltest du dich mit den Fakten auseinandersetzten. Haupt Aktionaer von BP ist State Global Advisors (USA), dann sind da nich so illustre Firmen wie State Farm Insurance, Goldman Sachs, T. Rowe und sonstige also von wegen alles Britsch, nichts mit den USA zu tun Obama unschuldig.

Obama hat vor nicht allzu langer Zeit das sogenannte Off Shore Drilling gestattet unter anderem an der Kueste Georgias, wo grosse Erdgasvorkommen vermutet werden. Das hat unter anderem damit zu tun, dass im November wieder gewaehlt wird und Erfolgsmeldungen der US Regierung leider noch sehrt duenn gesaet sind.

muemmelfrau (01.05.2010, 09:46 Uhr)
wie gut für uns
das in deutschland nur elektroautos fahren.
wir in deutschland benötigen ja kein öl, also wir sind ja völlig unschuldig an jedweder umweltverschmutzung oder tierquälerei.

so, und nu ab zu ALDI weil da das fleisch ja besonders billig ist und auf dem heimweg noch eben die kutsche vollgetankt (mein sprit kommt ja schliesslich nicht aus dem golf von mexico).
Corazito3333 (01.05.2010, 08:47 Uhr)
JRx1 USA zahlt 2,70 pro Liter und auch wenn sie 10 Dollar pro Liter zahlen.... werden nur die Gewinne der Ölindustrie größer
Wir bzw. die bösen Amis verbrauchen zu viel und selbst schuld!!! Aufklärung fand nie statt...die Ölkonzerne wollen ihren Reibach machen, genauso wie die Hochfinanz..... der Tanz ums goldene Kalb....Raffgier der Elite, das sind die Schuldigen und BP also das Managment ist schuldig. Nicht der kleine Mann, der keine Ahnung hat. Kinderarbeit....weiß Du wer die Stickereien an deinem Pulli angebracht hat.....den du teuer als "Deutsches Produkt" gekauft hast?????
arniston (01.05.2010, 08:02 Uhr)
ist ja der hummer !
manchmal wird man von dem erschlagen, nachdem man strebt, öl !
hier kann busch und cheney hilfe leisten ohne ende , im geländetauglichen ,,hummer,,
JRx1 (01.05.2010, 07:55 Uhr)
Was ist passiert?
es ist nichts anderes passiert als das was in der Nordsee auch passieren kann! Das hat NICHTS mit USA - mit dreck oder sonstwas zu tun. Es ist BP - British Petroleum , denen das zu ganze gehoert. Obama ist unschuldig ;-)
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Ansonsten hauefen sich die schlimmen Nachrichten und das ist es was uns alle angeht!
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Johann 58: was glaubst du was es dem dtschen steuertzahler Sch,... egal ist wo er sein Benzin herbekommt hauptsache billig - und wenn keiner mehr auf risiko bohrt - ja dann bezahlt doch in D 10 euro pro liter - aber das wollt ihr auch nicht. Daher ist es einfach auf die USA zu meckern - wo diese in diesem Fall unschuldig ist! Ohne die USA wuerdet ihr in D doch noch im kalten Krieg leben.. Klar ist nicht alles Gold aber Butter bei de fische!
Eine Gallone zur zeit USA 2.79 Dollar fuer 3,8 liter. Was zahlt ihr pro liter?
hellwachabsolut (01.05.2010, 07:23 Uhr)
Vom Umdenken keine Spur!
Das ist das Ergebnis , wenn der Mensch unüberlegen an die Natur rumfummelt und nicht die Finger davon lässt.
Das ist nicht zum erstemal und es wird auch nicht das letztemal gewesen sein.
Das dummste Wesen auf unserer Planeten scheint unbelehrbar zu sein und schaufelt ganz eiferisch sein eigenes Grab .
Marsmann (01.05.2010, 06:09 Uhr)
Warum duldet die Gesellschaft solche Fahrlässigkeit?
@Justizius
Sie schreiben, "Nun kommt eine (Ab-)Rechnung für die Amis, die sich gewaschen hat" - Das mag sein, aber die richtige Rechnung bezahlen die unschuldigen Tiere und Pflanzen.
Stefan1H (01.05.2010, 05:31 Uhr)
Warnschuss
Die Katastrophe ist da und sie wird schlimme Folgen haben. Trotzdem kommt diese aus meiner Sicht genau richtig. Für die Amerikaner sind Probleme meistens weit weg, weswegen u. a. auch immer fleißig woanders Krieg geführt wird. Es bleibt zu hoffen, dass durch diesen schlimmen Unfall vielen Menschen in "God safe America" vor Augen geführt wird, dass sie auf dem falschen Weg sind. Ich spreche konkret von der möglichst vollen Konzentration auf grüne Energien, um diese schnellstmöglich weiter zu entwickeln.
jomimo (01.05.2010, 01:30 Uhr)
Ich bin fassungslos ..
habe nicht gedacht, dass die allgegenwärtige Kriegsmacht nur dilettantisch reagiert und für den " worst case " vor der Haustür nichts, aber auch garnichts hat außer uralten Maßnahmen auf See und an Land bereit hält.

Das ist eine Sauerei ohne Beispiel.

Nebenbei, auch in der Nordsee wird gefördert.

Lasset uns beten oder Däumchen drücken.
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