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Spritzen und rätselhafte Medikamente

20. Februar 2013, 17:11 Uhr

Oscar Pistorius steht nicht nur unter Mordanklage, sondern auch unter Dopingverdacht. In seinem Haus sei das Mittel Testosteron und mehrere Spritzen gefunden haben, hieß es. Bewiesen ist das nicht.

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Oscar Pistorius vor dem Magistrate Court in Pretoria©

Dem internationalen Behindertensport droht nach dem Kriminalfall Oscar Pistorius nun auch noch ein Dopingskandal. Die südafrikanische Polizei gab am Mittwoch vor Gericht in Pretoria bekannt, was diverse Zeitungen bereits seit Tagen berichtet hatten: Dass bei den Ermittlungen gegen den unter Mordanklage stehenden Paralympics-Star das Dopingmittel Testosteron und mehrere Spritzen in seinem Schlafzimmerschrank gefunden wurden.

Um was für ein Mittel es sich genau handelt, konnte an diesem Tag allerdings nicht abschließend geklärt werden. Laut "Spiegel-Online" ruderte die Ermittlungsbehörde bis zum Abend zurück. Bei der Aussage zu dem angeblichen Testosteronfund habe es sich um einen Fehler gehandelt. Es stehe nicht fest, um welche Substanz es sich handele. Forensische Tests dazu stünden noch aus.

Pistorius' Verteidiger Barry Roux hatte bei der Anhörung seines Mandanten zudem erklärt, dass es sich nur um ein pflanzliches Heilmittel mit dem Namen "Testo Compositum Coenzyme" gehandelt habe und nicht um verbotene Steroide. Für die paralympische Bewegung hängt von der Frage, welche der beiden Versionen denn stimmt, eine ganze Menge ab.

Ein verurteilter Mörder Pistorius würde vermutlich noch keinen Schatten auf seinen gesamten Sport werfen, da man seine Leistungen von dem trennen müsse, "was der Mensch Pistorius gemacht hat", wie Friedhelm Julius Beucher, Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS), betonte.

Absatzbewegungen beim Verband

Ein Dopingfall Pistorius aber - die Erkenntnis, dass die sechs paralympischen Goldmedaillen des 26-Jährigen "Blade Runners" eine Folge unerlaubten Medikamenten-Konsums waren - würde für alle einen erheblichen "Beigeschmack" haben, befürchtet der DBS-Sportdirektor Frank-Thomas Hartleb. Das würde "den Hero des Behindertensports vom Sockel stoßen".

Pistorius ist die mit Abstand größte Identifikationsfigur seines Sports. Wie kein anderer hat es der Sprinter geschafft, eine weltweite Aufmerksamkeit auf die Paralympics zu lenken. Das Internationale Paralympische Komitee (IPC) profitierte von ihm und warb bei jeder Gelegenheit mit ihm. Doch im Zuge der Mordanklage und des Dopingverdachts gegen den Südafrikaner sind nun auch schon die ersten Absatzbewegungen bei den Offiziellen zu erkennen.

"Behindertensport in der Realität angekommen"

Präsident Philip Craven schrieb bereits am Dienstag einen Brief an alle Mitglieder des IPC, in dem er versuchte, die Aufmerksamkeit vom Fall Pistorius auf die vielen jungen Nachwuchshoffnungen des Behindertensports zu lenken. "Wir haben so viele kommende Stars in unseren Reihen, dass das für uns kein Problem sein wird", meinte der frühere Rollstuhl-Basketballer aus Großbritannien mit Blick auf einen möglichen Ausfall des "Blade Runners" als paralympisches Zugpferd.

Andere Funktionäre äußerten sich wesentlich zurückhaltender. "Ich glaube nicht, dass die paralympische Bewegung ein Imageprobleme bekommt. Es werden schon seit längerem Dopingproben bei den Paralympics durchgeführt. Außerdem ist es noch nicht bewiesen, dass Pistorius auch gedopt hat", sagte der Generaldirektor des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Christophe de Kepper.

Auch DBS-Sportdirektor Hartleb betonte: "Eines muss man festhalten: Der Fund von Dopingmitteln ist keine positive Dopingprobe. Er ist vielleicht ein Indiz, kann aber noch nicht gegen ihn vorgebracht werden", sagte er. Hartleb unterstrich aber auch, dass die weit verbreitete Ansicht "Behinderter Sportler = ehrlicher Sportler" so pauschal nicht zutreffe. Ein Dopingfall Pistorius würde seiner Meinung nach bedeuten, dass "der Behindertensport in der Realität angekommen ist. Behindertensportler sind keine besseren Menschen als andere Sportler", meinte er.

Thierry Mugler stoppt Werbung mit Pistorius

Eine definitiv schlechte Nachricht gab es dann doch noch für Pistorius an diesem Tag: Der Sportler wird künftig nicht mehr für das Thierry-Mugler-Parfüm "A*Men" werben. Aus Respekt und Mitgefühl gegenüber der von dem Verbrechen an Reeva Steenkamp betroffenen Familien seien alle Kampagnen mit Pistorius eingestellt worden, teilte die zur französische Kosmetikgruppe Clarins gehörende Marke mit. Die Entscheidung gelte für alle Werbemittel und Länder.

kbe/DPA

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