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9. Oktober 2010, 12:20 Uhr

Inferno auf der "Lisco Gloria"

Die Passagiere gerieten in Panik, als gegen Mitternacht eine Explosion die "Lisco Gloria" in Brand setzte. Drei Menschen wurden schwer verletzt, Kinder atmeten Rauchgas ein. Nun könnte das Schiff kentern.

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Löschversuche: das brennende Wrack der "Lisco Gloria"© Axel Heimken/dapd

Drama auf der Ostsee, elf Kilometer nördlich der Insel Fehmarn: Nach einer Explosion um Mitternacht stand die Autofähre "Lisco Gloria" in Flammen. Unter den mehr als 200 Passagieren und 32 Crewmitgliedern brach Panik aus, manche sollen in die eiskalte Ostsee gesprungen sein, der größte Teil kletterte in Rettungsboote und -inseln. Der litauische Kapitän hatte sich, auch weil viele andere Schiffe in der Nähe waren, sehr schnell dazu entschlossen, die "Lisco Gloria" aufzugeben und zu evakutieren. Unter den Fahrgästen waren hauptsächlich Russen und Balten, außerdem 20 Deutsche, die Crew stammt aus Litauen.

Dänische und deutsche Marinehubschrauber flogen drei Schwerverletzte sofort in Krankenhäuser. Nach jüngsten Angaben wurden insgesamt 28 Menschen verletzt, darunter auch Kinder. Sie hatten giftigen Rauch eingeatmet. "Die Leute sind sehr erschöpft, einige sind körperlich in einem sehr schlechten Zustand", sagte Revierleiter Uwe Marxen von der Wasserschutzpolizei am Samstagmorgen. "Sie haben sehr schwere Stunden hinter sich." Den Großteil der Passagiere hatte das Fährschiff "Deutschland" an Bord genommen. Es machte am frühen Morgen am Tirpitzhafen fest, dort, wo normalerweise die "Gorch Fock" ankert. Die Verletzten wurden schnell in Kieler Krankenhäuser gebracht. Die Unverletzten wurden zu einem Marinestützpunkt gefahren, von der Presse abgeschirmt, und bekamen Kaffee, Tee und etwas zu Essen. Auch Psychologen und Seelsorger waren vor Ort.

Brand auf dem Auto-Deck?

Die immer noch lichterloh brennende "Lisco Gloria" trieb zunächst führerlos durch die Ostsee. Dann setzte das deutsche Havariekommando vier Spezialisten, ein sogenannte "Boarding-Team", per Hubschrauber auf dem Schiff ab. Den Männern gelang es, die Anker zu lichten. Die Fähre liegt nun auf offener See etwa vier Kilometer südlich der dänischen Insel Langeland. Mehrere Hilfsschiffe versuchen, das brennende Wrack zu löschen - was allerdings sehr schwierig ist. Sollten die Innenräume mit Löschwasser volllaufen, könnte die 200 Meter lange Fähre kentern. Derzeit hat sie 15 Grad Schlagseite. Ein dänisches Umweltschiff ist vor Ort, um eine Ölpest zu verhindern, da die "Lisco Gloria" 200 Tonnen Dieselöl geladen hat. Eine zweite Explosion am Samstagmorgen erschwerte die Löscharbeiten.

Die Unglücksursache ist noch unklar. "Es gehen da Vermutungen rum, dass das Feuer auf dem Autodeck ausgebrochen ist. Aber wir wissen nichts Definitives", sagte der Sprecher der Reederei DFDS, Gert Jacobsen, in Kopenhagen. Die dänische DFDS ist Eignerin der litauischen Reederei Lisco, für die die "Lisco Gloria" fährt. Joachim Gutt, Leiter des Lagezentrums im Kieler Innenministerium sagte, es spreche viel für einen technischen Defekt, zum Beispiel an einem der Laster, die das Schiff transportiert habe. "Eine vorstätzliche Straftag oder ein Terroranschlag sind auszuschließen", sagte Gutt.

Schiff wurde 2002 gebaut

Die "Lisco Gloria" war auf einer Routinetour von Kiel ins litauische Klaipeda. Dort sollte sie am Samstagabend um 20 Uhr eintreffen. Das Schiff wurde 2002 gebaut und hat noch keine Unglücke zu verzeichnen gehabt. Die "Lisco Gloria" ist eine von zwei Fähren, die auf der Route nach Klaipeda fahren. Jacobsen, der Reederei-Sprecher, sagte, die Passagiere hätten eine traumatische Erfahrung gemacht. Sie hätten die Wahl, eine Nacht in Deutschland zu bleiben oder mit anderen Transportmitteln nach Litauen weiterzureisen. Jacobsen: "Wir werden alles tun, um den Reisenden zu helfen."

Notruf für Angehörige Das Havariekommando hat einen Notruf für Angehörige der Passagiere der "Lisco Gloria" geschaltet. Die Nummer:

Tel: +49 (0)431 160 666

lk/DPA/dapd
 
 
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