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3. Februar 2009, 14:59 Uhr

Vatikan wehrt sich gegen Merkel-Kritik

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Papst Benedikt XVI. zu einer deutlichen Stellungnahme zum Umgang mit dem Holocaust aufgefordert. Es gehe darum, eindeutig klarzustellen, dass es keine Leugnung geben könne, sagte sie. Der Vatikan hält die Forderung der Kanzlerin für unangebracht.

Papst, Merkel, Holocaust, Pius-Bruderschaft, Rehabilitierung

Wird wegen der Rücknahme einer Kirchenstrafe gegen den britischen Holocaust-Leugner Williamson inzwischen von vielen Seiten attackiert: Papst Benedikt XVI.© Will Burgess/DPA

Papst Benedikt XVI. gerät wegen der Rehabilitierung eines Holocaust-Leugners in den eigenen Reihen zunehmend unter Druck. Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte ihn zu einer deutlichen Position in der Diskussion über den Umgang mit dem Holocaust auf. "Es geht darum, dass von Seiten des Papstes und des Vatikans sehr eindeutig klargestellt wird, dass es hier keine Leugnung geben kann", sagte sie. "Diese Klarstellungen sind aus meiner Sicht noch nicht ausreichend erfolgt", so Merkel am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Berlin.

Der Vatikan hält die Forderung der Kanzlerin für unangebracht. Die Verurteilung jeder Holocaust-Leugnung durch Benedikt XVI. hätte "nicht klarer sein können", sagte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi in Rom. Lombardi verwies darauf, dass der deutsche Papst seine Position zum Holocaust "mit großer Klarheit" unter anderem im August 2005 in der Kölner Synagoge und dann im Mai 2006 beim Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau dargelegt habe. Benedikt habe sich eindeutig auch auf die Sichtweise des Traditionalisten Williamson bezogen, sagte Lombardi. Zudem habe der Papst klar erklärt, dass die Zurücknahme der Exkommunikation nicht bedeute, dass damit die Holocaust-Leugnung legitimiert werde.

Merkel betonte, dass sie normalerweise innerkirchliche Entscheidungen nicht bewerte oder kommentiere. "Allerdings ist das anders, wenn es um Grundsatzfragen geht", sagte die Kanzlerin. "Und ich glaube, das ist schon eine Grundsatzfrage, wenn durch eine Entscheidung des Vatikan der Eindruck entsteht, dass es die Leugnung des Holocaust geben könnte, dass es um grundsätzliche Fragen auch des Umgangs mit dem Judentum insgesamt geht."

Entsetzen über den Papst

Auch der für die Beziehungen zum Judentum zuständige Kardinal Walter Kasper warf dem Vatikan schlechtes Management und mangelnde Kommunikation vor. "Man hat da vorher im Vatikan zu wenig miteinander gesprochen und nicht abgecheckt, wo die Probleme auftreten könnten", sagte Kasper im deutschen Programm von Radio Vatikan. Auch andere ranghohe Geistliche äußerten sich entsetzt über die Entscheidung des deutschen Papstes.

Entzündet hatte sich die Kontroverse an der Entscheidung Benedikts, die von seinem Vorgänger Johannes Paul II. vor 20 Jahren verfügte Exkommunikation von vier Bischöfen der ultrakonservativen Pius-Bruderschaft aufzuheben. Unter ihnen ist auch der Brite Richard Williamson, der den Völkermord der Nazis an sechs Millionen europäischen Juden und die Existenz von Gaskammern in den Vernichtungslagern offen leugnet. Die Entscheidung löste unter Überlebenden des Holocausts, progressiven Katholiken, US-Kongressabgeordneten und dem Zentralrat der Juden in Deutschland einen Sturm der Empörung aus.

Auch andere Theologen warfen dem Papst fundamentale Fehler vor, welche die Effektivität seines Pontifikats infrage stellten. "Er ist umgeben von Leuten, die nicht so intelligent sind wie er, und denen es nie in den Sinn käme, ihm zu widersprechen", sagte Pater Tom Reese vom Theologischen Zentrum der Georgetown-Universität in Washington. Ähnlich äußerte sich auch der Chef des deutschsprachigen Programms von Radio Vatikan, Eberhard von Gemmingen, der von offensichtlichen Defiziten in Organisation und Verwaltung des Kirchenstaates sprach. "So ein Missverständnis und Debakel darf es nie wieder geben."

Mehrere katholische Bischöfe in Deutschland äußerten ihr Unverständnis über die Rehabilitation Williamsons, der sich inzwischen beim Papst für Unannehmlichkeiten zwar entschuldigt, seine umstrittenen Äußerungen aber nicht zurückgenommen hat. "Wer den Holocaust leugnet, hat keinen Platz in der katholischen Kirche", erklärte der Münchner Erzbischof Reinhard Marx. Ähnlich äußerte sich auch sein Osnabrücker Kollege Franz-Josef Bode, der am Dienstag im NDR von völlig irritierten Gemeindemitgliedern sprach. Der Papst habe mit der Rehabilitation zwar einen Riss in der Kirche kitten wollen. "Aber es hätte nicht passieren dürfen, dass es sich auf einen Menschen bezieht, der den Holocaust leugnet", sagte Bode. "Da ist der Papst schlecht beraten gewesen."

"Wer sich unfehlbar fühlt, macht auch unfehlbare Fehler"

Scharfe Kritik am Papst kam auch vom Tübinger Theologen Hans Küng. Benedikt versuche immer noch, den Eindruck persönlicher Unfehlbarkeit in wichtigen Entscheidungen aufrechtzuerhalten, auch wenn er die Rehabilitation der ultrakonservativen Bischöfe eigentlich zurücknehmen müsste. "Wer sich unfehlbar fühlt, macht auch unfehlbare Fehler", sagte Küng im Bayerischen Rundfunk.

"Es bleibt eigentlich nur die Maßnahme, das rückgängig zu machen", sagte der Regensburger Theologieprofessor Wolfgang Beinert dem Bayerischen Rundfunk am Dienstag. Die andere Möglichkeit wäre, dass die Bruderschafts-Anhänger eindeutig alle Dokumente des Zweiten Vatikanischen Konzils anerkennen. Daran habe er aber Zweifel, sagte Beinert, der ein ehemaliger Schüler Joseph Ratzingers ist und in dessen Heimatgemeinde Pentling bei Regensburg als Seelsorger tätig ist.

Reuters/DPA/AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 54)
 
UR63 (05.02.2009, 20:13 Uhr)
Darum kümmert sich...
die FDJlerin auch nicht!
http://www.ksta.de/html/artikel/1233843074633.shtml
Kölle Alaaf!
karolus (05.02.2009, 14:02 Uhr)
Innere Angelegenheit
Innere Angelegenheiten? Gibt es nicht mehr!
Werte? Gibt es nicht mehr!
Pressefreiheit? Gibt es die noch? Oder wird sie mißbraucht?
Politische Manipulationen werden in der öffentlichkeit ausgetragen auf dem niedersten Niveau. Es geschieht nicht wegen der Sache - auch nicht der Verständigung wegen, sondern es sind eindeutig Hetz-Campagnen. So auch neuerdings gegen das Oberhaupt der Katholischen Kirche. Es sind Methoden nicht ungebildeter Personen. Wir wissen, daß das, das Werk einer "gebildeten" Schicht unserer Weltgemeinschaft ist, der außer Geld nichts mehr heilig ist.
Frank_aus_Genf (05.02.2009, 11:34 Uhr)
Adjeu Rom!
Leider höre ich weder von Politikerseite, noch von seiten des Klerus noch unter den Kommentaren irgendetwas über die besondere Stellung der deutschen Nation im Kontext mit Antisemitismus oder dem Verhältnis zur jüdischen Religion überhaupt. Denn nimmt man diese, auf der grausamen Vergangenheit beruhenden Position als Bewertungsgrundlage, dann dürfte die harsche Kritik aus Deutschland wohl eher verständich sein. Genauso, wie im zivilen Leben der Aufmarsch von ein paar hundert Neonazis in irgendeiner mittelgrossen deutschen Stadt weltweit mehr Aufsehen erregt, als die ganz legale Präsenz von Nazis in den Parlamenten von Italien, Österreich oder Frankreich, so wirken die unverständlichen Entscheidungen eines DEUTSCHEN Papstes in dessen Heimatland wesentlich vehementer auf Volkes Gemüt. Ein Umstand, den auch der Papst, trotz der Loslösung nationaler Zugehörigkeit seines Amtes, niemals vergessen sollte und daher als DEUTSCHER Papst umsichtiger entscheiden müsste.
Es spielt keine Rolle mehr, ob sich seine Heiligkeit nun deutlich zur Hologaustnegation geäussert hat oder nicht. Die Wiederaufnahme von Williamson in den Schoss derselben Kirche, die Mutter Theresa wegen Ihres selbstlosen Lebenswerks selig gesprochen hat, sowie das Einsetzen eines Bischofs in Österreich, der eine grauenvolle Naturkatastrophe als gerechte Strafe für ohnehin schon schlechter gestellte Mitmenschen betrachtet, sind Fakten, die schlicht und einfach die Verständnisfähigkeit von Christen und Nichtchristen übersteigen.
Spätestens seit dem 2. Vatikanischen Konzil dürfte man meinen, die Katholische Kirche habe sich auf die Grundlagen Ihres Religionsgründers, nämlich Offenheit, Toleranz, Konsens und den selbstlosen Einsatz für Gerechtigkeit und Güte besonnen. Für einen Christen der zuerst Christ und DANACH "Anhänger" der katholischen Kirche ist, leider ein schmerzlicher Trugschluss.
Nach jahrhundertelangen Hexenverbrennungen, Inquisitionen oder dem Auslöschen ganzer Zivilisationen im Namen des einzig wahren Gottes, hatte es die katholische Kirche im 20. Jahrhundert ENDLICH geschafft, gegenüber z.B. dem Islam weltweit als eine friedlichere und weniger agressive Religionsgemeinschaft dazustehen.
Was momentan allerdings passiert, lässt sie nur noch bösartig und zynisch erscheinen.
Als homosexueller, nicht parktizierender aber dennoch gläubiger Christ, der jahrelang für eine jüdische Firma gearbeitet hat, empfinde ich Scham und kann ich mich mit meiner "Heimatkirche" nicht mehr identifizieren.
Adjeu.
Countryjoe (05.02.2009, 09:40 Uhr)
Entchristianisierung
Trotz der im GG festgelegten Trennung von Staat und Kirche hat sich die Kanzlerin eingemischt. Zumindest sollte nun auch dem Letzen klar sein wen sie vertritt und wen nicht. Trotz des C in der CDU scheint diese Partei für eine Entchristianisierung Deutschlands zu stehen. Dies kann man ja auch an der Unterstützung dieser und auch anderer Parteien für fremde Religionen ablesen. Nun ja, immerhin dürfen wir noch wählen...
DerExperte (05.02.2009, 01:26 Uhr)
Und der Vatikan hat recht
Als eine der ersten hat eine frau lautstark auf der falschen seite den georgischen idioten unterstuezt und D nicht mit ruhm bekleckert!
kash (04.02.2009, 20:28 Uhr)
illusionen
ich dachte die katholiken sehen den pabst als unfehlbar an ? die zum teil massive kritik von seiten der katholiken an den pabst zeigt mir das sie selber nicht dran glauben was sie predigen..
Mastergirl (04.02.2009, 09:07 Uhr)
erst mal vor der eigenen Haustüre kehren
Frau Merkel sollte -statt den Papst-ihren Schäuble mal zurechtweisen. Warum sagt sie nichts zu all diesen Datenpannen? Diese nehmen immer größere Ausmaße an. Der Rechtsstaat wird hier im eigenen Land untergraben, dann regt sie sich über den Papst auf (was ihr nicht zusteht). Pfui!
Clibanarius (04.02.2009, 06:41 Uhr)
Sethus
"Dass Leute wie Frau Merkel nun versuchen, aus dieser Ungschicklichkeit Profit zu schlagen, ist nur peinlich."
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Bei der opportunistischen IM Erika ist nichts anderes zu erwarten als immer den Kopf nach dem Wind zu richten.
Clibanarius (04.02.2009, 06:21 Uhr)
mupfeline
"Für mich steht fest, eindeutig fest, das Stimmung gemacht werden soll gegen die Christen - oder, um genauer zu sein, gegen die christliche Gemeinschaft."
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Quatsch! Merkel will sich nur profillieren, indem sie sich bei der israelisch/jüdischen Seite und ihren "Fans" beliebt machen will. Ist das gleiche wie damals zu Beginn des Gaza-Überfalls, als Merkel von der ersten Minute an der Hamas die absolute Alleinschuld zu schon. Und da glaubst du allen ernstes, Merkels Positionsnahme wäre diesmal wohldurchdacht? Was war denn überhaupt wohldurchdacht, was diese Marionette und Kanzlerattrappe bisher sagte und tat?
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"Inzwischen ist ja auch der Zentralrat der Muslime in D auf diese Schiene mit aufgesprungen. Warum eigentlich? War es das was Frau Merkel wollte? Warum?"
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Lese und sehe ich andere Nachrichten oder wo steht deine Behauptung? Und wenn es so wäre? Wieder ein...*hust*...Beweis für eine muslimische Weltverschwörung?
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"Wir haben nicht von ungefähr eine Trennung von Staat und Kirche in Deutschland."
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Danke, das ist der grösste und beste Witz bisher im noch jungfräulichen Jahr 2009!*gg*
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Dem Rest deiner Post stimme ich dagegen voll zu.
manesse (04.02.2009, 00:36 Uhr)
@Sethus Calvisius
Sie haben ja Recht, es ist bedenklich, dass diese widerlichen Piusgeschöpfe wieder in die Kirche integriert werden sollen. Freilich sehe ich zweierlei: Zum einen ist die Chance relativ groß, die Piusleute, wenn sie sich tatsächlich wieder in den Schoß der Kirche begeben sollten, innerhalb der Kirche ruhig zu stellen. Und ich glaube, dass es wenig wahrscheinlich ist, dass sie größeren Einfluss auf den Kurs der Kirche ausüben könnten, wenn sie wieder dabei sind.
Zum anderen stellt sich die Frage, ob es wünschenswert ist, dass diese Piusleute weiterhin unkontrolliert schalten und walten können. Dann muss die Gesellschaft bspw. weiterhin mit judenfeindlichem Gesabber von diesem Williamson leben. Wer eine andere Strategie weiß, um diesen Piusbrüder aus dem Verkehr zu ziehen, soll das sagen. Ich zumindest bin der Ansicht, dass nur die vom Papst und dem Vatikan unternommene Python-Strategie erfolgreich sein könnte: Umarmen bis zum Ersticken!
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