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16. September 2006, 16:30 Uhr

Provokation oder Missverständnis?

Rasch und ohne langes Zögern hat sich Benedikt XVI. zum Einlenken entschlossen. Die Welle der Empörung in der muslimischen Welt wird ihn zutiefst erschreckt haben. Die Debatte um Islam und Gewalt hat jedoch erst begonnen.

Papst Benedikt XVI. - gewohnt gegen den Strom zu schwimmen© Matthias Schrader/DPA

Ein paar ungeschickte Worte im bayerischen Regensburg, ein etwas haariges mittelalterliches Zitat über den Propheten Mohammed - und der deutsche Pontifex hatte die schwerste Krise seit seinem Amtsantritt ausgelöst. Die Gefahr einer weiteren Eskalation musste verhindert werden. Ob ihm das mit der Erklärung seiner "Nummer Zwei" im Vatikan tatsächlich gelingt, wird sich zeigen.

Kein klares Wort zum umstrittenen Zitat

"Der Papst wird sich niemals entschuldigen", hatte ein römischer Vatikaninsider gemeint. Tatsächlich nahm Jospeh Ratzinger auch kein Wort seiner Rede an der Universität Regensburg zurück. Aber das Eingeständnis, möglicherweise doch einiges gesagt zu haben, was "beleidigend für die Gefühle der muslimischen Gläubigen geklungen haben könnte", lässt schon echte Betroffenheit erahnen. Zudem ließ der Papst ausführlich seine Wertschätzung des Islams mitteilen. Nur zum verunglückten Mohammed-Zitat, das dem Propheten nur "Schlechtes und Inhumanes" bescheinigte, gab es kein klares Wort.

Während sich die Proteste vom Westjordanland bis Südasien ausbreiteten, fragten sich Vatikanexperten in Rom am Samsag einmal mehr, was den Papst zu seinen Äußerungen getrieben haben könnte. Zwar lässt sich bei vollständiger Textexegese sein Eintreten für Verständigung und Dialog deutlich erkennen. "Aber ein wenig provozierend war die Rede schon", meint ein römischer Theologe, der in Regensburg dabei war. "Ich hab mir gleich gedacht: Achtung."

Als Selbstmordattentäter maskierte Palästinenser. Debatte um Islam und Heiligen Krieg "muss geführt werden"© Mohammed Ballas/AP

Thema Heiliger Krieg wird gemieden

Zwar hieß es auch in der Erklärung von Kurienkardinal Tarcisio Bertone am Samstag, dass es sich lediglich um ein Zitat in einer akademischen Rede gehandelt habe. "Doch Benedikt musste wissen, dass ein Papst längst nicht alles sagen darf, was ein Professor sagen kann", meint ein Vatikankenner in Rom.

Dabei geht es beim Thema Heiliger Krieg ja nicht gerade um ein akademisches Thema - angesichts der weltweiten Anschlagswelle selbst ernannter Gotteskrieger brennt die Frage unter den Nägeln. "Die Tatsache ist allerdings, dass die Theologieprofessoren über dieses Thema ziemlich wenig reden", meinte die römische Zeitung "La Repubblica" am Samstag. "Wie viele religiöse und weltliche Autoritäten gibt es denn, die Lust oder Mut haben", zu dem heißen Eisen Stellung zu nehmen?, meint das Blatt.

Ratzinger, der einstige Glaubenspräfekt, war es schon immer gewohnt, gegen den Strom zu schwimmen und Kritik über sich ergehen zu lassen, meinen manche in Rom. Er werde auch diesmal Stand halten. Aber beim Thema Islam und Gewalt steht zu viel auf dem Spiel, erst mal musste das Feuer gelöscht werden. "Die Diskussion hat erst begonnen", meinte ein römischer Theologe, "und sie muss geführt werden."

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Peer Meinert/DPA
 
 
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