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4. Februar 2009, 08:00 Uhr

Zentralrat der Juden lobt Merkel

Geteiltes Echo auf die Papst-Kritik von Bundeskanzlerin Angela Merkel: Der Zentralrat der Juden sprach ihr seine "Hochachtung und Anerkennung" für die deutlichen Worte aus, mit der Merkel vom Papst eine Klarstellung zu Holocaust-Leugner Bischof Williamson gefordert hatte. Der Vatikan hingegen zeigte sich extrem kühl.

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Der Papst und die Kanzlerin: Angela Merkel hat von Benedikt XVI. nach der Rücknahme einer Kirchenstrafe für den britischen Holocaust-Leugner Richard Williamson eine Klarstellung gefordert© Federico Gambarini/DPA

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat ausdrücklich begrüßt, dass sich Bundeskanzlerin Angela Merkel in die Debatte um die Aufhebung der Exkommunikation des Holocaust-Leugners Richard Williamson eingemischt hat. "Hochachtung und Anerkennung für die Bundeskanzlerin, dass sie sich in dieser diffizilen Angelegenheit zu Wort meldet", sagte der Zentralrats-Generalsekretär Stephan Kramer der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" ("WAZ"). "Das zeigt, welche Umsicht und welches Verantwortungsgefühl sie hat", fügte Kramer an.

Auch der Zentralrat fordere eine Klärung. "Sie ist wichtig nicht nur für die Kirche, sondern auch für die bundesdeutsche Gesellschaft." Als einzigen Weg aus dieser schweren Krise will der Zentralrat ein Gespräch mit dem Papst führen. "Ich werde meinen Gremien vorschlagen, mit der Bischofskonferenz zusammen ein Gespräch mit dem Papst zu führen. Ich hoffe, dass dieses Signal gehört wird", sagte Kramer.

Der Vatikan hatte die Forderung von Bundeskanzlerin Angela Merkel nach einer Klarstellung im Zusammenhang mit dem britischen Holocaust-Leugner Richard Williamson zuvor scharf zurückgewiesen. Eine solche Klarstellung sei unangebracht, sagte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi in Rom. Die Verurteilung jeder Holocaust-Leugnung durch Papst Benedikt XVI. hätte "nicht klarer sein können".

In einer ungewöhnlichen Reaktion auf die strittige Rücknahme der Kirchenstrafe für Williamson hatte Merkel zuvor erklärt: "Es geht darum, dass vonseiten des Papstes und des Vatikans sehr eindeutig klargestellt wird, dass es hier keine Leugnung geben kann." Dies sei aus ihrer Sicht "noch nicht ausreichend erfolgt".

Der Papst hatte am vergangenen Mittwoch nach der Aufhebung der Exkommunikation von vier traditionalistischen Bischöfen, darunter Williamson, nachdrücklich seine "volle Solidarität" mit den Juden erklärt und sich von einer Leugnung der Judenvernichtung distanziert. Benedikt habe sich eindeutig auch auf die Sichtweise des Traditionalisten Williamson bezogen, sagte Lombardi. Zudem habe der Papst klargemacht, dass die Zurücknahme der Exkommunikation nicht bedeute, dass damit die Holocaust-Leugnung legitimiert werde.

"Signal für die Vergiftung und gegen die Versöhnung"

Die Teilrehabilitierung der Bruderschaft sei "ein Signal für die Vergiftung und gegen die Versöhnung", kritisierte der Vizepräsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, den Vatikan. Benedikt XVI. müsse diese Entscheidung "klar und unzweideutig zurücknehmen", sagte er dem Nachrichtensender n-tv. Neben der Holocaust-Leugnung müsse auch bedacht werden, dass die traditionalistische Piusbruderschaft fundamentalistisch, antisemitisch und reaktionär sei, sagte Graumann.

Der Zentralrat erwägt nach Angaben Graumanns, in diesem Jahr der "Woche der Brüderlichkeit" fernzubleiben. Der Koordinierungsrat der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit appellierte deshalb an den Zentralrat, doch teilzunehmen. Man müsse der Kritik an der teilweisen Rehabilitierung Williamsons eine Plattform geben, sagte der Präsident des Koordinierungsrates, Henry Brandt, im Deutschlandradio Kultur. Brandt, der auch Vorsitzender der Allgemeinen Rabbinerkonferenz ist, forderte vom Papst eine Maßregelung des Traditionalisten.

Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone sagte der katholischen Zeitung "Avvenire", Benedikt und allen seinen Mitarbeitern liege auch künftig an guten Beziehungen zum Judentum. Die Bruderschaft habe sich von Äußerungen ihres Mitbruders distanziert und den Papst "für diese unerfreuliche Episode um Verzeihung gebeten", erinnerte Bertone. Der Papst selbst habe sich am vergangenen Mittwoch klar dazu geäußert, "die Angelegenheit ist aus meiner Sicht beigelegt".

Berliner Erzbischof für Rücknahme der Papst-Entscheidung

Der Berliner Erzbischof Georg Sterzinsky hat den Papst zu einer Korrektur seiner Entscheidung zu Williamson aufgefordert. Der Kardinal sagte der "Bild"-Zeitung, die Aufhebung der Exkommunikation von Williamson halte er nicht für richtig. "Das muss in Ordnung gebracht werden." Das Mindeste sei eine Überprüfung dieser Entscheidung. "Nach meinem Empfinden ist zu erwarten, dass dabei ein anderes Ergebnis herauskommt", sagte Sterzinsky. Für den Fall, dass Fehler gemacht wurden, müsse eine Entschuldigung ausgesprochen werden, "egal, auf welcher Ebene"

"Es sind mit Sicherheit Fehler im Management der Kurie gemacht worden", sagte der deutsche Kurienkardinal Walter Kasper in einem Interview von Radio Vatikan. Die Kritik an der Entscheidung des Papstes nimmt auch in der katholischen Kirche weiter zu. In seiner Gemeinde herrsche viel Unmut über das Vorgehen des Vatikans, sagte der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode dem Sender NDR info.

Papst-Schüler Wolfgang Beinert forderte den Vatikan zum Handeln auf. Beinert nannte das Vorgehen Benedikts beispiellos. Bisher hätten Gruppierungen, die im Widerspruch zum Papst standen, immer erst ihren Auffassungen abschwören müssen. Die vier Bischöfe hätten ihre abweichenden Auffassungen aber nicht revidiert.

DPA/Reuters
 
 
KOMMENTARE (10 von 47)
 
cebo21 (05.02.2009, 11:22 Uhr)
Man muss nicht unbedingt die Politik
der Kanzlerin Merkel für so toll halten. Aber bekanntlich braucht jede Wahrheit einen Mutigen, der es auch ausspricht.
Jeder vernünftiger Mensch, unabhängig welcher Konfession oder gesellschaftlicher Stellung auch immer, kann die Ereignisse aus dem Vatikan nicht nachvollziehen.
Wenn jemand, egal wer es ist, etwas falsch macht, so sollte doch die Möglichkeit bestehen darauf hinzuweisen, dass es nicht in Ordnung ist.
Konstruktive Kritik kann jedem Menschen nur gut tun.
Die Kunst liegt einfach darin, nachzudenken um das Richtige zu tun.
Administrator (05.02.2009, 11:07 Uhr)
Liebe User,
wir schließen die Debatte an dieser Stelle. Der Grund: Sie geht bereits seit einiger Zeit am Thema des Artikels vorbei und wird zusehends ausfallender.
Mit freundlichen Grüßen,
Ihre stern.de-Admins
Schwaebin (05.02.2009, 09:45 Uhr)
@Progreso
Bei ihrem sinnlosen Geschwafel könnte man meinen, Sie sind von den Zeugen Jehovas.
Countryjoe (05.02.2009, 09:42 Uhr)
Volksvertreter?
Zumindest hat die Kanzlerin klar Position bezogen (oder beziehen müssen) und man weiß nun wen sie vertritt und wer sie lenkt.
mupfeline (05.02.2009, 07:52 Uhr)
@manesse
Da fast alle übrigen Kommentar-Funktionen zu diesem Thema in anderen Beiträgen abgeschaltet sind schreibe ich es hier - Es ist traurig und betrüblich wie sich die Kanzlerin hier verhalten hat. Beschämend. Die Meinung irgendwelcher Zentralräte halte ich in diesem Fall für zweitrangig. Es ist die Bösartigkeit mit der ein integerer Mann plötzlich aus allen Ecken überzogen wird. Einfach nur beschämend da der Papst schon mehrmals seinen Standpunkt in dieser Sache dargelegt hat. Seinen eindeutigen Standpunkt übrigens. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren dass Teile der deutschen Bevölkerung sich a) Asche aufs Haupt kippen für Taten die lange vor ihrer Geburt statfanden und b) es viele Deutsche regelrecht anmacht eigene Landsleute niederzumachen.
Ich verweise hier auf das Beispiel des polnischen Papstes. Auch er hatte manchmal ziemliche abstruse Vorstellungen was z. B. die Abtreibungspolitik oder Homosexualität betraf. Und trotzdem - niemals haben die Polen den Papst, den sie immer als einen der ihren betrachteten - so demontiert wie das gerade Teile der deutschen Medien und deutschen Politik tun. Ich verwende das Wort bewusst: Es ist im Moment eine mediale Hexenjagd im Gange. Erschreckend was hier abläuft. Einfach nur erschreckend.
Nachttrag: Ich bin nicht katholisch, in keiner Kirche und mein Glaube ist meine Sache - und trotzdem erkenne ich dass hier jedes vernünftige Maß in Kritik und Augenmaß bei weitem überschritten wurde.
mupfeline (05.02.2009, 07:37 Uhr)
Das freut die Kanzlerin sicher -
dass sie gelobt wird. Dann soll sie sich auch von den Herrschaften wählen lassen.
manesse (05.02.2009, 01:18 Uhr)
Die Protestanten!
Vor allem werden wir Katholiken nicht vergessen, wie niederträchtig sich die deutsche Protestantenschaft in dieser Angelegenheit benommen hat. Diese Leute faseln etwas von angeblich vorenthaltener Ökumene von katholischer Seite aus und sind nicht einmal im Stande, überzogener Kritik, Verleumdungen und Beleidigungen des Papstes und der katholischen Kirche entgegenzutreten. Die Protestanten haben in dieser Sache ihr wahres Gesicht gezeigt. Sie haben der Ökumene schweren Schaden zugefügt. Das Misstrauen der katholischen Kirche gegenüber den feigen und hinterhältigen Amtspersonen der protestantischen Kirchen hat sich als angebracht erwiesen.
n8g8 (05.02.2009, 00:06 Uhr)
Nicht kapiert, was zählt!!!
Man fragt sich langsam ernsthaft, was das soll: Da reitet die wandelnde Knopfleiste ne 1A in Krisenzeiten willkommene Ablenkungstaktik und der Zentralrat findets juuut.- Obwohl er drei Tage vorher noch das *zustimm* lächerliche und alberne BT-Protokoll und den latenten Antisemitismus der Regierung angeprangert hat?!?
Naja, so langsam wundert einen nichts mehr. Man geht als deutscher Linker dank Justizia mehrmals im Jahr auf ne Anti-Fascho-Demo. Und der Zentralrat bemängelt lautstark bei Illner, dass die Linkspartei im BT ne Erklärung nicht unterzeichnet hat, die von den anderen Parteien BEWUSST SO gefaked wurde = parlamentarisch mit einer weiteren Erklärung verbunden wurde gegen das eigene Verständnis der Linkspartei!?!
MICH wundert beim Zentralrat nichts mehr. Ich habe unter meinem jüdischen Vornamen Anfragen gestellt, was sie von aktuellen faschistoiden Zügen (BKA-Gesetz) der derzeitigen Politik halten - und bis heute keine Antwort darauf bekommen. -
Auch wenn ich die Kritik am "Papa" berechtigt finde, denke ich, dass sich der Zentralrat ZU willfährig DIESEN herrschenden, selbsternannten Eliten anpasst, obwohl man von ihnen und ihren elitären Charaktereigenschaften aus der Vergangenheit leider mehr als genug hat lernen können...!
Aber all das Unverständnis und meine persönliche Enttäuschung wird mich TROTZdem nicht aufhalten, auch wieder auf die nächste Anti-Nazi-Demo zu ziehen. :-)))
Sternenzeit (04.02.2009, 18:14 Uhr)
Doch noch auf ein Wort......
...traurig was dieser "religöse Mist"
für Ausmaße annimmt! Dank "auch ihrer" Berichterstattung, lieber Stern! Mußte jetzt auch noch der immer "offene, ehrliche, bescheidene, gerechte....etc" M. Friedmann alias....(möchte das jetzt nicht ausufern lassen!) auch zu Wort kommen? Aber ja doch, sie haben nur aus einem Radiointerview zitiert. Komisch das dieser Artikel nicht kommentiert werden kann. Ängstlich? Heizen sie weiter an, bravo! Egal ob Moslem, Jude oder Christ....mir sch...egal!!!!! Religion im Munde des Falschen, ist immer eine gefährliche Waffe!!!! Das kann man hier an einigen sehr sehr dummen Kommentaren lesen, wie weit unsere Zivilisation gediehen ist das wir uns von einer "extremistischen Minderheit" geißeln lassen! Nochmal, Gratulation jetzt haben sie ihre Schlagzeilen über den "senilen Herrenclub in Rom" und den "Moralhelden des Alltags"...Bravo! "Jeder Standpunkt ist glaubhaft, selbst der Standpunkt eines Ungläubigen!"
gerhardrolf (04.02.2009, 18:01 Uhr)
Die Merkel und der Papst!
Na das ist doch mal was genaues.
Unsere evangelische Pafferstochter geht den katholischen Papst an.
Warum muss ich mir, der mit der NS Zeit schon allein aus altersgründen nichts zu tun haben kann, ständig diesen Schwachsinn des ZdJ anhören??
Das tolle Wort Volksverhetzung ist was für Beschränkte und Gesinnungspezialisten, die ja lt. Gesetz seit den 90ziger Jahren Hochkonjuktur in Deutschland haben.
Mich würde mal interessieren wie der Staatsvertrag aussieht zwischen dem ZdJ und dem Bund.Wahrscheinlich Staatsgeheimnis, weil sonst jeder ehrliche Bürger auf die Barrikaden gehen würde.
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