Auch bei Edeka lag Pferdefleisch im Kühlregal

14. Februar 2013, 15:32 Uhr

Nach Real hat auch Deutschlands größte Supermarktkette Edeka Pferdefleisch in Lasagne-Produkten des Sortiments gefunden. Mit Medikamenten verseuchtes Fleisch wurde indes in Frankreich verkauft.

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Ein britischer Schlachter in Liverpool bei der Arbeit. Inzwischen hat auch Deutschlands größte Supermarktkette Edeka Pferdefleisch in Lasagne-Produkten gefunden.©

Auch die Einzelhandelskette Edeka ist bei der Suche nach Pferdefleisch in Fertiggerichten fündig geworden. In dem Tiefkühl-Produkt "Gut & Günstig Lasagne Bolognese" seien bei Analysen in einzelnen Stichproben geringe Mengen Pferdefleisch gefunden worden, sagte ein Edeka-Sprecher am Donnerstag in Hamburg. Der Artikel sei bereits am Dienstag vorsorglich aus dem Verkauf genommen worden, nachdem der Lieferant eine mögliche Beimischung von Pferdefleisch nicht habe ausschließen können. Der Anteil liege bei einem bis fünf Prozent.

Die Supermarktkette Real hatte am Mittwochabend mitgeteilt, dass in Proben der Tiefkühllasagne Bolognese seiner Eigenmarke TiP Anteile von Pferdefleisch gefunden worden seien und das Produkt deswegen zurückgerufen. Konkurrent Rewe nahm am Donnerstag Lasagne und Cannelloni der Marke Tulip aus dem Sortiment, weil der Hersteller nicht ausschließen konnte, dass die beiden Produkte Pferdefleisch enthalten könnten. Auch der Tiefkühllieferservice Eismann und die Supermarktkette Kaiser's Tengelmann haben Fertiglasagne aus dem Sortiment genommen.

Affäre erreicht weitere Bundesländer

Welche Bundesländer von dem Skandal betroffen sind, wird erst nach und nach deutlich. Am Donnerstagnachmittag teilte das Verbraucherschutzministerium in Dresden mit, es gebe "erste Hinweise über punktuelle Lieferungen" von Lebensmitteln, in denen nicht gekennzeichnetes Pferdefleisch enthalten sein könnte. Von Nordrhein-Westfalen aus sollen demnach auch Zentrallager von Edeka in Sachsen mit "Gut & Günstig"-Lasagne beliefert worden sein.

Berlins Verbraucherschutzsenator Thomas Heilmann (CDU) erklärte, auch Berliner Supermärkte seien "sehr wahrscheinlich" mit Pferdefleisch-Lasagne beliefert worden. In einer Telefonkonferenz hätten die Berliner Handelsunternehmen erklärt, bereits am 6. Februar nach einem Hinweis des Herstellers die verdächtigen Waren zurückgezogen zu haben.

Zuvor hatten bereits die Behörden in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg mitgeteilt, dass dort möglicherweise Lasagne mit Pferdefleisch in den Handel gelangt sei.

Pferde mit Phenylbutazon gespritzt

Tests der britischen Lebensmittelaufsicht haben ergeben, dass Fleisch von drei mit dem Medikament Phenylbutazon gespritzten Pferden wohl in die Nahrungskette geraten ist. Das in der Tiermedizin zu therapeutischen Zwecken verwendete Phenylbutazon weise für Menschen nur ein geringes gesundheitliches Risiko auf, hieß es am Donnerstag in London.

Der britische Ernährungsstaatssekretär David Heath sagte im Parlament nach Informationen der BBC, das Fleisch von drei mit dem Medikament Phenylbutazon gespritzten Pferden sei von Großbritannien nach Frankreich verkauft worden. Die Lebensmittelaufsicht arbeite mit den französischen Behörden zusammen, um das Fleisch aus der Nahrungskette zurückzuhalten. Tests auf Phenylbutazon in Frankreich seien bislang negativ ausgefallen.

Frankreich macht Schuldigen aus

Die Regierung in Paris machte unterdessen die Firma Spanghero in Südwestfrankreich als einen Schuldigen in dem Skandal aus: Spanghero habe gewusst, dass sie Pferdefleisch als Rindfleisch verkaufte, teilten das Verbraucher- und das Landwirtschaftsministerium mit. Spanghero habe sich eines "Wirtschaftsbetruges" schuldig gemacht und werde zur Verantwortung gezogen werden. Der Firma sei mit sofortiger Wirkung die Zulassung zur Fleischverarbeitung entzogen worden. Nach weiteren Untersuchungen werde entschieden, ob die Betriebserlaubnis endgültig entzogen werden.

Spanghero hatte das Fleisch aus Rumänien bezogen und die französische Firma Comigel in Metz beliefert, die europaweit zahlreiche Fertigprodukte verkauft.

Gentests sollen Verbraucher schützen

Die EU-Kommission will mit DNA-Tests wirksamer gegen falsch deklariertes Fleisch vorgehen. Die ersten 2500 Gentests könnte es den Plänen zufolge im März geben, etwa 200 davon in Deutschland, teilte EU-Verbraucherkommissar Tonio Borg am Mittwochabend nach einem Krisentreffen acht beteiligter Staaten in Brüssel mit. Ergebnisse sollen Borg zufolge Mitte April veröffentlicht werden. Insbesondere Irland und Großbritannien hatten auf gentechnische Untersuchungen gedrungen.

Um sicherzustellen, dass Verbraucher mit dem Fleisch keine Pferdemedikamente zu sich nehmen, will die EU-Kommission eine weitere Testreihe zu Phenylbutazon vorschlagen. Es wird auch als Doping-Mittel im Pferdesport verwendet. 1500 in die EU eingeführte geschlachtete Pferde sollten untersucht werden, zudem 2500 in Europa geschlachtete Tiere. Die EU-Kommission will den Mitgliedsstaaten bei der Fahndung nach Rückständen freie Hand lassen.

kmi/DPA/AFP
 
 
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