Auch bei Edeka lag Pferdefleisch im Kühlregal

13. Februar 2013, 16:25 Uhr

Nach Real hat auch Deutschlands größte Supermarktkette Edeka Pferdefleisch in Lasagne-Produkten des Sortiments gefunden. Mit Medikamenten verseuchtes Fleisch wurde indes in Frankreich verkauft.

Der Lebensmittelskandal um als Rindfleisch deklariertes Pferdefleisch weitet sich aus: Nach Großbritannien und Schweden ist auch in Deutschland statt Rindfleisch Pferdefleisch in Fertiggerichte gelangt. Die Supermarktkette Real hat eine Tiefkühl-Lasagne aus dem Verkehr gezogen, nachdem bei Stichproben Anteile von Pferdefleisch entdeckt worden waren. Sechs Unternehmen standen am Mittwoch auf der Kontroll-Liste der Behörden.

Das nordrhein-westfälische Verbraucherschutzministerium erklärte, dass ihm eine Lieferliste vorliege, die über das EU-Schnellwarnsystem übermittelt worden sei. Dieser sei zu entnehmen, dass zwischen November 2012 und Januar 2013 über einen Zwischenhändler in Luxemburg Produkte "in größerem Umfang" nach Deutschland und nach Nordrhein-Westfalen geliefert worden seien, "die im Verdacht des Kennzeichnungsverstoßes mit Pferdefleisch stehen". Die Lieferungen gingen demnach nicht nur an Discounter und Lebensmittelketten, sondern auch andere Lebensmittelunternehmen.

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Welche Unternehmen haben bereits reagiert?

Die Supermarktkette Real hatte am Mittwoch die Tiefkühl-Lasagne der Eigenmarke Tip zurückgerufen, nachdem bei Stichproben Anteile von Pferdefleisch entdeckt worden waren. Kaiser's Tengelmann hatte vorsorglich vor einer Woche die A&P Tiefkühllasagne aus dem Verkauf genommen. Edeka lässt alle "alle relevanten Eigenmarkenprodukte" überprüfen. Daneben nehmen auch Rewe und Eismann ihre Produkte unter die Lupe. Bis jetzt wurde allerdings bei keinem dieser Produkte nachgewiesen, dass tatsächlich Pferdefleisch enthalten ist.

Ist Pferdefleisch gesundheitsschädlich?

In der aktuellen Diskussion ist der Genuss von Pferdefleisch mit einem Ekelfaktor verbunden. Dabei gilt es eigentlich als Delikatesse. "Pferdefleisch ist sogar gesünder als anderes rotes Fleisch", sagt Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg. "Es ist reich an Eisen und fettarm."

Das Fleisch ist daher auch in Deutschland offiziell zum Verkauf zugelassen. Doch: "Es muss richtig gekennzeichnet sein", betont Valet. Genau dies ist in dem aktuellen Fall aber nicht passiert. Und das macht nicht nur den Lebensmittelexperten skeptisch. "Dass etwas nicht in Ordnung ist, liegt zumindest nahe."

Gab es bereits ähnliche Skandale?

Verbraucherschützer Valet ist kein anderer Skandal bekannt, bei dem in der Vergangenheit statt Rindfleisch systematisch Pferdefleisch in Lebensmitteln verarbeitet wurde. "Pferdefleisch ist nicht unbedingt günstiger", sagt der Lebensmittelexperte. "Zumindest dann nicht, wenn es sich um für die Lebensmittelverarbeitung zugelassene Tiere handelt."

Geld einsparen ließe sich allerdings, wenn ältere Tiere geschlachtet werden, oder solche, die eigentlich anderweitig eingesetzt wurden - etwa als Rennpferde. "Dann ist die Gefahr gegeben, dass die Tiere mit Medikamenten behandelt oder dass bei der Schlachtung die Hygienestandards nicht eingehalten wurden", sagt Valet.

Könnte das Fleisch belastet sein?

Da das Fleisch nicht offiziell etikettiert in den Handel gelangte, ist diese Gefahr durchaus vorhanden. Denn Pferde werden häufig mit dem Wirkstoff Phenylbutazon behandelt. Das Schmerzmittel wird bei Pferden im Hochleistungssport auch unerlaubterweise als Dopingmittel eingesetzt. Tiere, die Phenylbutazon erhalten, dürfen in der EU nicht zur Fleischproduktion verwendet werden. Der Wirkstoff kann der Gesundheit des Verbrauchers schaden - und etwa Blutungen hervorrufen.

Wie gefährlich der Verzehr eines belasteten Produktes für Verbraucher ist, darüber könne man aktuell nur spekulieren, sagt Valet. "Dazu müssen die Untersuchungsergebnisse aus Großbritannien abgewartet werden." Eine direkte Gefahr sieht der Verbraucherschützer aber erst einmal nicht.

Wer Pferdefleisch verzehrt, sollte sich ohnehin darüber im Klaren sein, dass die Produkte mit Phenylbutazon belastet sein können, auch wenn sie ganz regulär in den Verbrauch gelangen. So warnte die EU Anfang dieses Jahres vor gekühltem Pferdefleisch aus Großbritannien, das mit dem Wirkstoff belastet war.

Können Verbraucher das Fleisch an Aussehen und Geschmack erkennen?

Roh sieht Pferdefleisch aus wie Rindfleisch: "Je nachdem wie alt das Tier war, ist das Fleisch hell- bis dunkelrot", sagt Valet. Der Geschmack variiert von leicht süßlich bis säuerlich, das Fleisch gilt als besonders zart. "Wird es versteckt in Fertiglebensmitteln verarbeitet, ist es für den Verbraucher allerdings nicht zu erkennen", sagt Valet. Der Verbraucherzentrale Hamburg sind keine Produkte mit Pferdefleisch bekannt, die offiziell in deutschen Supermärkten zu finden sind.

Wie häufig landet Pferdefleisch in Deutschland auf dem Teller?

Relativ selten. Laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung liegt der Verbrauch in Deutschland bei etwa 50 Gramm pro Person und Jahr. Im dritten Quartal 2012 wurden laut Statistischem Bundesamt 2500 Pferde geschlachtet. Zum Vergleich: Im selben Zeitraum waren es 14.500.000 Schweine und 900.000 Rinder.



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