Möglicherweise Pferde-Lasagne in Baden-Württemberg

14. Februar 2013, 10:11 Uhr

Nun wird offenbar auch das Ländle vom Pferdefleisch-Skandal heimgesucht. Verbraucherministerin Aigner spricht von einer "echten Sauerei". Die EU will solche Skandale künftig mit Gentests verhindern.

Pferdefleisch, Fleisch, Skandal, Lasagne, gentests, Fertiggericht, Tiefkühlgericht, Rindfleisch, Deutschland, Aigner

Ab in den Ofen: Auch in Deutschland ist in Fertiglasagne nun Pferdefleisch entdeckt worden©

Nach Nordrhein-Westfalen ist möglicherweise auch in Baden-Württemberg Lasagne mit Pferdefleisch in den Handel gelangt. Lieferungen aus französischen Firmen, die in den Skandal um das falsch deklarierte Fleisch verwickelt sind, seien über Nordrhein-Westfalen nach Baden-Württemberg gelangt, teilte am Donnerstag in Stuttgart das Landesverbraucherministerium mit.

"Die verdächtige Ware wurde aus dem Verkehr gezogen", sagte eine Ministeriumssprecherin. Derzeit liefen Untersuchungen, um zu klären, ob die Lasagne tatsächlich falsch deklariertes Pferdefleisch enthalte. Die Ergebnisse dieser Tests sollen "bis spätestens Anfang der kommenden Woche" vorliegen, fügte die Sprecherin hinzu.

Während der Pferdefleisch-Skandal auch in deutschen Supermärkten angekommen ist, will die EU-Kommission verarbeitetes Rindfleisch per DNA-Test kontrollieren lassen. Bereits am Freitag sollen Experten aus allen 27 EU-Staaten über den Vorschlag aus Brüssel entscheiden.

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) nannte den Fund von Lasagne mit Pferdefleisch im deutschen Handel einen "krassen" Fall von Verbrauchertäuschung. "Man könnte fast sagen: Es ist eine echte Sauerei", sagte Aigner im ARD-"Morgenmagazin".

NRW-Verbraucherminister Johannes Remmel (Grüne) schließt weitere Funde nicht aus. "In diesem Fall haben wir es mit einer gewaltigen Verbraucher-Täuschung zu tun. Das ist kriminell", sagte Remmel am Donnerstag in derselben TV-Sendung.

Minister hält Gesundheitsgefährdung für möglich

Er schließt eine Gesundheitsgefährdung nicht aus. "Zumindest mal haben wir den Blick in den Abgrund einer europaweiten Verflechtung", sagte Remmel. Es gebe nur wenige Schnittstellen, über die alle Lebensmittelketten ihre Produkte bezögen. "Ich kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausschließen, dass es auch gesundheitsgefährdende Elemente gibt." Bisher fehlten jedoch umfassende Analysen.

Pferdefleisch ist grundsätzlich nicht bedenklich - jedenfalls das für die Verarbeitung zugelassene. Problematisch ist es jedoch, wenn Fleisch von Pferden in die Lebensmittelkette gelangt, die mit der Substanz Phenylbutazon behandelt wurden. Diesem Verdacht geht Großbritannien derzeit nach. Phenylbutazon wird häufig als Medikament für Pferde eingesetzt - teils aber auch als Dopingmittel. Für die Fleischverarbeitung vorgesehene Pferde dürfen damit nicht behandelt werden.

Derweil hatte die Supermarktkette Real am Mittwoch eine Tiefkühl-Lasagne zurückgerufen, nachdem bei einzelnen Stichproben Anteile von Pferdefleisch gefunden worden waren. Und auch andere Unternehmen wie Kaiser's Tengelmann, Rewe, Edeka und Eismann überprüfen verdächtige Produkte.

Erste Tests schon nächsten Monat

Die EU-Kommission will mit den DNA-Tests wirksamer gegen falsch deklariertes Fleisch vorgehen. Die ersten 2500 Gentests könnten den Plänen zufolge im März stattfinden, etwa 200 davon in Deutschland, teilte EU-Verbraucherkommissar Tonio Borg nach einem Krisentreffen von acht beteiligten Staaten in Brüssel mit. Ergebnisse sollen Borg zufolge Mitte April veröffentlicht werden. Insbesondere Irland und Großbritannien hatten auf Genuntersuchungen gedrängt.

In Deutschland stehen derzeit insgesamt sechs Unternehmen auf der Kontroll-Liste der Behörden. Aus der Auswertung der Lieferlisten ergebe sich, dass zwischen November 2012 und Januar 2013 über einen Zwischenhändler verdächtige Produkte in größerem Umfang nach Deutschland gekommen seien, sagte Verbraucherminister Johannes Remmel (Grüne) aus Nordrhein-Westfalen.

"TiP Lasagne" zurückgerufen

Die Metro-Tochter Real rief dann am Mittwochabend das Produkt "TiP Lasagne Bolognese, 400g, tiefgekühlt" zurück. "Diese Maßnahme erfolgt rein vorsorglich, da zu keinem Zeitpunkt ein Hinweis auf ein gesundheitliches Risiko für Verbraucher bestand", hieß es. Bereits am vergangenen Freitag hatte das Unternehmen aus Vorsicht nach einem Hinweis des Herstellers das Produkt aus dem Verkauf genommen.

In den vergangenen Wochen waren in mehreren Ländern der EU Fertiggerichte entdeckt worden, in denen statt des angegebenen Rindfleischs auch oder ausschließlich Pferdefleisch verarbeitet worden war. Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) nannte als Rindfleisch deklariertes Pferdefleisch einen "krassen und schlimmen Fall von Verbrauchertäuschung".

Auch auf Medikamente soll getestet werden

Um sicherzustellen, dass Verbraucher mit dem Fleisch keine Pferdemedikamente zu sich nehmen, will die EU-Kommission eine weitere Testreihe vorschlagen. Dabei sollen die Behörden Pferdefleisch auf mögliche Rückstände des Medikaments Phenylbutazon untersuchen. Das Mittel wird bei Pferden gegen Entzündungen eingesetzt. Es gilt auch als Doping-Mittel im Pferdesport. 1500 in die EU eingeführte Pferdekadaver sollten untersucht werden, zudem 2500 in Europa geschlachtete Tiere.

Europäer durchaus Pferdefleisch-Liebhaber

Die Europäer verspeisen nach Angaben der EU-Kommission wissentlich jährlich 110.000 Tonnen Pferd, 70.000 Tonnen davon aus heimischer Zucht.

Zum Thema
Panorama
Spende sucht soziale Helden
Aktion Deutschlands Herzschlag: Hier können Sie sich bewerben! Aktion Deutschlands Herzschlag Hier können Sie sich bewerben!
Noch Fragen?

Neue Fragen aus der Wissenscommunity

  von dorfdepp: Soll sich die westliche Welt Kuba gegenüber öffnen?

 

  von dorfdepp: Gibt es noch Vorbehalte gegen Online-Banking?

 

  von JennyJay: Heißt es "mittels Mobilkrane" oder "mittels Mobilkränen"?

 

  von bh_roth: Vorsätzliche Tötung

 

  von Amos: Warum muß ein Blinder bei "Wetten dass" eine geschwärzte Brille tragen?

 

  von Amos: Seit heute steigen die Preise der DB, wenn ich per Kreditkarte oder Internet bezahle.

 

  von Bananabender: Der Mythos Megapixel

 

  von Amos: Warum müssen verunglückte Reitpferde immer eingeschläfert werden?

 

  von Amos: Haus mit 5 Wohneinheiten. Jetzt steht eine Wohnung längere Zeit leer. Wie verhält es sich dann mit...

 

  von Amos: Smartphones zu Weihnachten: Kaufentscheidung abhängig von der Fotoauflösung? Telefonieren wäre doch...

 

  von StechusKaktus: Wie kann die kalte Progression abgeschafft werden?

 

  von bh_roth: Gastherme versetzen

 

  von Bananabender: Drucker Patronen

 

  von bh_roth: Lichterführung bei speziellen LKW

 

  von Amos: Wenn ich einen Karton Sekt aus Bequemlichkeit im Kofferraum "vergesse": wie hoch ist die...

 

  von Musca: Vogelschwarm filmen

 

  von Amos: Da ich als Arzt nicht mehr tätig bin, habe ich meine Berufshaftplicht gekündigt.

 

  von Amos: Eine Fondsgesellschaft schickt mir am 2..12.2014 die Steuerbescheinigung für 2013. Obwohl ich meine...

 

  von Gast: Ist der Nahme "Haircouture" geschützt

 

  von Gast: ich habe eine rente in höhe von 760 ?,wie viel kann ich dazu beantragen?