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12. Februar 2010, 15:30 Uhr

Zu wenige Eisenbügel und zu wenig Beton

In Köln gibt es immer neue Pfusch-Vorwürfe beim U- Bahn-Bau: Bei der Herstellung der unterirdischen Wände wurde nicht nur der Großteil der stabilisierenden Eisenbügel weggelassen, sondern nach Zeitungsberichten auch zu wenig Beton eingefüllt.

In Köln gibt es immer neue Pfusch-Vorwürfe beim U- Bahn-Bau: Bei der Herstellung der unterirdischen Wände wurde nicht nur der Großteil der stabilisierenden Eisenbügel weggelassen, sondern nach Zeitungsberichten auch zu wenig Beton eingefüllt. Dies gelte ausgerechnet für ein Wandteil in der Baugrube vor dem eingestürzten Stadtarchiv, berichteten der "Kölner Stadt-Anzeiger" und die "Kölnische Rundschau" am Samstag. Das Betonierungsprotokoll sei gefälscht worden. Als Quelle nannte die "Kölnische Rundschau" Kreise der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB). Dort war niemand für einen Kommentar erreichbar.

Der U-Bahnbau gilt als Ursache für den Einsturz des Kölner Stadtarchivs vor knapp einem Jahr, wobei zwei Menschen ums Leben kamen. Spekuliert wird, dass aufgrund von Baufehlern Grundwasser in die Baugrube direkt vor dem Archiv strömte und dies zum Einsturz führte.

Nach Angaben der Kölner Staatsanwaltschaft sind alle Berichte über etwaige Ursachen des Archiveinsturzes aber reine Vermutungen. "Es gibt zurzeit viele Spekulationen, aber keinerlei belastbare Erkenntnisse", sagte Oberstaatsanwalt Günther Feld in der vergangenen Woche der Deutschen Presse-Agentur dpa. "Die können wir auch nicht haben, weil die Schadensstelle noch gar nicht zugänglich ist." Sie befindet sich tief in der unter Wasser stehenden Baugrube. Es werde noch Monate dauern, bis diese Stelle für die Ermittler erreichbar sei, sagte Feld.

Die nordrhein-westfälische Landesregierung sorgt sich unterdessen um die Sicherheit der Jecken am Rosenmontag. Der Staatssekretär im Bauministerium, Günter Kozlowski (CDU), sagte am Freitagabend der Aktuellen Stunde im WDR-Fernsehen: "Natürlich machen auch wir uns Sorgen darüber, dass hier Hunderttausende Menschen in unmittelbarer Nähe der Baustelle unterwegs sind."

Zu der Entscheidung, den Rosenmontagszug dennoch nicht umzuleiten, sagte Kozlowski: "Wir werden uns das sehr sorgfältig angucken, ob die Maßnahmen, die der Oberbürgermeister und die KVB treffen wollen, ob die auch aus unserer Sicht hinreichend sind, diese Entscheidung zu rechtfertigen." Bauminister Lutz Lienenkämper (CDU) sagte: "Ich erwarte, dass die Entscheidungen des Oberbürgermeisters ausschließlich von der Sorge um die Sicherheit der Menschen bestimmt sind."

Zugleiter Christoph Kuckelkorn versicherte jedoch, der Rosenmontagszug sei sicher. "Weder die Zuschauer noch die Teilnehmer müssen sich Sorgen machen." Er stehe im ständigen Kontakt mit den Behörden. Wenn sich die Lage ändern sollte, werde er sofort handeln: "Im extremsten Fall könnten wir noch wenige Stunden vorher den Zugweg ändern."

Am Donnerstag war bekanntgeworden, dass in der Baugrube Heumarkt 83 Prozent der stabilisierenden Eisenbügel fehlen. Die Stangen sollen von Arbeitern an Schrotthändler verkauft worden sein. Dennoch bestehe keine Einsturzgefahr, versichert Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD). Geprüft wird allerdings noch, ob die Baugrube auch einem extremen Hochwasser standhalten würde. In wenigen Wochen beginnt die Schneeschmelze, und der Pegel des Rheins dürfte steigen.

DPA
 
 
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