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14. April 2009, 15:39 Uhr

Die Lösung liegt an Land

Somalische Piraten kapern ein Schiff nach dem anderen und nehmen Geiseln aus aller Herren Länder. Mittlerweile schreckt die internationale Gemeinschaft auch nicht mehr vor Gewalt zurück, um die Seeleute zu befreien. Deutsche Experten fordern nun, das Übel an der Wurzel zu packen und die desolate Lage auf dem Festland zu verbessern.

Somalia, Piraten, MV Irene, Golf von Aden, Entführung

Mit der "MV Irene" wurde binnen einer Woche bereits das dritte Schiff vor der Küste Somalias gekapert© Roberto Smera/AP

Im Kampf gegen die Piraterie muss sich die internationale Gemeinschaft nach Einschätzung der Bundesregierung stärker um eine Stabilisierung Somalias bemühen. "Ohne eine Befriedung der Lage an Land wird die Bekämpfung der Piraterie auf See schwerlich erfolgreich sein", sagte Verteidigungsstaatssekretär Thomas Kossendey (CDU) dem Deutschlandfunk.

Piraten kapern vier Schiffe in 48 Stunden

Vor der somalischen Küste brachten Piraten unterdessen vier Schiffe innerhalb von 48 Stunden in ihre Gewalt. Zuletzt soll der unter togolesischer Flagge fahrende Frachter "MS Sea Horse" gekapert worden sein. In der Nacht zum Dienstag war im Golf von Aden der griechische Frachter "MS Irene" in die Fänge von Piraten geraten. Die aus den Philippinen stammende 22-köpfige Besatzung blieb bei dem Überfall offenbar unverletzt. Bereits am Montag waren laut BBC in der gefährlichen Wasserstraße zwei ägyptische Fischerboote geentert worden.

Kossendey appellierte an die internationale Gemeinschaft, der somalischen Übergangsregierung stärker zu helfen. Justiz, Verwaltung und Sicherheitsstrukturen müssten wiederaufgebaut werden, damit die Regierung im eigenen Land für Ordnung sorgen könne, sagte der Staatssekretär. Auch die Vermittlungsgespräche zwischen den drei großen Bürgerkriegsparteien verdienten Unterstützung.

Somalia gilt als Prototyp eines zerfallenen Staates ohne Zentralregierung und funktionierende Institutionen. Seit der Flucht des Diktators Siad Barre 1991 versinkt das Land, das ohnehin zu den ärmsten der Welt zählt, in Bürgerkrieg, Kriminalität und Hungersnöten. Ein UN-Einsatz zur Stabilisierung Somalias, an dem sich zeitweilig auch die Bundeswehr beteiligte, scheiterte 1995.

Mit den Entführern des deutschen Containerschiffs "Hansa Stavanger" sowie deren Besatzung hat die Bundesregierung nach den Worten Kossendeys Kontakt. Parallel dazu gebe es Gespräche mit den Stammesführern an Land und vielen anderen, um eine Freilassung der Geiseln zu erreichen, sagte der CDU-Politiker. Auch der Krisenstab des Auswärtigen Amtes bemüht sich nach Angaben einer Sprecherin weiter um eine Lösung. Mit der "Hansa Stavanger" sind Anfang April vermutlich auch fünf deutsche Seeleute in die Hände der Piraten gefallen.

Eine gewaltsame Befreiung der deutschen Geiseln ist nicht ausgeschlossen

Der SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold schloss eine gewaltsame Befreiung der deutschen Geiseln nicht aus, mahnte allerdings zur Besonnenheit. In erster Linie gehe es um eine Verhandlungslösung, da jede Befreiungsaktion große Risiken berge, sagte er dem WDR. "Aber klar ist auch: Wenn das Leben der Geiseln unmittelbar bedroht ist, wie es bei dem amerikanischen Kapitän offensichtlich der Fall war, wird man sicher auch eingreifen müssen". Am Sonntag hatten US-Elitesoldaten den Kapitän der "Maersk Alabama" befreit und dabei drei der vier Seeräuber getötet.

Bereits am Freitag starben zwei Piraten und eine französische Geisel, als Soldaten eine gekaperte Jacht stürmten. Die Piraten hatten daraufhin Vergeltung gegenüber amerikanischen und französischen Bürgern angekündigt. Künftig würden alle Geiseln sofort getötet, wenn die Gefahr eines Angriffs seitens ihrer Landesstreitkräfte bestehe, erklärte ein Piratenführer. Der Generalstabschef der US-Streitkräfte, Admiral Richard Mullen, sagte, er nehme die Drohung ernst. Zugleich bekräftigte er, dass die USA auf jede Vergeltungsaktion entsprechend reagieren würden.

Reuters/DPA/AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 17)
 
STR_EDDS (15.04.2009, 11:03 Uhr)
Einige haben es bereits geahnt
Die Piraten verklagen uns. Keine schlechte Leistung. :-/ http://www.derwesten.de/nachrichten/nachrichten/politik/2009/4/14/news-117111922/detail.html
ganzbaf (15.04.2009, 09:17 Uhr)
Fischen geht nicht mehr...

weil die Asiaten und Europäer dort alles mit großen Trawlwen rausgefischt haben.
Jetzt halt Piraterie, so geht das Leben in einer nachhaltigen Welt.
PWB-NZ (15.04.2009, 00:34 Uhr)
@ Garnet:
Thanks mate. You got it quite right.
chapultepec (14.04.2009, 23:20 Uhr)
Yes: nuclear waste. As soon as the government was gone, mysterious European ships started appearing off the coast of Somalia, dumping vast barrels into the ocean
"...A spokesman for the United Nations Environment Program (UNEP), Nick Nuttall, told VOA that for the past 15 years or so, European companies and others have used Somalia as a dumping ground for a wide array of nuclear and hazardous wastes.
"There's uranium radioactive waste, there's leads, there's heavy metals like cadmium and mercury, there's industrial wastes, and there's hospital wastes, chemical wastes, you name it,” he said. “It's not rocket science to know why they're doing it because of the instability there."
Mr. Nuttall said, on average, it cost European companies $2.50 per ton to dump the wastes on Somalia's beaches rather than $250 a ton to dispose of the wastes in Europe..."
http://www.voanews.com/english/archive/2005-02/2005-02-23-voa23.cfm
"...In 1991, the government of Somalia collapsed. Its nine million people have been teetering on starvation ever since – and the ugliest forces in the Western world have seen this as a great opportunity to steal the country's food supply and dump our nuclear waste in their seas.
Yes: nuclear waste. As soon as the government was gone, mysterious European ships started appearing off the coast of Somalia, dumping vast barrels into the ocean. The coastal population began to sicken. At first they suffered strange rashes, nausea and malformed babies. Then, after the 2005 tsunami, hundreds of the dumped and leaking barrels washed up on shore. People began to suffer from radiation sickness, and more than 300 died..."
http://www.independent.co.uk/opinion/commentators/johann-hari/johann-hari-you-are-being-lied-to-about-pirates-1225817.html
chatahootchee (14.04.2009, 22:33 Uhr)
RICHTIG LAHM HEUTE
Wohl alle vor dem Fernseher? Alle sind gegen Fussball, aber jeder schaut zu.
chatahootchee (14.04.2009, 22:01 Uhr)
NONSENSE!
Glaubt man wirklich, es gaebe in Somalia keine "Landpiraten"? Sobald man merkt, man kann Hilfskonvoys ueberfallen, ohne seekrank zu werden, geht man diesen Weg. Naive Experten; alles Gelaber, weil man keine Antwort weiss.
Garnet (14.04.2009, 21:51 Uhr)
@balludrian
:-)) selten so gelacht.
balldurian (14.04.2009, 21:41 Uhr)
Die "Lage auf dem Festland zu verbessern" ...
... früher erledigten zwei deutsche kreuzer sowas an einem vormittag. Und an den entstandenen wasserlöchern tränken die einheimischen noch heute ihr vieh ...
unglaeubiger (14.04.2009, 20:56 Uhr)
mehr wie eine pflichtentschuldigung
gibt es nicht! weder in gaza noch in afganistan usw.
sicher in deutschland vieleicht, aber steinhaus sagt das was immer wieder abläuft. wenn wollen sie denn bitte verurteilen?
die israelis? die amis? oder steinhaus?
unglaeubiger (14.04.2009, 20:48 Uhr)
Volksverhetzung nach §130
im irak wurde es nicht anders gemacht,
ist dort jemand verurteilt woerden?
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