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14. März 2010, 15:23 Uhr

Polizei gerät nach Ermittlungsschlappe unter Druck

Es war wohl eine Verwechslung: Knapp eine Woche nach dem spektakulären Poker-Raub hatte die Polizei einen Verdächten festgenommen. Doch den musste sie kurz darauf wieder gehen lassen. Jetzt wird weiter "in alle Richtungen" ermittelt.

Poker-Raub, Pokerturnier, Raubüberfall, Berlin, Hyatt Hotel

Der Überfall fand im Grand Hyatt in Berlin statt© Markus Schreiber/AP

Auf den vermeintlichen Erfolg bei der Fahndung nach den Berliner Pokerräubern folgte am Wochenende die schnelle Ernüchterung: Mit einem Spezialeinsatzkommando hatte die Polizei einen Verdächtigen festgenommen - und musste ihn am Samstag schon wieder ziehen lassen. Dem einschlägig Vorbestraften war offensichtlich nur seine Ähnlichkeit mit einem Täter auf den Bildern der Überwachungskameras zum Verhängnis geworden. Damit ist der Ausgang des Fahndungspokers wieder offen - und der Druck auf die Polizei wächst. Den hatte Polizeipräsident Dieter Glietsch teilweise selbst erzeugt, indem er kurz nach dem Raub die Hoffnungen auf einen schnellen Erfolg mit den Worten schürte: "Die Chancen stehen gut."

In Wildwest-Manier hatten vier maskierte Männer am Samstag vor einer Woche das Pokerturnier im Luxushotel Grand Hyatt gestürmt und sich die Taschen mit mehreren hunderttausend Euro vollgestopft. Als ein Wachmann einen Täter kurzzeitig in den Schwitzkasten nahm, gelang es einem Praktikanten des Hotels, dem Räuber eine Tasche mit mehr als 600.000 Euro zu entreißen. Die Täter flohen anschließend mit 242.000 Euro. Einigen Prominenten blieb der Überfall erspart. Ex-Tennisprofi Boris Becker, Fernsehmoderatorin Charlotte Roche und Poker-Titelverteidigerin Sandra Naujoks - in der Szene als "Black Mamba" bekannt - waren zu dem Zeitpunkt schon ausgeschieden.

Überwachungskameras hielten die filmreifen Szenen fest und übertrugen sie per Livestream ins Internet. Kameras an umliegenden Gebäuden am Potsdamer Platz filmten die Räuber ebenfalls. Auf einigen Bildern war zu sehen, dass einer der Räuber keine Handschuhe trug. Zahlreiche Augenzeugen hatten das Verbrechen außerdem vor Ort miterlebt. Auf dieses dilettantische Vorgehen und zahlreiche Spuren gründete die Polizei ihre Hoffnung, die Täter schnell zu finden. Doch beinahe eine Woche verging, ohne dass die Ermittler ein Ergebnis vorweisen konnten.

Es handelte sich wohl um eine Verwechslung

Von Freitagabend an hatten sich die Ereignisse überschlagen. Spezialkräfte der Polizei nahmen einen Mann in einer Berliner Wohnung fest und das Amtsgericht Tiergarten erließ Haftbefehl gegen ihn. Doch am Tag danach musste die Polizei ihn wieder auf freien Fuß setzen. Der Haftbefehl gegen ihn wurde auf Antrag der Staatsanwaltschaft wieder aufgehoben.

Der Mann war nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur und der "Berliner Morgenpost" schon 2004 an einem Casino-Raub am Alexanderplatz beteiligt. Dafür war er rechtskräftig zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt und erst seit kurzen wieder aus dem Gefängnis entlassen worden. Weil die Ermittler glaubten, ihn auf den Überwachungsvideos aus dem Grand Hyatt und von Kameras am Potsdamer Platz erkannt zu haben, nahmen sie ihn fest. Später stellte sich heraus, dass es sich wohl um eine Verwechslung handelte. Nach Medienberichten stritt der Verdächtige alles ab und hatte außerdem ein Alibi.

Nach diesem Rückschlag wächst der Druck auf die Ermittler, einen schnellen Fahndungserfolg zu präsentieren. "Wir ermitteln unter Hochdruck in alle Richtungen", sagte ein Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft am Sonntag.

Ulrike Thiele/DPA
 
 
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