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9. März 2010, 14:22 Uhr

The Business must go on

Vier maskierte Männer mit Messern und Pistolen brechen ein, rauben 242.000 Euro, die Gäste geraten in Panik - aber der Veranstalter setzt sein Poker-Turnier im Berliner Hyatt ungerührt fort. Wie kann das sein? stern.de hat nachgefragt. Von Nana Gerritzen

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Als ob Quentin Tarantino Regie geführt hätte: Das Hyatt-Hotel nach dem Überfall.© Klaus-Dietmar Gabbert/EPA

Es war, als hätte Quentin Tarantino Regie geführt - aber dieser Überfall war leider kein Film. Am vergangenen Samstag gegen 14.15 Uhr stürmen vier maskierte Männer den Saal im ersten Stock des Berliner Hyatt. Sie bedrohen die Pokerspieler, die dort zocken, mit Messern und Pistolen, rauben 242.000 Euro und verschwinden wieder.

Und danach? Wird weiter gezockt.

"Es ist, als würde eine Bank eine halbe Stunde nach einem Überfall wieder öffnen und weiter machen, als wäre nichts passiert", sagt Horst Koch, Gründer der German Poker Players, die jährlich hunderte Turniere mit Profis und Hobbyzockern ausrichtet, zu stern.de. "Der Überfall wurde wie eine Lappalie abgehandelt."

Warum wurde das Preisgeld nicht weggesperrt?

Tatsächlich erwähnt der Veranstalter, die European Poker Tour (EPT), den Raubüberfall in seiner Pressemitteilung zum Turnier erst im vorletzten Absatz. Stattdessen wird der Sieger gefeiert - ein 29-jähriger US-Amerikaner namens Kevin MacPhee. An einem Dialog über das Hyatt-Drama hat die EPT offenbar kein Interesse. Auf der Website des Veranstalters ist keine Telefonnummer angegeben, mehrfache Anfragen von stern.de an EPT-Turnierdirektor Thomas Kremser und eine Sprecherin des Unternehmens blieben unbeantwortet.

Dabei sind ein paar brennende Fragen zu beantworten: Wie will die EPT künftig die Sicherheit ihrer Spieler gewährleisten? Warum war das Preisgeld - insgesamt eine Million Euro - nicht komplett weggesperrt? Wie lässt es sich rechtfertigen, dass ein Zocker-Event völlig unbeteiligte Hotel-Gäste gefährdet?

Es war nur Zufall und Glück, dass bei dem Raubüberfall niemand verletzt wurde.

Was, wenn die Promis lieber zuhause bleiben?

Tobias Hayer, Diplom-Psychologe an der Uni Bremen und Mitglied bei Glücksspielsucht e.V. Poker, ahnt, warum sich die EPT in eisiges Schweigen hüllt. Pokern sei "in", sagt Hayer, das Spiel werde als Lifestylesport vermarktet. Durch die Berliner Gewalttat habe das blank polierte Image einen Makel bekommen. "Die Leute merken, dass es um hohe Geldsummen geht und dass dieser Umstand natürlich auch Kriminelle anzieht." Was, wenn künftig viel weniger Spieler zu den Turnieren kommen und die Einnahmen weg brechen? Was, wenn Promis wie Boris Becker und Charlotte Roche, die im Hyatt vor den Kameras posierten, lieber zuhause bleiben?

Ganz zu schweigen von den Themen, die nun rund um den Überfall wieder in den Medien hoch kochen. Eines davon hat Hayer fest im Blick: "Poker macht Spaß. Ich will das Pokerspiel auch gar nicht verteufeln, aber diese Marketingstrategien verschleiern gezielt den Suchtcharakter", sagt er zu stern.de. Davon wollen natürlich all jene nichts hören, die mit dem Pokern finanziell verbandelt sind: Veranstalter, Ausrüster, Betreiber einschlägiger Webseiten, Spielbanken, TV-Sender und Firmen, die in diesem Umfeld Werbung schalten.

Den schwarzen Peter herumschieben

In Berlin schieben sich die Beteiligten derzeit den schwarzen Peter wechselseitig zu und sagen im Zweifel nichts. Die Berliner Spielbank, offiziell der Austragungsort des Turniers - die Anmietung des Hyatt-Saals war eine "Auslagerung", wie es im Verwaltungsdeutsch heißt - schweigt mit Hinweis auf die laufenden Untersuchungen. Die Berliner Senatsverwaltung für Inneres und Sport, die die Veranstaltung genehmigt hat, lässt ausrichten, dass die privaten Veranstalter für die Sicherheit zu sorgen hätten. Diese Ansicht vertritt auch das Management des Hotels. Hyatt-Direktor Heddo Siebs erklärte der "Berliner Zeitung" treuherzig, er habe gar nicht gewusst, dass so viel Bargeld im Spiel gewesen sei. Tja, da hätte er vorher mal bei der EPT nachfragen sollen.

Die Täter übrigens haben sich nach Meinung der Polizei ziemlich dilettantisch verhalten und reichlich Spuren hinterlassen. Es sei wahrscheinlich, dass sie bald geschnappt werden könnten.

Doch das scheint die geringste Sorge der Beteiligten am Poker-Business zu sein. Sie schweigen nach der Devise: The Business must go on. Das nächste EPT-Turnier beginnt übrigens am 21. März in der Nähe von Salzburg. Wer sich zuvor qualifiziert, kann teilnehmen. Persönlicher Mindesteinsatz: 5300 Euro. Über die Höhe des Preisgeldes gibt es auf der Internetseite des Veranstalters noch keine Angaben.

Mitarbeit: Lutz Kinkel
 
 
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