Die Jagd auf einen Rollerfahrer

31. Dezember 2013, 11:17 Uhr

Bei einer Verfolgungsjagd mit der Polizei stürzt ein 17-Jähriger lebensgefährlich. Ein Film dokumentiert das harte Vorgehen der Beamten und wird 2013 zum meistgesehenen Video auf stern.de. Von Wigbert Löer

Und dann fliegt er. Überschlägt sich. Landet auf dem Asphalt, kurz nach Mitternacht, nahe der Stadtgrenze von Krefeld. mehr...

Christian Bartmann ist gestoppt worden. Und schwebt, so meldet es ein Notarzt, in Lebensgefahr.

Es hat fünf Minuten gedauert, am Ende waren acht Polizisten in drei Autos im Einsatz in jener mäßig kalten Novembernacht 2011. Bartmann, damals 17, befand sich nachts mit einem frisierten Mofa auf dem Heimweg. Man hatte ihn schon mal erwischt auf einem zu flinken Roller. Als Polizisten den Verkehr kontrollierten und ihm ein Zeichen gaben anzuhalten, zog er vorbei. Die Beamten nahmen die Verfolgung auf.

Wenige Meter vor der Bereichsgrenze des Krefelder Präsidiums – danach hätten die Polizisten die Kollegen aus Moers einschalten müssen und den Fall nicht mehr unter sich klären können – knallt Christian Bartmann gegen den Kotflügel eines Polizeipassats. Die Bilder zeigen, dass er nicht mehr anhalten und auch nicht mehr ausweichen konnte. Urplötzlich hatte sich ihm der dritte Streifenwagen in den Weg gestellt. Rechts von ihm verlief ein Graben.

Bartmann fuhr insgesamt sicher in jener Nacht, auch die Schlangenlinien, die er machte, um seine Verfolger nicht vor sich zu lassen. Er hatte nichts getrunken. Er fühlte sich, als er schwerverletzt auf der Straße lag, ungerecht behandelt. Mehr zur Jagd in Krefeld

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Der stern berichtet, wie der 17-Jährige die Polizisten beleidigte. Und wie ihn allerdings auch, so sagt es Bartmann, eine blonde Polizistin zuvor provozierte. Zuerst klappte ein Kollege ihm das Verdeck seines Sturzhelmes hoch, sicher auch, damit er besser Luft bekam. Dann klappte er das Verdeck kurzerhand wieder zu.

Dem stern liegen auch die Aussagen der beteiligten Polizisten vor. Auch daraus geht hervor, dass der Vorfall vertuscht werden sollte. Und so ermittelte man – durchaus schlüssig – auch erst einmal gegen Christian Bartmann. Als Bartmanns Anwalt die Aufnahmen der polizeilichen Videokamera sah, fand er, dass die Sache exakt anders herum laufen musste. Bartmann war Opfer, die Polizisten Täter – so formulierte der Anwalt die Strafanzeige.

Noch immer liegt der Fall bei der Krefelder Staatsanwaltschaft, es wird ermittelt, gegen die Polizisten. Die Ermittlungen gegen Bartmann sind längst eingestellt.

Der inzwischen 19-Jährige hatte damals Glück im Unglück. Er zog sich keine inneren Verletzungen zu. Im linken Oberarm steckt immer noch ein mehrere Zentimeter langer Nagel, der den damals durchgebrochenen Knochen zusammenhielt. Sein rechtes Sprunggelenk ist verschoben.

Ihm sei klar, dass zuerst einmal er selbst Fehler gemacht habe, sagte er dem stern: "Aber die Reaktion ist dann doch schlimmer gewesen, finde ich." Entschuldigt hat sich bislang noch niemand bei ihm. Schließen